Nach dem Tod von Fußball-Legende Franz Beckenbauer herrscht große Trauer. Weltweit verneigen sich Weggefährten, Prominente und Fans vor einem der bedeutendsten Fußballer der Historie. Mittlerweile steht der Termin für die Gedenkfeier fest.

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In riesigen weißen Buchstaben auf rotem Grund beleuchtete der deutsche Fußball-Rekordmeister am Dienstagabend die Außenhaut seines Stadions, um die wahrscheinlich wichtigste Figur der Klubgeschichte zu würdigen.

Für einige Tage soll die Allianz Arena jeweils von 16.30 Uhr bis 23.00 Uhr mit dem Schriftzug strahlen. Zum Ausklang wird die Sonderbeleuchtung auch am Freitag beim Bundesliga-Heimspiel der Bayern gegen die TSG Hoffenheim (20.30 Uhr/Sat.1 und DAZN) von 16.30 Uhr bis 1.00 Uhr zu sehen sein.

Auch schon beim Training der Münchner am Dienstag war Beckenbauer allgegenwärtig. Trainer Thomas Tuchel und seine Spieler posierten vor dem Start der Einheit mit einem aktuellen Trikot mit einem "Danke Franz"-Aufdruck sowie einem Original-Trikot Beckenbauers, das dieser am 26. Juni 1965 in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga gegen Tennis Borussia Berlin getragen hatte.

Beim Training trugen Kapitän Manuel Neuer und Co. Trauerflor. "Das Team als Herzstück des gesamten Vereins steht in Trauer an der Seite seiner Familie und Freunde", hieß es vonseiten der Bayern. Beckenbauer war am Sonntagabend im Alter von 78 Jahren verstorben. Fans aus aller Welt können sich ab Mittwoch in ein digitales Kondolenzbuch eintragen.

Termin für Gedenkfeier steht fest

Bayern München wird zu Ehren seiner verstorbenen Vereins-Ikone Franz Beckenbauer am 19. Januar (15.00 Uhr) eine Gedenkfeier in der Allianz Arena veranstalten. Der FC Bayern "lädt Freunde und Wegbegleiter aus dem nationalen wie internationalen Sport, der Kultur und Politik sowie generell alle Fans und die gesamte Fußballfamilie ein, sich in einem besonderen, emotionalen Rahmen vom unvergesslichen 'Kaiser' zu verabschieden", teilte der Fußball-Rekordmeister am Dienstag mit.

Der Franz-Beckenbauer-Pokal?

Eine besondere Ehrerbietung schlug Berti Vogts vor, der an Beckenbauers Seite unter anderem Welt- und Europameister geworden war. "Es ist wichtig, dass sein Name nicht in Vergessenheit gerät bei den folgenden Fußballer-Generationen. Vielleicht sollte man beim DFB darüber nachdenken, zum Beispiel den DFB-Pokal nach Franz Beckenbauer zu benennen", sagte der 77-Jährige der "Rheinischen Post".

Der frühere Profi und Bundestrainer erntete dafür sogleich Zustimmung: Olaf Thon, der unter Coach Beckenbauer 1990 den WM-Pokal in die Höhe stemmen durfte, nannte Vogts' Vorschlag im Bayerischen Rundfunk "schon mal eine nicht so schlechte Idee". Der einstige Bremer Manager Willi Lemke meinte bei "Welt TV" über die DFB-Pokal-Idee: "Fußballdeutschland würde das sehr gut finden." Der Vorschlag sei "auf jeden Fall angemessen".

Trauerflor beim Training

Der Deutsche Fußball-Bund wollte sich zu der Idee zunächst nicht äußern. Grundsätzlich wolle sich der DFB zeitnah Gedanken machen, wie man das Leben und Wirken von Franz Beckenbauer würdigen könne. Wie ein DFB-Sprecher in Frankfurt/Main sagte, sei momentan aber die Zeit des Trauerns und des Abschiednehmens. Man werde mit Beckenbauers Familie und dem FC Bayern München Gespräche über das weitere Vorgehen führen.

Trainer Thomas Tuchel und die Münchner Profis trugen während des Dienstagstrainings Trauerflor im Gedenken an den Ehrenpräsidenten. Sie posierten außerdem mit einem aktuellen FCB-Jersey mit einem "Danke Franz"-Aufdruck sowie einem Original-Trikot des früheren Ausnahmefußballers, das er am 26. Juni 1965 in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga beim historischen 8:0-Sieg gegen Tennis Borussia Berlin getragen hatte.

Eine Postkarte vor Beckenbauers Geburtshaus

Im Münchner Stadtrat wurde am Dienstag ein Antrag an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eingereicht, eine Straße nach Beckenbauer zu benennen. Im Rathaus lag ein Kondolenzbuch aus, ein weiteres Buch der Staatskanzlei wird von Mittwoch an in der Residenz ausliegen. Vor dem Testspiel von Borussia Dortmund im spanischen Marbella gegen Standard Lüttich wurde eine Gedenkminute abgehalten. Auf der Allianz Arena soll in den nächsten Tagen der Schriftzug "Danke Franz" erstrahlen.

Franz Beckenbauer hatte während seiner Karrieren als Spieler und Trainer unzählige Fußball-Fans begeistert und bewegt. "Danke, dass ich aufwachsen durfte in einem fußballverrückten Land, in dem die Menschen Strahlen in den Augen hatten, wenn sie von der Nationalelf erzählten...", schrieb jemand auf die Rückseite einer Postkarte, die vor dem Geburtshaus in der Zugspitzstraße neben gelben Rosen lag.

"Du warst für uns immer eine Lichtgestalt"

Als Organisationschef der Heim-WM 2006 war er für viele mitverantwortlich für ein historisches "Sommermärchen" - auch wenn Enthüllungen im Zusammenhang mit der Vergabe darüber später einen kleinen Schatten auf das Turnier und die Rolle Beckenbauers warfen.

Nach der Nachricht über den Tod des "Kaisers" blickten Mitspieler, Freunde und Begleiter voll Dankbarkeit und Ehrfurcht zurück. "Ich werde Dich niemals vergessen - als Teamkollege, Sportsmann und vor allem als Mensch. Du warst ein Popstar des deutschen Fußballs. An Deiner Eleganz auf dem Platz kann sich jeder Fußballer eine Scheibe abschneiden. Du bist nie abgehoben, sondern bist immer ein Mann des Volkes geblieben", schrieb etwa Torhüter-Ikone Sepp Maier (79) in einem Abschiedsbrief bei Sport1. "Du warst für uns immer eine Lichtgestalt, die leuchtet ab jetzt von oben."

Beckenbauer, Pelé und Maradona im Himmel

Für Andreas Brehme (63) war Beckenbauer "einer der großzügigsten und herzlichsten Menschen, die ich kenne". Der Siegtorschütze des WM-Finales von 1990 sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich denke, im Himmel wird er mit Pelé und Maradona ein magisches Dreieck gründen."

Jürgen Klinsmann schrieb bei X (einst Twitter), er sei Beckenbauer "für immer unendlich dankbar" für alles, was er für den Fußball getan habe. "Als Spieler, als Teamchef, als Präsident, als großes Vorbild mit Deinem einzigartigen Charme, Deiner Leichtigkeit und Lebensfreude. WE MISS YOU!" Und der frühere DFB-Präsident Wolfsgang Niersbach meinte im Online-Portal "ran.de": "Keine deutsche Persönlichkeit war wohl so bekannt und anerkannt in der Welt wie Franz."

Lionel Messi nimmt Abschied

Die Anteilnahme ging weit über Deutschland hinaus. Superstar Lionel Messi veröffentlichte auf der Plattform Instagram ein Schwarz-Weiß-Foto von Beckenbauer. David Beckham nannte Beckenbauer auf derselben Plattform "einen besonderen Menschen, einen besonderen Spieler und einen wahren Gentleman".

Die englische Zeitung "The Guardian" adelte Beckenbauer als "vollkommenen Fußballer", die spanische "Marca" schrieb: "Es hat nie einen anderen wie ihn gegeben, weder vorher noch nachher. Die Figur des ewigen Kaisers ist unvergleichlich."

Beckham trauert um Beckenbauer: "Wahrer Gentleman"

Der frühere englische Fußballstar David Beckham trauert um die deutsche Legende Franz Beckenbauer. Beckham veröffentlichte auf der Plattform Instagram ein Foto von sich und Beckenbauer, das die beiden bei der offiziellen Übergabe des Balls für die WM 2010 zeigt. Dazu schrieb der 48-Jährige: "So traurig einen besonderen Menschen, einen besonderen Spieler und einen wahren Gentleman zu verlieren. Wir senden unsere Liebe und Gedanken an Franz' Familie und Freunde." (dpa/cgo)

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