Pep Guardiola sagt den Bleichgesichtern den Kampf an, der Torwart hat es beim Elfmeterschießen am Leichtesten, in alten Knochen steckt noch Wumms und Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Die (nicht ganz ernstgemeinten) Lehren aus dem Viertelfinale des DFB-Pokals.

1. Erkenntnis: Pep hat den Klappstuhl ausgegraben

Vielleicht erinnern Sie sich noch an Bully Herbigs Film "Der Schuh des Manitu" - dieser Winnetou-Abklatsch mit einem kotzenden Pferd und fröhlich singenden Cowboys, Sie wissen schon. In diesem Kleinod des deutschen Kinos jedenfalls kommt eine sehr entscheidende Szene vor, in der die Indianer in Ermangelung eines Kriegsbeils den Klappstuhl ausgraben.

"Sie haben den Klappstuhl ausgegraben"

Die Indianer in der "Schuh des Manitu" sind offenbar etwas verwirrt. © YouTube

Nun ist nicht davon auszugehen, dass Bayern-Trainer Pep Guardiola diesen Film jemals gesehen hat. Als der Spanier jedoch beim Elfmeterschießen die Trainerbank gegen einen Klappstuhl eintauschte, erinnerte das doch sehr an den Wilden Westen: Die ultimative Kriegserklärung an Bayer 04 Leverkusen sozusagen - "Ihr habt gut gekämpft, Bleichgesichter, aber jetzt hat euer Stündlein geschlagen. Jetzt graben wir den Klappstuhl aus". Mit grimmiger Miene saß Häuptling Pep also auf seinem Klappstuhl und sah zu, wie der tapfere Krieger Thiago den entscheidenden Elfmeter verwandelte und die Bleichgesichter bzw. Leverkusen in die ewigen Jagdgründe bzw. ins Pokalaus schickte.

Falls Sie ihrem Nachbarn oder so auch mal den Krieg via Klappstuhl erklären wollen - bei Twitter gibt es die Aufbauanleitung.


2. Erkenntnis: Am Besten ist immer Mitte oder Torwart

Der Letzte ist immer der Depp. Also nicht allgemein gesprochen, denn biblisch gesehen können die Letzten auch durchaus mal die Ersten sein. Aber in der Bibel gab es noch kein Elfmeterschießen und beim Elfmeterschießen ist der letzte Schütze - wenn schon nicht immer, dann zumindest meistens - der Depp. Der bedauernswerte Ibrahima Traoré von Borussia Mönchengladbach zum Beispiel. Der arme Bub musste den letzten Elfmeter für Gladbach gegen Bielefeld schießen. Da hätten wir auch keine Lust drauf, vor allem, wenn vorher schon der Raffael verschossen hat. Und dann dieser Druck! Alle schauen hin, alle hoffen, alle haben Erwartungen an den letzten Schützen. Nö nö nö, das wäre nichts für uns. Und für Traoré ist es offensichtlich auch nichts. Wir können den Elfmeter-Fail also komplett verstehen.

Pressestimmen zum DFB-Pokal: Schelte für Thiago, Lob für Bielefeld.

Allerdings muss man auch sagen: der erste Schütze hat es offenbar auch nicht leicht. Raffael von Gladbach und Drmic von Leverkusen können davon ein Liedchen singen. Immerhin soll der erste Schütze der eigenen Mannschaft in diesen wichtigen Sekunden gleich mal ein gutes Gefühl für den weiteren Verlauf des Elfmeterschießens vermitteln. Keine besonders dankbare Aufgabe. Der Erste ist also auch irgendwie der Depp.

Überhaupt ist man beim Elfmeterschießen am besten ein Schütze, der in die Mitte zielt, oder der Torwart. Als Torwart kann man nämlich überhaupt nichts falsch machen. Man kann nur halten oder nicht. Wenn man nicht hält, ist keiner sauer. Und wenn man hält, ist man ein Gott. Wie Alexander Schwolow von Arminia Bielefeld zum Beispiel.

3. Erkenntnis: Auch in alten Knochen steckt noch Wumms

Wenn Sebastian Kehl schon selbst vom "Herbst meiner Karriere" spricht, dann dürfen wir - finden wir - im Falle des 35-Jährigen durchaus auch von alten Knochen sprechen. Und das meinen wir gar nicht despektierlich, sondern eher ehrfürchtig. Denn so viel wie die Knochen von Sebastian Kehl schon mitgemacht haben, werden unsere Knochen ihr ganzes Leben lang nicht erleben. Und dann haben die Kehl'schen Knochen immer noch mehr Wumms als so manch 16-jähriger Knochen. Das hat Kehl bei seinem ersten Pokal-Tor für Dortmund gegen Hoffenheim eindeutig bewiesen. Verrückt. Wir halten es da komplett mit Jürgen Klopp: "Ich wusste gar nicht, dass er das kann".

Sebastian Kehls Hammerschuss gibt dem BVB die Hoffnung zurück.

4. Erkenntnis: Ein Rudi Völler gibt nicht auf

Die ewige Leverkusen-Story: hervorragend gekämpft, den Gegner an den Rand einer Niederlage geführt, und dann im Elfmeterschießen ausgeschieden. Lief schon so gegen Atlético Madrid in der Champions League. Lief wieder so gegen den FC Bayern München im DFB-Pokal. Den Leverkusener liegen K.o.-Spiele einfach nicht - oder wahlweise auch Elfmeterschießen. Nur einer ist weiterhin von der K.o.-Qualität seiner Mannschaft überzeugt: Rudi Völler. "Irgendwann gewinnen wir auch mal ein Elfmeterschießen", meint "Tante Käthe".

Irgendwann vielleicht. In naher Zukunft eher nicht. Denn die Zeit der K.o.-Spiele ist für Leverkusen in dieser Saison endgültig vorbei. Und vielleicht sind die Bayer-Spieler da sogar froh drum.

5. Erkenntnis: Hecking kennt das Fußball-Einmaleins

Bei Freiburgs Trainer Christian Streich kam nach dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg mal wieder der badische Berserker durch. "Das ist natürlich kein Elfmeter. Man sieht eindeutig, dass Julian Schuster wegzieht und Daniel Caligiuri den Kontakt sucht. Dann wird die Mannschaft so bestraft, das ist der Wahnsinn", schimpfte Streich nach dem Elfmeter für die "Wölfe". So gern wir Streich und sein Temperament haben, manchmal könnte sich der Freiburg-Trainer durchaus eine Scheibe Pragmatismus von seinem Trainerkollegen aus Wolfsburg, Dieter Hecking, abschneiden. Der kennt das Fußball-Einmaleins nämlich komplett auswendig. Heckings Analyse der spielentscheidenden Situation: "Wenn der Schiedsrichter pfeift, ist es Elfmeter". Weitere Regeln des Fußball-Einmaleins lauten übrigens: Wenn der Schiedsrichter pfeift, ist es Tor. Wenn der Schiedsrichter pfeift, ist es Abseits. Und: Wenn der Schiedsrichter pfeift, ist das Spiel aus.