• Sandra Maischberger hatte am Mittwochabend unter anderem den stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki zu Gast und zeigte ihr Interview mit Greta Thunberg in Schweden.
  • Gemeinsamer Schnittpunkt beider Gespräche war die Verlängerung von Atomkraftwerken.
  • Im Studio merkte Kubicki schnell, als er sich gehörig im Ton vergriff. Er ruderte zurück, doch als Quittung ließ Maischberger ihn an anderer Stelle nicht mehr aus der Zange.
Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Marie Illner dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Der 200-Milliarden-Abwehrschirm der Bundesregierung füllt sich mit Leben: Die Expertenkommission hat einen Vorschlag zur Gaspreisbremse vorgelegt. Derweil schwelt die Debatte um den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke weiter. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will zwei Atomkraftwerke für den Fall von Engpässen in der Stromversorgung bis ins kommende Frühjahr einsatzbereit halten, die FDP fordert weitergehender einen Betrieb aller drei verbliebenen AKW bis ins Jahr 2024.

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Das ist das Thema bei "maischberger"

Es ging um alles, was die Räder der Ampel-Regierung gehörig zum Knirschen bringt: die Entlastungsmaßnahmen für Bürgerinnen und Bürger und Industrie, die Waffenlieferungen an die Ukraine und der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke. Auf einer Partei lag dabei ein besonderer Fokus: Auf der FDP, die ihr Profil sucht und ihre Rolle überdenken will. Wie sehr schadet ihr die Regierungsbeteiligung? Im Gespräch mit Greta Thunberg ging es unter anderem um ihren Werdegang von einer 15-jährigen Schülerin zu einer Ikone der weltweiten Klimabewegung.

Das sind die Gäste

Theo Koll: Der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios befand: "Das, was die Wähler goutieren, ist Pragmatismus". In der Krise würden alle Parteien ihre DNA und Kernkompetenz verletzen – Christian Lindner kämpfe für die Schuldenbremse und Habeck für Atomkraft. Es fehle aber an einer geeigneten Ansprache aus der Regierung und Staatsspitze vom Kanzler bis zum Bundespräsidenten. "Wir haben ein emotionales Vakuum", meinte Koll.

Eva Schulz: Die Journalistin von "Funk" meinte: "Es wird Zeit, dass Scholz mal durchgreift." In den Koalitionsverhandlungen habe die moderierende Rolle noch gepasst, aber in der Krise brauche es rasche Entscheidungen und nicht öffentlich streitende Ministerien. Scholz verkünde große Summen, ohne zu erklären, wie er sie konkret aufwenden wolle.

Aussage zu AKWs: Ex-Grünen-Chefin schimpft über Greta Thunberg

Die ehemalige Grünen-Chefin Simone Peter hat auf Twitter die Aktivistin Greta Thunberg kritisiert. Zuvor hatte Thunberg in der ARD-Sendung "Maischberger" betont, dass die Abschaltung der aktiven Atomkraftwerke in Deutschland ein Fehler sei.

Alexander Kissler: "Die Aussage gibt für mich Anlass zur Hoffnung, dass sie manchmal auch pragmatisch sein kann", sagte der Journalist der "NZZ" über Thunbergs Forderung, lieber Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen, statt sich der Kohle zuzuwenden. In Sachen Regierungspolitik war er sich sicher: "Eine gedemütigte FDP wird sich die Ampel-Koalition nicht noch zweieinhalb Jahre antun".

Wolfgang Kubicki (FDP): "Eine Vielzahl unserer Wählerinnen und Wähler fremdeln mit dieser Koalition", gab der stellvertretende Parteivorsitzende zu. Sich stärker zu positionieren bedeute nicht, mehr Krawall zu machen, sondern den Menschen deutlich zu machen, "dass wir einen wesentlichen Anteil an den Erfolgen dieser Koalition haben", so Kubicki. Wenn es die FDP nicht gebe, hätte man ein ganz anderes Infektionsschutzgesetz und vielleicht auch eine Impfpflicht. "Als wir angefangen haben, hatten wir einen gemeinsamen Spirit und langsam entsteht der Eindruck, dass es diesen gemeinsamen Spirit nicht mehr gibt", sagte Kubicki. Entweder kehre man dahin zurück, oder jeder mache das Seine in der Koalition.

Greta Thunberg: "Ich persönlich denke, dass es eine schlechte Option ist, auf Kohle zu setzen, solange die AKW noch laufen. Aber das ist natürlich eine sehr aufgeheizte Debatte", so die Klimaaktivistin. "Wenn sie schon laufen, glaube ich, dass es ein Fehler wäre, sie abzuschalten und sich der Kohle zuzuwenden", meinte Thunberg. In der Krise zeige sich, wie groß die Lücken bei erneuerbaren Energien noch seien. "Je länger wir uns vormachen, dass wir die Klimanotlage innerhalb des bestehenden Systems lösen können, ohne sie wie eine wirkliche Krise zu behandeln, desto mehr Zeit werden wir verlieren". Ohne Druck von außen werde es nicht zu maßgeblichen Veränderungen kommen.

Das ist der Moment des Abends bei "maischberger"

"Wir müssen uns bewusst machen, dass wir uns in einer Notlage befinden und da sind wir noch nicht", forderte Thunberg im Gespräch mit Maischberger. Dass man bei der Corona-Pandemie gehandelt habe und einschränkende Maßnahmen erlassen habe, in der Klimakrise jedoch nicht, habe sie nicht frustriert. Im Gegenteil: "Es zeigt ja, dass wir imstande sind, eine Notlage wie eine Notlage zu behandeln. Und es zeigt, dass die Klimakrise noch nie wie eine echte Notlage behandelt wurde", so die Klimaaktivistin. "Wir sollen alle Aktivisten werden?", wollte Maischberger wissen. "Ja, wir brauchen Milliarden von Klimaaktivisten", so Thunberg.

Das ist das Rede-Duell des Abends

Es ging zunächst um die Rolle der FDP in der Ampel-Regierung. Den Liberalen seien große Teile der Wähler bei den letzten Landtagswahlen von der Stange gegangen, erinnerte Journalist Kissler. "Die FDP befindet sich in einer existenz-bedrohenden Situation. Sie droht, die kommunale und regionale Verankerung zu verlieren", meinte er. Sie habe keine Chance, Punkte durchzusetzen, wenn sie nur das "Schlimmste verhindern" wolle.

Es sei an dem Kanzler, die Situation zu schlichten. Ob die Ampel brechen werde, wollte Moderatorin Maischberger wissen. "Ich gehe davon aus, dass der jetzige Streit plus die Streitpunkte, die wir noch nennen werden, das Potenzial haben, diese Ampel zu ihrem vorzeitigen Ende zu führen", sagte Kissler. Koll schaltete sich ein: "Glaube ich nicht, in dieser Krisensituation kann sich keine der drei Parteien erlauben, die Ampel-Regierung zu verlassen". Kissler hielt noch einmal dagegen: "Wenn die Einschläge ins programmatische Zentrum der FDP ungefiltert niedergehen, muss sie sich irgendwann die Sinnfrage stellen".

So hat sich Sandra Maischberger geschlagen

Maischberger legte im Verlauf der Sendung an Fahrtwind zu. Zunächst stellte sie nur Aussagen von Thunberg und Lindner zur Debatte. Dann ging es schon mehr an die Substanz, als sie wissen wollte: "Wo ist der Kanzler?" und "Leidet die FDP mehr unter der Ampel oder die Ampel unter der FDP?". Bei der FDP blieb sie dann auch hängen, denn im Einzelgespräch mit FDP-Mann Kubicki ging’s zur Sache.

Als sie nach der Neu-Positionierung der FDP fragte und der stellvertretende Vorsitzende über die eigene Rolle sprach, kommentierte sie harsch: "Man könnte auch über die Probleme nachdenken anstatt über die eigene Rolle dabei". Dann schaukelte sich das Gespräch weiter hoch: "Ich habe noch nicht ganz verstanden ...", setzt Maischberger beim Thema Atomkraftverlängerung an. Kubicki fuhr ihr über den Mund: "Da kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen, wenn Sie das nicht verstanden haben".

Sofort merkte er, dass das ein Fehler war. "Entschuldigung, das war jetzt unverschämt. Das nehme ich wieder zurück". Maischberger überspielte die Situation gekonnt, trieb ihrerseits Kubicki ab diesem Punkt aber in die Ecke. "Warum beleidigen Sie Menschen?", wollte sie beispielsweise mit Blick auf Kubickis Äußerung über Erdogan als "kleine Kanalratte" wissen. Kubicki argumentierte, Beleidigungen seien ein "Stilmittel" und er habe die Bemerkung "Kanalratte" anerkennend gemeint.

Das ist das Ergebnis bei "maischberger"

Konsens bei der Frage zur Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke: Das ganze Studio gibt der Atomkraft den Vorzug gegenüber der Kohle. Schuldig bleiben die Gäste aber eine Antwort auf die Frage: "Bis wann genau?" Weiteres Ergebnis der Sendung: Die Regierung muss dringend an den Themen "Übersetzung und Kommunikationsfähigkeit" arbeiten – sonst droht der Ampel eine interne Krise.

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