• Borussia Mönchengladbach hat den FC Bayern München am Mittwochabend in alle Einzelteile zerlegt.
  • Nie zuvor hatte es im DFB-Pokal eine höhere Klatsche für die Münchner gegeben.
  • Entsprechend geschockt reagierte der deutsche Rekordmeister.

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Von "traumwandlerisch" zum Albtraum, von "so gut wie nie" zu historisch schlecht: Bei Bayern München herrschte nach dem gruseligen Auftritt im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach Schockstarre. "So ein kollektives Versagen in so einem wichtigen Spiel habe ich noch nicht erlebt", sagte Thomas Müller nach der historischen 0:5-Pokalschmach seines FC Bayern fassungslos.

Salihamidzic: "Ich bin schockiert"

Der desolate Rekordmeister sei von der entfesselt aufspielenden Borussia, die laut Manager Max Eberl eine "magische Nacht" feierte, "in der ersten Halbzeit von A bis Z zerpflückt worden", fügte der Münchner Führungsspieler mit finsterer Miene an: "Wir müssen uns bei unseren Fans entschuldigen."

Sportvorstand Hasan Salihamidzic schüttelte bei seiner Analyse der höchsten Pleite in der Münchner Pokalhistorie immer wieder ungläubig den Kopf. Vorstandschef Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer hatten da schon erschüttert und wortlos ihre VIP-Plätze auf der Tribüne verlassen. "Ich bin schockiert", sagte Salihamidzic nach einem "kollektiven Blackout" und betonte: "Es ist für mich unerklärlich."

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Müller: "Nicht den Punkt gefunden, wo der FC-Bayern-Wut-Motor angeht"

Der gefrustete Müller lieferte zumindest einen Ansatz für den Bayern-Absturz. "Wir haben nicht diesen Punkt gefunden, wo der FC-Bayern-Wut-Motor angeht", sagte er. Es sei "von allen Beteiligten eine katastrophale Leistung" gewesen: "Das musst du erstmal hinbekommen. Man kann alles hinterfragen und liegt immer richtig."

Dabei schien der Rekordmeister und -pokalsieger schon wieder unantastbar - ungeachtet der Corona-Erkrankung seines Trainers Julian Nagelsmann, der diesmal aus der Küche keine Impulse geben konnte; ungeachtet einer drohenden und inzwischen abgewendeten Haftstrafe gegen Weltmeister Lucas Hernandez; und ungeachtet auch der Impfdebatte um Joshua Kimmich.

Ehrenpräsident Uli Hoeneß hatte erst am Montag von "traumwandlerischen" Bayern geschwärmt. "Kaiser" Franz Beckenbauer wollte nach der jüngsten 5:1-Gala in Leverkusen gar "perfekten Fußball" gesehen haben. So gut habe er seine Bayern "noch nie gesehen".

Bayern wollen in Berlin Reaktion zeigen

Und jetzt? "Wir müssen in den nächsten ein, zwei Tagen sicher mit Häme und Spott leben", mutmaßte Ersatztrainer Dino Toppmöller - und musste darauf in den (sozialen) Medien nicht lange warten. Besonders in Anspielung auf Kimmichs Impfskepsis gab es Wortspiele - etwa die Frage nach den "Langzeitfolgen" für die Bayern.

Die soll es jedoch nicht geben. Müller hofft auf die passende Antwort schon am Samstag (15:30 Uhr/LIVE bei uns im Ticker) bei Union Berlin. "Wir werden in den nächsten Wochen sehen, wie wir nach so einem Spiel reagieren. Man ist es von uns gewohnt, dass wir nach Negativerlebnissen eine Reaktion zeigen", sagte er und fügte nachdenklich an: "Aber das ist leicht gesagt. Normal ist man es von uns auch gewohnt, dass wir nach Rückständen anders reagieren."

Toppmöller forderte, "dass wir uns schütteln". Er sei "absolut zuversichtlich, dass das ein Ausrutscher war, wenn ich die letzten Wochen sehe, die Gier und den Willen, die Spiele auch hoch zu gewinnen".

Ob Nagelsmann in Berlin wieder auf der Bank sitzen kann, ist offen. So oder so: Eine Reaktion, so Toppmöller, werde "mit Sicherheit kommen". Vielleicht, mutmaßte Müller, ist das Grauen von Gladbach "durch diese dramatische Höhe und Deutlichkeit sogar besser zu verarbeiten". (AFP/msc)

Julian Nagelsmann bat zur Telefon-Seelsorge: "Wir haben uns nicht gegenseitig vollgeweint"

Bayern Münchens historisches Pokal-Aus in Gladbach wirkt nach. Es werde dauern, das aus den Köpfen rauszukriegen und abzuschütteln, spricht Trainer Julian Nagelsmann aus der Corona-Quarantäne von einem der "traurigsten Momente" seiner Karriere. "Die Spieler sollen die Fehler nicht nur bei sich suchen." © DAZN