Verwirrung beim Spiel zwischen dem FC Arsenal und dem FC Bayern: Der Kapitän der Gastgeber sieht für eine "Notbremse" erst Gelb und schließlich doch Rot. Wie konnte es dazu kommen? Und durfte der Schiedsrichter seine Entscheidung überhaupt ändern?

Im Londoner Emirates Stadium lief die 53. Minute im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League zwischen dem FC Arsenal und dem FC Bayern München, als sich beim Stand von 1:0 für die Gastgeber die wohl spielentscheidende Szene ereignete.

Erst nachlässig, dann brillant: FCB stürmt ins Viertelfinale der Champions League.

Dem deutschen Rekordmeister, der sich gegen entschlossene Engländer bis dahin schwer getan hatte, gelang nun doch einmal ein schöner Angriff: Franck Ribéry steckte den Ball gezielt zu Robert Lewandowski durch, der im Strafraum Nacho Monreal aussteigen ließ und in zentraler Position nur noch Torwart David Ospina vor sich hatte.

Arsenals Kapitän Laurent Koscielny versuchte das Unheil im letzten Moment abzuwenden und griff dabei zu unfairen Mitteln: Mit seinem linken Arm drückte er Lewandowski seitlich von hinten weg, mit seinem linken Knie traf er zudem das rechte Knie des Bayern-Stürmers. Dieser ging zu Boden, Schiedsrichter Anastasios Sidiropoulos entschied sofort auf Elfmeter.

Wann es bei einer "Notbremse" nur noch Gelb gibt

Zudem zeigte er Koscielny die Gelbe Karte, woraufhin der Torrichter über das Headset bei seinem Chef intervenierte. Das Resultat der Funkkommunikation zwischen dem griechischen Referee und seinem Helfer: Es gab plötzlich Rot für den Londoner Abwehrchef sowie wütende Proteste der Hausherren. Warum aber änderte der Unparteiische seine Entscheidung? Und durfte er das überhaupt?

Dazu muss man wissen, dass seit dieser Saison bei "Notbremsen" im Strafraum – und um eine solche handelte es sich bei Koscielnys Vergehen – eine Änderung gilt: Geschieht das entsprechende Foul eindeutig beim Versuch, den Ball zu spielen, dann gibt es nur noch die Gelbe Karte. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Verteidiger oder der Torwart bei einem Tackling den Ball knapp verfehlt und stattdessen einen Angreifer trifft.

Gilt der Einsatz im Sechzehnmeterraum jedoch nicht dem Ball, sondern ausschließlich dem Gegner, dann kommt im Falle einer "Notbremse" weiterhin nur der Feldverweis in Betracht. Eine fehlende Ballorientierung liegt insbesondere dann vor, wenn es sich bei dem Foul um ein Halten, Stoßen oder Ziehen handelt. Das ist folgerichtig, denn wer hält, stößt oder zieht, will nur eines: den Gegner mit unfairen Mitteln stoppen.

Warum der Referee sich korrigierte

Koscielnys Körpereinsatz gegen Lewandowski war zwar nicht hart, aber darauf kommt es nicht an: Auch mit einem harmlosen Foul kann man eine offensichtliche Torchance sabotieren. Welche Farbe anschließend die Karte hat, hängt dann davon ab, ob diese "Notbremse" im Kampf um den Ball geschah oder nicht.

Schiedsrichter Sidiropoulos war zunächst der Ansicht, dass Koscielny den Ball spielen wollte, und holte deshalb lediglich die Gelbe Karte hervor. Dann aber überzeugte ihn sein Torrichter davon, dass weder Koscielnys Schubser noch der Kontakt mit Lewandowskis Knie etwas mit Ballorientierung zu tun hatten. Mit dieser Einschätzung lag er richtig, und sie zu äußern, gehört zu seinen Aufgaben als zusätzlicher Assistent.

Deshalb nahm der Referee die Verwarnung schließlich zurück und sprach stattdessen den Feldverweis aus. Derartige Korrekturen sind möglich, solange das Spiel noch nicht wieder fortgesetzt wurde. Das heißt in diesem Fall: Nach der Elfmeterausführung wäre eine solche Änderung nicht mehr zulässig gewesen, vorher war sie es jedoch schon.

Lewandowski eigentlich im Abseits

Besser wäre es allerdings gewesen, wenn der Schiedsrichter sich erst mit seinem sehr gut positionierten Torrichter abgestimmt und dann gleich die richtige Karte gezückt hätte. Die Verwirrung und die Proteste wären in diesem Fall gewiss geringer ausgefallen.

Was bei all der Aufregung und allen Diskussionen über diese Entscheidung unterging: Eigentlich hätte es gar nicht erst zum Elfmeterpfiff und zu der Roten Karte kommen sollen. Denn beim Zuspiel von Ribéry stand Lewandowski im Abseits, wenngleich nur äußerst knapp. Das entging dem Schiedsrichter-Assistenten jedoch.

Ein exzellentes Auge bewies der Mann an der Seitenlinie dagegen vor Arturo Vidals Toren zum 1:4 und 1:5, als er jeweils erkannte, dass ganz knapp kein Abseits vorlag. Sehr gut war auch die Anwendung der Vorteilsregel durch den Unparteiischen vor dem 1:3.

Insgesamt hatten Anastasios Sidiropoulos und sein Team viele enge und deshalb knifflige Entscheidungen zu treffen. Die Trefferquote war dabei beachtlich, auch wenn Arsenal das nicht trösten wird.

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Bayern München stürmt gegen Arsenal ins Viertelfinale