Alle Fußballer lieben Helene Fischer, der VfB Stuttgart ist wiederum die Anti-Helene des Fußballs und Sandro Wagner täte eine Umschulung gut. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

Eine Glosse

1. Lehre: Alle Fußballer lieben Helene Fischer

Nach dem 2:1-Sieg des FC Bayern beim FC Ingolstadt haben viele von uns Fußballfans zwei Dinge schweren Herzens akzeptieren müssen.

Erstens: Die Bayern waren mal wieder zu stark für ihre Verfolger, selbst wenn einer der Verfolger der am besten verfolgende Verfolger der Bundesliga-Geschichte ist.

Und zweitens, was viele noch bedenklicher stimmen dürfte: Unsere Fußball-Idole, auf die so viele von uns aufblicken, stehen offenbar alle auf die Musik von Helene Fischer!

Das lässt zumindest eine Aussage von Sky-Experte Christoph Metzelder vermuten. Dieser kommentierte die selbstgedrehten Meisterparty-Videos von David Alaba im Bayern-Bus, bei denen auch "Atemlos durch die Nacht" im dreifachen Dezibelwert durch das Gefährt schallte, mit den Worten "ob Kreisliga oder Deutscher Meister, alle hören dieselbe Musik".

Wir fügen hinzu: Ob Kreisliga oder Deutscher Meister, wenn Männer tanzen, sieht das meist ziemlich bekloppt aus. Auch beim besten Torwart der Welt:

2. Lehre: Der VfB Stuttgart ist die Anti-Helene der Bundesliga

Eines können selbst Kritiker Helene Fischer nicht nachsagen: dass sie eine schlechte Show abliefert. Sie gibt alles, um die Fans mit ihrer Performance zufriedenzustellen.

Leider ist der VfB Stuttgart in dieser Hinsicht so etwas wie die Anti-Helene der Bundesliga. Beim VfB, so schien es, gab bei der 1:3-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 niemand wirklich Vollgas.

Während die Mainzer ein Feuerwerk abbrannten, eine Laufleistung zeigten wie bei einem Marathon, stets nach vorne stürmten, nahezu fehlerfrei agierten und aufgrund der Schwäche der Stuttgarter wohl mit keinem anderen Gegner lieber spielen wollten, war das, was die Schwaben auf dem Platz ablieferten nicht von dieser Welt.

Mit anderen Worten: Nur wer den Wahnsinn liebt, konnte als VfB-Fan Gefallen an dieser Partie finden.

Es ist ein Phänomen, wie der vermeintlich schon gerettete VfB so tief fallen konnte und nun fast sicher als Absteiger feststeht.

Für diese Talfahrt mag es tausend gute Gründe geben. Fest steht: Wer als Stuttgart-Fan stets gedacht haben mag "am Ende sind wir stark genug", der sieht sich höchstwahrscheinlich nach dem 34. Spieltag getäuscht.

Hoffen wir für alle VfB-Fans, dass es im Falle des Abstiegs mit der sofortigen Bundesliga-Rückkehr klappt. Denn eines ist doch klar: Beim Träumen ist alles erlaubt.

Wer in dieser Lehre alle zwölf versteckten Helene-Fischer-Lieder auf Anhieb entdeckt hat, möge mir das vorherige dezente Helene-Bashing bitte verzeihen …

3. Lehre: Ein Phantomtor wird den Abstiegskampf entscheiden

Dieser Bundesliga-Spieltag war nicht nur ein gebrauchter Tag für den VfB Stuttgart, der mit einem Platzsturm und einem weinenden Kevin Großkreutz endete, sondern auch für einige Schiedsrichter. Das zieht sich ja leider durch die Saison.

Ziemlich schnuppe war das am Samstag Eintracht Frankfurt. Die Hessen profitierten gleich von zwei Fehlentscheidungen. Ein Tor vom Noch-Dortmunder-und-bald-Münchner-es-sei-denn-er-überlegt-es-sich-doch-noch-mal-anders Mats Hummels zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich in Frankfurt wurde fälschlicherweise nicht gegeben.

Eintracht-Konkurrent Bremen erzielte ebenfalls ein reguläres Tor beim 0:0 in Köln, das aber aus Gründen, die so unverständlich sind wie sich am Samstagabend fünf Stunden lang "Schlag den Star" anzuschauen, zurückgepfiffen wurde.

Am kommenden Samstag steht dann der Showdown an: Bremen trifft auf die Eintracht. Platz 16 gegen Platz 15. Mehr Abstiegskampf geht nicht.

Wahrscheinlich wird der DFB seinen besten deutschen Schiedsrichter für diesen Krimi an die Weser schicken: Dr. Felix Brych. Jener Dr. Felix Brych, der auch schon mal ein Tor gegeben hat, das keines war. Hoffenheim gegen Leverkusen, Sie erinnern sich sicherlich.

Ein Phantomtor, das über Abstieg und Klassenerhalt entscheidet: Das wäre mal was Neues. Und ist nach den Leistungen der Referees in dieser Spielzeit leider nicht vollends auszuschließen.

4. Lehre: Sandro Wagner täte eine Umschulung gut

Sandro Wagner setzt zum Ende dieser Spielzeit offenbar alles daran, zum Fan-Liebling der Saison zu werden.

Vor wenigen Wochen gab der Stürmer des SV Darmstadt 98 zu Protokoll, dass er die meisten Fußballprofis keineswegs für über-, sondern eher für unterbezahlt hält. Also die Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und dafür auf Bundesliga-Ebene zum Großteil einen siebenstelligen Betrag pro Saison kassieren.

Da Wagner diese Aussage nicht die erhofften Sympathiebekundungen einbrachte, legte der 28-Jährige beim 2:1-Auswärtserfolg seines Klubs in Berlin nach und provozierte mit seinem Siegtor die Berliner Fankurve. Wohlgemerkt die Fans, für die er einst auf Torejagd ging, die ihm damals zujubelten und denen er viel zu verdanken hat, wie er selbst nach der Partie in einem Interview sagte.

In besagtem Interview deutete Wagner übrigens an, dass er Darmstadt nach dieser Saison wohl verlassen wird.

Wohin es den Stürmer zieht, steht noch nicht fest. Wir würden ja eine Umschulung empfehlen. Nicht zum Verteidiger oder Mittelfeldspieler, sondern zum Bäcker, Frisör oder Altenpfleger.

Und dann darf sich Wagner gerne noch mal dazu äußern, ob es wirklich die Fußballer sind, die hierzulande zu wenig verdienen.