Spätestens seit dem Ausbruch des Angriffskrieges in der Ukraine ist klar, wie eng die Verbindung zwischen China, Russland und Afrika ist. Für Europa stellt sich die Frage, wie die eigene Beziehung zu den afrikanischen Ländern gestärkt werden kann.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Natascha Wittmann dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Bei "Markus Lanz" wurde am Mittwochabend vor allem über die schwache deutsche Position im weltweiten Wettbewerb diskutiert. Dabei übte CDU-Politiker Joe Chialo, der tansanische Wurzeln besitzt, unter anderem schwere Kritik an der deutschen Entwicklungshilfe und machte deutlich, warum er für eine Abschaffung wäre.

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Das ist das Thema bei "Markus Lanz"

Plötzlich steht Afrika im Fokus der Welt. Immer mehr Länder - allen voran China und Russland - buhlen um die Gunst einzelner afrikanischen Länder. Der Grund? Wertvolle Rohstoffe wie unter anderem Lithium und Kobalt. Im Gespräch mit Markus Lanz machte Joe Chialo, Mitglied des CDU-Bundesvorstands, nicht nur deutlich, dass Deutschland im weltweiten Wettbewerb hinterherhinkt. Er erklärte auch, warum er für eine Abschaffung der Entwicklungshilfe wäre. Afrika-Expertin Dr. Melanie Müller stellte klar, wie stark die Position Chinas wirklich in Afrika ist.

Das sind die Gäste

  • Dr. Melanie Müller, Politologin und Afrika-Expertin: "China hat es geschafft, in den letzten 20 Jahren seinen Einfluss in Afrika systematisch auszubauen."
  • Joe Chialo, CDU-Politiker und Mitglied im Bundesvorstand der Partei: "Nicht Afrika braucht Europa - Europa braucht Afrika."

Das ist der Moment des Abends bei "Markus Lanz"

Zu Beginn der Sendung stellte Markus Lanz mit Blick auf seine beiden Gäste fest: "Afrika hat viel zu lange keinen interessiert, aber jetzt ist es das Thema überhaupt. Es geht um die Zutaten der Energiewende. Es geht um Lithium. Der Großteil dieser Bodenschätze liegt in Afrika." Der ZDF-Moderator ergänzte kritisch: "Weiterverarbeitet werden die Rohstoffe aber nicht in Deutschland oder in Europa, sondern in China."

Afrika-Expertin Dr. Melanie Müller stimmte zu: "Ich denke, China hat das wirklich geschafft, in den letzten 20 Jahren seinen Einfluss systematisch auszubauen." Die Politologin erklärte, dass die chinesische Regierung dank Stipendien, großen Bauprojekten und Kreditvergaben eine "enge Verbindung" zu Afrika geschaffen habe. Alleine im Kongo liegen 15 von 19 Minen in chinesischer Hand, wie Müller offenbarte: "Das ist die industrielle Macht Chinas, die auch Abhängigkeiten für uns mit sich bringt."

Nun buhlen laut Markus Lanz auch "Russland, die USA und Europa um Afrika". Es gehe "um Macht, um Sicherheit und um Bodenschätze. China hat das früh erkannt und macht viele Länder damit von sich abhängig. Russland will den Kontinent dagegen nutzen, um sich gegen den Westen zu positionieren."

Für CDU-Politiker Joe Chialo ist dies jedoch keine Überraschung, denn: "Es gab jetzt nur einen Wake-up-Call in Europa wegen des Ukraine-Krieges. Dazu haben sich viele afrikanische Staaten neutral gezeigt. Jetzt fängt man an, das Ganze zu hinterfragen und das setzt Europa unter Druck." Der Politiker weiter: "Wir haben da ein ganz großes Problem. China verfolgt eine Interessen-Logik und Deutschland verfolgt eine wertebasierte Hilfslogik."

Das ist das Rede-Duell des Abends

Kurz darauf zeigten sich die Afrika-Expertin und der CDU-Politiker uneinig, als es um das Thema Entwicklungshilfe ging. Dr. Melanie Müller sagte im Gespräch mit Markus Lanz: "Ich glaube, das sind wichtige Prozesse, um die afrikanischen Staaten zu unterstützen." Chialo war damit nicht einverstanden. Er konterte mit einer steilen These: "Ich halte die Entwicklungspolitik, wie sie jetzt läuft, für falsch. Diese Hilfslogik berücksichtigt nicht die Interessen-Logik Deutschlands." Der CDU-Politiker ergänzte mit ernstem Blick: "Ich will, dass Deutschland die Entwicklungshilfe abschafft. Sie ist aufgebläht und sie bringt nichts."

Markus Lanz, Dr. Melanie Müller
Dr. Melanie Müller erklärte im Gespräch mit dem ZDF-Moderator, wie stark die Position Chinas in Afrika ist. © ZDF / Cornelia Lehmann

Der ZDF-Moderator hakte interessiert nach: "Hat er da einen Punkt?" Dr. Melanie Müller entgegnete daraufhin: "Interessen und Werte können ja auch zusammengehen. Diese Gegenüberstellung finde ich immer schwierig." Gleichzeitig gab sie zu: "Wo ich aber zustimme, ist, dass es Deutschland häufig schwer gelingt, zu sagen, was wir wirklich wollen. Wir verkaufen unsere Interessen häufig als Werte. Wir sagen nicht, dass wir etwas im Gegenzug wollen. Wir sind ja nicht Freunde, sondern es sind ja auch staatliche Interessen."

Das sah Joe Chialo ähnlich und fügte hinzu: "Wir sind nicht in der Position, mit einem erhobenen Zeigefinger dazustehen. Deutschland muss für sich klar ausbuchstabieren, was die Interessen des Landes sind." Dazu sagte Markus Lanz abschließend mit einem Lächeln: "Vielleicht fangen Sie jetzt schon mal mit der Überzeugungsarbeit in der CDU an."

Markus Lanz, Joe Chialo, Dr. Melanie Müller
Bei "Markus Lanz" debattierten die Gäste am Mittwochabend über den weltweiten Wettbewerb um die Gunst Afrikas. © ZDF / Cornelia Lehmann

So hat sich Markus Lanz geschlagen

Lanz moderierte solide und konnte mit gezielten Nachfragen seinen Gästen einige spannende Thesen entlocken. Vor allem im Gespräch mit CDU-Politiker Joe Chialo schaffte es Lanz, mit konkreten Fragen und Beispielen die teils komplexen Themengebiete anschaulich darzustellen.

Das ist das Fazit bei "Markus Lanz"

In der Sendung am Mittwochabend wurde deutlich, wie stark die USA, China, Russland und Europa zunehmend um die Gunst der afrikanischen Länder buhlen. Bei "Markus Lanz" diskutierten die Gäste, Dr. Melanie Müller und Joe Chialo, jedoch nicht nur über die geostrategische Motivation der einzelnen Länder, sondern vor allem über die fehlende Attraktivität und Anziehungskraft Deutschlands sowie die fehlende kulturelle und wirtschaftliche Verbindung mit Afrika. Im Gespräch mit dem ZDF-Moderator wurde deutlich, dass hier aus deutscher Sicht noch jede Menge Aufholbedarf herrscht - vor allem im Vergleich zu China.  © 1&1 Mail & Media/teleschau

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