Jürgen Klopp dominiert mit dem FC Liverpool eindrucksvoll die englische Premier League. Doch in der Champions League muss der deutsche Trainer vor dem letzten Spieltag tatsächlich bangen. Der einstige BVB-Coach trifft auf einen enthemmten Außenseiter – und wirkt dünnhäutig wie lange nicht.

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Jürgen Klopp hat auf Pressekonferenzen des FC Liverpool optisch etwas von einem unentwegten Surfer, der ein wenig in die Jahre gekommen ist: markanter Vollbart mit grauen Strähnen, die Base-Cap tief ins Gesicht geschoben, ein breites Grinsen, das von Wangenknochen bis Wangenknochen reicht.

Doch so leicht und stressfrei ist die Stimmung beim Champions-League-Titelverteidiger nicht - denn: In der Champions League droht an diesem Dienstag bei Red Bull Salzburg (18:55 Uhr) tatsächlich der Supergau, das Aus schon in der Vorrunde.

Jürgen Klopp: Zuerst gut gelaunt, dann dünnhäutig

Wer den Ernst der Lage nachvollziehen will, musste nur die letzten beiden Pressekonferenzen des früheren BVB-Coaches miteinander vergleichen. Als nach dem 3:0 bei AFC Bournemouth das Smartphone eines Journalisten vor Klopp klingelte, war er zum Scherzen aufgelegt. Der deutsche Teammanager schaute sich das Display genau an.

Privatsphäre? Fehlanzeige! "Ich mag es: Prinzessin Leslie Lou", meinte er lachend: "Sorry, ich hätte das nie gesagt, aber ich habe den Namen noch nie gehört." Sein Glück, dass alle mitlachten, auch der Handy-Besitzer.

Doch: Bei einer Niederlage im Salzkammergut könnte dem 52-Jährigen das Lachen sehr schnell vergehen – es wäre bei einer bestimmten Konstellation nämlich gleichbedeutend mit dem frühen Scheitern in der Königsklasse.

Red Bull Salzburg gegen FC Liverpool: Das Hinspiel endete knapp

Liverpool (10 Punkte) spielt in Gruppe E keine schlechte Champions-League-Saison, aber eben auch keine sehr gute. Im Hinspiel gegen Red Bull Salzburg (7 Punkte) gab es ein furioses 4:3 - nach 3:0-Führung wohl gemerkt. Ergo: Gewinnen die Österreicher und punktet gleichzeitig SSC Neapel gegen KRC Genk, war es das mit den Reds-Träumen von der Titelverteidigung.

Dass auch bei einem Jürgen Klopp die Nerven angespannt sein können, bewies er auf der nächsten Pressekonferenz, diesmal zum Spiel in Salzburg. Als er einen Dolmetscher vor versammelten Medienvertretern anmotzte, wusste der Mann im ersten Moment offensichtlich nicht so recht, wie ihm geschieht.

"Scheiße für einen Dolmetscher, wenn…"

"Scheiße für einen Dolmetscher, wenn ein Deutsch sprechender Trainer daneben sitzt", sagte Klopp schnippisch, als der Übersetzer gerade Sätze von LFC-Kapitän Jordan Henderson ins Deutsche wiedergab: "Er hat nicht gesagt: 'Wir wollen es leicht angehen', sondern 'wir sind uns der Schwere der Aufgabe bewusst'. Also schon zuhören. Sonst kann ich das auch übersetzen. Das ist ja nicht so schwer."

Klopp war schnell darum bemüht, wieder heiter zu wirken. "I am in a competition mood. I tell you!", meinte er auf Englisch: "Ich bin schon im Wettkampfmodus. Das kann ich Ihnen sagen!" Den Eindruck, schnell gereizt zu sein, konnte er nicht überdecken. Auch aus früheren Pressekonferenzen, etwa zu seiner Zeit bei Borussia Dortmund, ist bekannt, dass es seine Nebenleute nicht leicht haben, wenn Klopp gerade etwas nicht passt.

Turbulente Wochen für Jürgen Klopp

Es ist ein Stimmungsumschwung in turbulenten Wochen. Zuletzt hatte er mit dem 5:2 im Merseyside-Derby gegen den FC Everton seinen 100. Sieg in der Premier League gefeiert, er benötigte dafür 159 Spiele. Schneller war nur José Mourinho (aktuell Tottenham Hotspur, 142 Spiele).

Mit den Reds führt er die englische Liga mit beeindruckender Dominanz an – Liverpool (46 Punkte) hat von 16 Spielen 15 gewonnen, nur einmal unentschieden gespielt. Der Zweite, Leicester City (38), liegt acht Punkte zurück, Meister Manchester City um Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola sogar 14 Punkte. Und doch droht in der Königsklasse der Supergau.

"Wir wissen das seit zwei Wochen und wir müssen dafür bereit sein. Wir sind kein typischer Champions-League-Sieger, wir sind immer noch gierig", sagte Klopp und versprach: "Wir werden um unser Leben rennen. Wir werden alles geben."

Klopp warnt vor Erling Haaland

Alles geben müssen sie auch. Die Eigentümer der amerikanischen Fenway Sports Group erfüllen Klopp mit viel Geld reichlich Wünsche, einen K.o. in der prestigeträchtigen Champions League dürften die Herren um Vorstand Tom Werner kritisch einordnen. Auch deswegen warnte der Schwabe eindringlich vor Red Bull Salzburg – insbesondere vor Shootingstar Erling Haaland.

"Wir kennen ihre Qualitäten im Konter. Aber das ist nicht ihre einzige Stärke. Ich kenne fast alle Stärken von Salzburg, so oft, wie wir sie jetzt angeschaut haben. Wir sind hundertprozentig bis in die Haarspitzen motiviert", erzählte Klopp und sagte über das 19-jährige Sturmjuwel aus Norwegen (acht Tore in fünf CL-Spielen): "Wir müssen sicher gehen, dass er nicht so viele Bälle bekommt. Er ist 19 Jahre, ein großes Talent, ich wünsche ihm eine wunderbare Zukunft."

Aber das sicher erst nach dem Duell mit Liverpool. Denn Klopp droht an diesem Dienstagabend ein Horrorszenario.

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