• Mit seinem neuen Motor machte Hamilton am gesamten Wochenende in Brasilien 25 Strafplätze gut und fuhr seinen sechsten Saisonsieg ein.
  • Red Bull Racing schlägt deshalb Alarm, denn sie sehen ihre WM-Felle davonschwimmen.
  • Nur Max Verstappen, der mit 14 Punkten vor Hamilton führt, sieht die Mercedes-Stärke gelassen.

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Max Verstappen hat es geahnt. Zu unberechenbar ist diese Formel-1-Saison, das ganze Jahr ein Auf und Ab, ein Hin und Her. Deshalb wollte er nach seinem Sieg in Mexiko auch nichts von einer Machtdemonstration oder einem Momentum wissen. Momentaufnahme traf es da besser.

Umgekehrt verfällt der Niederländer nach der Klatsche am Sonntag in Brasilien aber auch nicht in Panik. Ganz im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten, die nach dem Konter von Mercedes und Lewis Hamilton die WM-Felle davonschwimmen sehen – bei noch drei Rennen und 14 Punkten Vorsprung wohlgemerkt. Wie kann innerhalb von nur einer Woche die Stimmung so eklatant kippen?

Die Leistung von Titelverteidiger Hamilton in Sao Paulo hat fraglos Eindruck hinterlassen, sie hallt bei Red Bull nach. Denn der Brite machte im Sprint Qualifying und Rennen insgesamt 25 Strafplätze gut und flog förmlich zu seinem sechsten Saisonsieg. Der wohl entscheidende Grund für die Gala war der neue Motor, den Mercedes in Hamiltons Boliden einbaute – der Brite raste allen davon.

Formel-1-Endspurt: Ratlosigkeit und Panik bei Red Bull

Bei Red Bull herrscht eine Mischung aus Ratlosigkeit und Panik. Motorsportberater Helmut Marko bezeichnete das neue Mercedes-Herzstück bei Sky bereits als "Meisterwerk", als "Rakete" und sprach von einer "unglaublichen Power". Mehr noch: "Wenn das so weitergeht, schaut es für die WM nicht mehr gut aus. Ich fürchte: Jetzt muss man schon hoffen, dass es bis ins letzte Rennen geht", sagte der Österreicher.

Er geht von einem Plus von 20 PS durch den Motor aus. Fakt ist: Auf den Geraden war Hamilton in Brasilien nicht zu halten. Dem Verdacht, Mercedes generiere durch einen flexibleren Heckflügel einen zusätzlichen Vorteil, kann man bei Red Bull aufgrund fehlender Fakten im Moment nicht weiter nachgehen.

Doch was hat es mit dem "Motorwunder" auf sich? Dazu muss man wissen: Teams dürfen pro Saison drei Motoren straffrei nutzen, die Aggregate sind also auch auf eine gewisse Haltbarkeit getrimmt. Wie Mercedes-Teamchef Toto Wolff verriet, baut der Motor nach rund 1.000 Kilometern Laufleistung ab.

Hamilton kann aggressiver zu Werke gehen

"Wir haben unheimlich viel Verschleiß und auch Zuverlässigkeitsthemen, das ist eine absolut tödliche Kombination. Aber jetzt können wir das stabilisieren", sagte Wolff. Klar ist: "Der neue Motor geht am Anfang natürlich gut." So kann Hamilton mit dem neuen Aggregat etwas aggressiver zu Werke, mehr ans Limit gehen, weil er nur noch vier beziehungsweise jetzt nur noch drei Rennen halten muss.

Für Marko ist deshalb klar: "Wenn Mercedes an dieser Motorleistung bis zum letzten Rennen festhalten kann, dann sieht es nicht gut aus." Denn Verschleiß nach zwei oder drei Rennen hin oder her: "Das hilft uns nichts mehr. Dann ist die WM schon vorbei", so Marko.

Doch wie sieht das Kräfteverhältnis auf den letzten drei Strecken in Katar, Saudi-Arabien und Abu Dhabi generell aus? Beim 20. Saisonrennen am Sonntag in Katar dürfte es grundsätzlich ausgeglichener sein. Saudi-Arabien spricht mit der langen Geraden für Mercedes. Und in Abu Dhabi gibt es nach einem Umbau auch zwei neue, lange Geraden mit einer anderen Kurvenkombination. "Das Pendel kann weiter hin- und herschwingen", so Wolff.

Verstappen sieht die Situation entspannt

Verstappen blickt der Situation deshalb locker entgegen. "Natürlich bringt der neue Motor anfangs einen deutlichen Leistungsgewinn - aber das wird sich langsam wieder normalisieren", betonte der Niederländer. Vielleicht sehe es jetzt etwas dramatischer aus, so Verstappen, "aber ich bin zuversichtlich, dass sich das langsam wieder normalisieren wird". Denn dass ein Momentum in diesem Titelkampf nicht unbedingt viel wert ist, weiß er selbst am besten.

Verwendete Quellen:

  • TV-Übertragung Sky, Pressekonferenzen
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Jos Verstappen, Benetton-Ford, Hockenheimring, 1994, Formel 1, Flammen, Großer Preis von Deutschland
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