Beim FC Bayern wird ungeniert gebusselt, der bedeutendste Wagner der Menschheitsgeschichte verdient sein Geld als Hoffenheim-Stürmer und Köln-Fans sehen die Schmach von Cordoba (und seinen Mitspielern). Unsere wie immer nicht ganz ernst gemeinten Lehren des Bundesliga-Spieltags.

Wir brechen an dieser Stelle mal mit der Tradition und fangen nicht direkt mit der ersten Lehre, sondern einem Vorspann an. Diese "Tradition" ... So etwas braucht im Fußball doch eh niemand. Oder etwa doch, liebe Leipzig-Fans?

Wir machen das, weil wir Sie warnen wollen. Sie erwarten möglicherweise kreative geistige Ergüsse, die Sie wieder und wieder und wieder und wieder zum Schmunzeln bringen. Weil Sie unsere Lehren des Spieltags seit Jahren kennen, sie lieben, sich nach ihnen sehnen und sie Woche für Woche verschlingen. Nichts anderes erwarten wir an dieser Stelle.

Nun, so bedauerlich es auch ist, müssen wir Ihnen vorab etwas Trauriges mitteilen. Dieses Mal haben die Lehren des Spieltags nicht das übliche Hahaha-hihihi-hohoho-ich-halt-mir-den-Bauch-vor-Lachen-fest-Niveau, mit dem wir uns so gerne brüsten. Wir können Ihnen höchstens ein Hmmm-joa-höhö-Niveau anbieten.

Woran das liegt? So ganz genau können wir Ihnen das nicht beantworten. Vielleicht wirkt die eine oder andere Wiesn-Maß nach. Vielleicht ist es der daraus resultierende mangelnde Schlaf. Oder: Es ist auf den Fußballplätzen zwar viel Aufregendes, aber zu wenig Skurriles passiert.

Also, wer das alles hier immer noch liest, gehört wohl zu den Mutigen und hat sich trotz Warnung nicht vom Lesen dieser Glosse abbringen lassen. Bringen wir es irgendwie unschön zu Ende - so wie die Bayern unter der Woche gegen Anderlecht.

Nur eines dürfen Sie nun nicht mehr: am Ende mit uns schimpfen. Denn wir haben Sie mehrfach gewarnt!

1. Lehre: Köln-Fans sehen die Schmach von Cordoba (und seinen Mitspielern)

"Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß" - dieses von Fußball-Philosoph Andreas Brehme vor Jahren vorgetragene Zitat trifft dieser Tage auch auf den 1. FC Köln zu. Mit 5:0 wurde der "Effzeh" am Sonntagabend von Borussia Dortmund aus dem Stadion geschossen - und verharrt damit auf dem letzten Platz.

Bussi Nummer eins ...

Und als ob die fußballerische Übermacht des BVB nicht schon schlimm genug gewesen wäre, verschwor sich auch noch die Technologie gegen die Rheinländer.

Die Tore zum 0:2 und 0:3 hätte es ohne Videobeweis nicht gegeben - und spätestens mit dem dritten Treffer war der Widerstand der Gäste gebrochen. Doch weil das Tor zum 2:0 für den BVB gegeben wurde, obwohl Schiedsrichter Patrick Ittrich die Partie unterbrach, bevor der Ball die Torlinie überquerte, legt Köln nun Protest ein.

Nichtsdestotrotz war es aus "Effzeh"-Sicht eine Schmach. Und das Schlimme an der Schmach von Cordoba (und seinen zehn Mitspielern) ist: Sie war zu erwarten. Selbst der übertragende TV-Sender Sky war sich dieser Sache schon weit vor Anpfiff sicher und blendete während des zuvor laufenden Leverkusen-Spiels schon mal das zu erwartende Ergebnis der Partie Dortmund gegen Köln ein:

Bussi Nummer zwei ...

Am Ende kam's für den "Effzeh" sogar noch schlimmer als von den Sky-Hellsehern vermutet.

2. Lehre: Beim FC Bayern wird ungeniert gebusselt

Ach, lieber FC Bayern, warum tust du uns das nur an? Da kriselte es bei dir in den vergangenen Tagen für deine Verhältnisse gewaltiger als aktuell zwischen Donald Trump und den Republikanern.

Eine verdiente Niederlage in der Bundesliga, Streitereien unter den Spielern, eine angebliche Ancelotti-Ausstiegsklausel, dazu noch unattraktiver Fußball - die Hoffnung, dass du in dieser Saison so verwundbar wie lange nicht mehr bist, war groß. Gewaltig groß.

Doch jetzt, nach dem souveränen 4:0-Erfolg gegen den FSV Mainz 05, bei der du deinem Gegner mal wieder die Grenzen aufgezeigt hast, liegt die Vermutung nahe, dass du uns alle nur veralbern wolltest.

Und auch von schlechter Stimmung auf dem Platz war nichts zu sehen. Im Gegenteil. Arjen Robben busselte Franck Ribéry mehrfach so herzlich, dass die Vermutung aufkam, die beiden würden in zwei Wochen die erste "Ehe für alle" schließen.

Thomas Müller und Robert Lewandowski beim gemeinsamen Torjubel.

Und auch Robert Lewandowski jubelte gemeinsam mit Thomas Müller definitiv nicht wie ein abgezockter Kapitalist.

Selbst Trainer Carlo Ancelotti, dem gerne mal das Brummbär-Image angeheftet wird, war ob der spielerischen Überlegenheit seines Teams schlichtweg begeistert.

Da verwundert es kaum, dass er auch bei den Toren schier aus dem (von Julian Nagelsmann in München neu gebauten) Häuschen war und seiner Freude in bester Jürgen-Klopp-Manier Ausdruck verlieh:

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Ekstase pur!

3. Lehre: Hannover-Fans nehmen sich Wolfsburg-Fans zum Vorbild

Mit der guten Stimmung ist das aber nicht nur in München so eine Sache. Auch beim Zwei-Tage-Tabellenführer Hannover 96 ist die Gemütslage äußerst ambivalent - insbesondere bei den Ultras des Klubs.

Diese verweigerten auch beim Heimspiel gegen den Hamburger SV am Freitagabend den Support.

Der Grund für die Maßnahme der 96-Ultras: Sie protestieren gegen Präsident Martin Kind, der nach noch mehr Macht im Verein strebt.

So schön, so richtig. Das Problem: Die Mannschaft scheint auf die Unterstützung ihrer im Normalfall lautstärksten Fans nicht angewiesen zu sein. Der Aufsteiger pflügt auch ohne diese munter durch die Liga und gewann gegen den Hamburger SV verdient mit 2:0.

Jetzt ist der 96-Ultra natürlich in einer Zwickmühle. Sich der Euphorie hingeben und realitätsfremd - das darf ein Fan ja sein - munter von Europa League, Königsklasse oder gar Meisterschaft träumen? Oder weiterhin den Mund halten und schlecht gelaunt gegen das Böse protestieren?

Wahrscheinlich entscheiden sich die Ultras für Letzteres. Ist aber eh nicht schlimm. Denn die Geschichte zeigt ja, dass in der Bundesliga auch ohne großartigen Fan-Support Außergewöhnliches erreicht werden kann. Siehe 2009. Denn da wurde der VfL Wolfsburg Deutscher Meister.

4. Lehre: Sandro ist der größte Wagner der Menschheitsgeschichte

Für die Kulturliebhaber ist es der Richard, für die sich von Pizza ernährenden Studenten ein nicht allzu bekannter Ernst - doch für uns Fußballfreunde lautet die Antwort auf die Frage nach dem Vornamen des wichtigsten Wagners der Menschheitsgeschichte schlicht und einfach: Sandro.

Was wäre Fußball-Deutschland nur ohne Sandro Wagner? Ja, ist ja gut, immer noch vierfacher Weltmeister und dreifacher Europameister. Sie haben Recht. Trotzdem würde uns dieser Typ fehlen, wenn es ihn nicht gäbe. Punkt!

Nach dem verlorenen Europa-League-Spiel gegen Braga unter der Woche, das nur auf wenig Zuschauerresonanz traf, haute der Hoffenheim-Stürmer einen Satz raus, der so ähnlich auch vom nicht minder selbstbewussten Zlatan Ibrahimovic hätte kommen können.

Doch Sandro Wagner kann noch mehr als nur Sprüche klopfen und wie ein Musketier aussehen - nämlich Tore schießen. Oder Tore köpfen. Egal.

Sein Kopfballtreffer zum 1:0 gegen Hertha BSC (Endstand 1:1) war eigentlich alles andere als spektakulär, und dennoch etwas Besonderes: Denn dieser fiel um 13:36 Uhr. Was an 13:36 Uhr so toll sein soll? Ist es die Uhrzeit, zu der am 23. September die Welt untergehen soll? Ist es gar die Uhrzeit, zu der auf ProSieben mal keine Sitcom läuft? Falsch!

Die Antwort ist viel simpler: Noch nie in mehr als 50 Jahren Bundesliga fiel so früh ein Tor. Der Grund ist einfach: Bis dato wurde ein Bundesliga-Spiel frühestens um 14:00 Uhr angepfiffen.

Und bei einer Partie, die erst um 14:00 Uhr anfängt, bereits um 13:35 Uhr oder früher zu treffen, kann nicht mal Sandro Wagner. Höchstens Chuck Norris. Nur der spielt halt kein Fußball …