Dank Axel Witsel, Marco Reus und einer Menge Glück steht Borussia Dortmund in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Gegner Greuther Fürth hadert mit Schiedsrichter Manuel Gräfe, der fünf Minuten nachspielen ließ und somit dem BVB die Verlängerung ermöglichte. Aber ist die Kritik am Referee berechtigt?

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Mit dem vermeintlichen "Bayern-Dusel" in Form von zwei jeweils ganz späten Toren hat sich Borussia Dortmund in die zweite Runde des DFB-Pokals gezittert.

Bei der Spielvereinigung Greuther Fürth gewann der BVB mit 2:1 nach Verlängerung. Dass es überhaupt zu dieser kam, war Neuzugang Axel Witsel zu verdanken, der in der fünften Minute der Nachspielzeit zum 1:1-Ausgleich traf. Zu allem Übel aus Sicht der "Kleeblätter" gab es den finalen K.o. in der 121. Minute durch einen Treffer von Marco Reus.

Aber war es überhaupt angebracht, dass der BVB vom Unparteiischen Manuel Gräfe fünf Minuten Extra-Zeit bekommen hatte, um sich in die Verlängerung zu retten?

Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" schätzt regelmäßig strittige Szenen und Entscheidungen für unsere Redaktion ein. Er verteidigt die Entscheidung Gräfes und verweist auf die WM in Russland, bei der eine Nachspielzeit von fünf oder sogar sechs Minuten die Regel gewesen sei.

Feuerherdt: Es wird nun auch in Deutschland konsequenter nachgespielt

"In Deutschland orientiert man sich nun daran - vor allem bei einem knappen Spielstand", sagt Feuerherdt im Gespräch mit unserer Redaktion. "Neben Verletzungsunterbrechungen soll jetzt insbesondere die Zeit, die bei Auswechslungen und dem Torjubel verloren geht oder vergeudet wird, konsequenter nachgespielt werden. Bislang hat man darauf oft verzichtet, wenn sich die Länge der Unterbrechung im Rahmen hielt."

Der Schiri-Experte rechnet für das Pokal-Spiel vor: "Es dauerte alleine nach dem Tor für Fürth 80 Sekunden, bis die Partie wieder fortgesetzt werden konnte, die Fürther Auswechslung in der 90. Minute nahm 45 Sekunden in Anspruch. Hinzu kamen fünf weitere Wechsel. Insofern waren die fünf Minuten Nachspielzeit nicht übertrieben." Feuerherdt weiß aber auch: "In Deutschland muss man sich erst daran gewöhnen."

Frust der Fürther Fans entlädt sich an Manuel Gräfe

Die Fürther Fans hatten direkt nach Schlusspfiff jedenfalls kein Verständnis für Gräfes Entscheidung und im Referee den Schuldigen für das dramatische Pokal-Aus gefunden. Der 44-Jährige wurde von frustrierten Anhängern mit "Schieber, Schieber"- und "Ohne Schiri habt ihr keine Chance"-Gesängen bedacht.

Fürth-Verteidiger Maximilian Wittek empfand die Nachspielzeit als zu üppig, genauso wie Torwart Sascha Burchert. "Für mich war das die eine oder andere Minute zu viel", sagte Burchert zu "Sport 1". "Dortmund hatte lange genug Zeit, ein Tor zu schießen, 93 Minuten sollten eigentlich ausreichen." Der Keeper wollte die Schuld am Ausscheiden aber genauso wie Wittek nicht an Gräfe festmachen.

Selbst BVB-Kapitän Marco Reus hatte Verständnis für die entstandene Diskussion um die Nachspielzeit. "Wir nehmen natürlich alles mit. Aber aus Sicht von Greuther Fürth kann man nachvollziehen, dass sie vielleicht sauer sind. Aber das liegt nicht in unserer Macht", sagte der Nationalspieler in der ARD.

Es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis sich Spieler und Fans an längere Nachspielzeiten als in den vergangenen Jahren gewöhnt haben werden. (tfr)

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Verwendete Quellen:

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