Wie sich die historische Niederlage des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach für einen Fan anfühlt und warum der FC Bayern nun eine Serie starten muss.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

"Erfolgsfan". Es gibt wohl keinen Begriff, mit dem man Fans des FC Bayern mehr provozieren kann. So unfair der Begriff für den Großteil der Bayern-Fans ist - eine Sache stimmt: Für Bayern-Fans sind Niederlagen eher die Ausnahme. Das heißt aber gleichzeitig auch, dass jede noch so seltene Pleite doppelt und dreifach schmerzt. Erst recht, wenn es eine solche Klatsche gibt wie beim 0:5 gegen Borussia Mönchengladbach am vergangenen Mittwochabend.

Ich habe in 30 Jahren als Fan des FC Bayern viele bittere Niederlagen erlebt. An ein solches Spiel wie am Mittwoch kann ich mich jedoch nicht erinnern. Auch zwei Tage später ist das nur schwer zu begreifen. Der FC Bayern verlor nicht nur hoch, sondern auch völlig verdient. Er wurde überrannt wie er es sonst selbst gern mit Gegnern macht. 0:3 nach 20 Minuten. Eine Demütigung. Ein Klassenunterschied.

Kollektive Fehlleistung

Es sind übrigens Tage wie diese, an denen sich Kollegen, Freunde und auch längst vergessene Bekannte aus Schultagen zu Hauf auf einem der vielen Kanäle per Handy oder in den einschlägigen sozialen Netzwerken mit teils gut gemeinten, teils hämischen Nachrichten melden. Auch das gehört dazu, wenn man Bayern-Fan ist. Ich habe übrigens keine einzige der Nachrichten beantwortet.

Die Pleite fühlt sich nach mehr an als der klassische Ausrutscher, der den Münchnern alle paar Jahre durchaus mal passiert. Dafür war die Niederlage zu klar und die Verunsicherung der Bayern von der ersten Minute an zu groß. Die Defensive: Konfus. Das Mittelfeld: Ungenau. Der Angriff: Nicht existent. Es war eine kollektive Fehlleistung und nicht ein schlechter Tag Einzelner. Das macht die Niederlage so gefährlich.

Hat all das mit den Negativschlagzeilen der letzten Wochen zu tun? Die Diskussion um Joshua Kimmichs Impfstatus, das Gerichtsverfahren um Lucas Hernández, Julian Nagelsmann in häuslicher Quarantäne - all das können natürlich Faktoren sein, die eine vernünftige Konzentration auf das Spiel gegen hochmotivierte Borussen zunichte machten. Aber reicht das wirklich, um eine zuvor mit ganz wenigen Wacklern herausragende Mannschaft so aus dem Tritt zu bringen? Fraglich.

Keine Antwort auf Gladbachs Intensität

Sichtlich überfordert waren die Bayern jedenfalls mit der Intensität der Gladbacher, die ihren Heimvorteil nach langen Monaten ohne oder nur wenig Zuschauern voll ausspielten. Vor der Pandemie war das für den FC Bayern Standard. Für die Heimmannschaft ist ein Spiel gegen den FC Bayern immer das Spiel des Jahres. Darauf musste sich der Rekordmeister einstellen und insbesondere dem Publikum durch viel eigenen Ballbesitz oder frühe Tore den Wind aus den Segeln nehmen. Gegen Gladbach passierte jedoch das Gegenteil.

Das 0:5 hat beim FC Bayern einen Schock ausgelöst. Das war nicht nur Hasan Salihamidzic, sondern auch den Führungsspielern des Klubs nach Schlusspfiff deutlich anzumerken.

Kommt jetzt die passende Reaktion?

Die große Frage ist nun, wie die Münchner darauf reagieren. Mit noch mehr Verunsicherung? Oder mit trotziger Entschlossenheit. Im vergangenen Jahrzehnt war es eine große Stärke der Münchner, aus Niederlagen keine Schwächeperiode werden zu lassen. Im Gegenteil. Auf deutliche Rückschläge folgen oft lange Siegesserien, die der Grundstein dafür waren, dass der FCB zumindest in der Liga seit fast einer Dekade nahezu unschlagbar ist.

Gegen Union Berlin steht nun am Samstag das nächste durchaus schwere Auswärtsspiel an. Alle Augen richten sich jetzt auf die Münchner. Gerät der Rekordmeister durch die historische Pleite längerfristig ins Wanken oder kommt die erhoffte wütende Reaktion?

Ich habe dafür im Moment noch kein wirkliches Gefühl. Dafür war dieser Abend im Borussia-Park zu absurd. Meine Erwartung ist jedoch klar: So wie am Mittwoch darf eine Bayern-Mannschaft nicht auftreten. Jedenfalls nicht ein zweites Mal innerhalb einer Saison. Der Samstag ist also ein perfekter Moment, um eine eigene Siegesserie zu starten. Gelingt das nicht, könnte aus der historischen Pleite gegen Gladbach eine sehr lange und komplizierte Saison für Nagelsmann und seine Mannen werden. Denn es gibt für den FC Bayern nichts gefährlicheres als den Glauben der Konkurrenz an die Schlagbarkeit des Rekordmeisters.

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