Die Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 markiert für Europa das Ende des Zweiten Weltkriegs. Doch während in Europa die Waffen endlich schweigen, tobt im Pazifik noch ein erbitterter Krieg zwischen den USA und Japan, der seinen fatalen Höhepunkt im Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki findet. Besonders tragisch: Japan ist zu diesem Zeitpunkt längst besiegt.

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Begonnen hatte der Krieg zwischen den USA und Japan im Dezember 1941 mit dem Angriff japanischer Flugzeuge auf die amerikanische Pazifikflotte vor Pearl Harbour. Im Frühsommer 1945 war die Situation Japans aussichtslos. Das Land weigerte sich jedoch zu kapitulieren. Die US-Regierung entschloss sich zum Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Nach Einschätzung von Historikern war die Maßnahme nicht notwendig, um aus dem Krieg im Pazifik als Sieger hervorzugehen. Die beiden Atombomben dienten offenbar in erster Linie militärischen Testzwecken, die mit dem Leben und Leiden Hunderttausender teuer erkauft wurden.

1945: Hunderttausende Japaner fallen amerikanischen Luftangriffen zum Opfer

In der Bombennacht vom 9. auf den 10. März 1945 kamen beim Angriff der Amerikaner auf Tokio zwischen 80.000 und 120.000 Menschen ums Leben. Bei der Bombardierung von Japans Hauptinseln wurden Kriegs- und Rüstungsindustrie zerstört, die Moral der Japaner war gebrochen.

Von April bis Ende Juni 1945 führten die Kriegsparteien weitere erbitterte Kämpfe um Okinawa im Südwesten Japans. Die Amerikaner verloren 12.500 Soldaten, die Japaner 70.000 Soldaten und 80.000 Zivilisten; Letztere wurden zum Teil als lebende Schutzschilde des eigenen Militärs missbraucht. Die japanische Marine war nahezu zerstört.

Es folgten US-Angriffe auf Küsten- und Industriestädte, wie zum Beispiel Osaka. Allein in den Monaten Juni und Juli 1945 wurde Osaka viermal bombardiert, es gab 15.000 Tote.

Die militärische Niederlage Japans zeichnete sich ab, nicht zuletzt aufgrund der großen wirtschaftlichen und logistischen Engpässe. In der Erklärung von Potsdam vom 26. Juli 1945 forderten die Alliierten die bedingungslose Kapitulation der japanischen Streitkräfte.

Tokio diskutierte zwar über die Annahme der Deklaration von Potsdam, Militär und Politiker wollten jedoch die monarchische Staatsform und den Kaiser behalten und sie hofften auf eine sowjetische Vermittlung bei den Friedensverhandlungen mit den Alliierten. Womöglich hätte der Krieg früher beendet werden können, wenn Stalin die Kapitulationsaufforderung an Japan mit unterzeichnet hätte oder wenn Truman Japan signalisiert hätte, dass die Monarchie überleben würde.

Die Entwicklung der Atombombe

Seit Mitte 1944 arbeiteten Wissenschaftler der USA am streng geheimen "Manhattan-Projekt", der Entwicklung einer Atombombe. Albert Einstein hatte davor gewarnt, dass Nazi-Deutschland eine solche Waffe entwickeln wolle. Dass es letztlich nicht Deutschland traf, lag daran, dass der Krieg in Europa bereits zu Ende war, als die Entwicklung der Atombombe fertiggestellt war.

Die erste Atombombe der Welt wurde am 16. Juli 1945 im US-Bundesstaat New Mexico gezündet. Der sogenannte "Trinity-Test" verlief unter Mitwirkung des deutsch-ungarischen Wissenschaftlers Edward Teller, der die Gefahr der radioaktiven Strahlung berechnen sollte. Außerdem galt es zu erforschen, was die Detonation in der Atmosphäre bewirken und auslösen würde.

Der Test wurde zunächst geheim gehalten, als Grund für die Explosion gab das Militär die Explosion eines Munitionslagers an. Drei Wochen nach dem "Trinity-Test" traf es Hiroshima und Nagasaki.

Nach der Schlacht um Okinawa ging man in Washington davon aus, dass die für das Jahresende 1945 geplante Invasion Japans mit dem Codenamen "Operation Downfall" ebenso blutig und verlustreich sein würde. Militärexperten sprachen von 250.000 US-Soldaten und Hunderttausenden Japanern.

Mit diesen Zahlen rechtfertigte US-Präsident Harry S. Truman den Einsatz von Atombomben, um Japan zur Kapitulation zu zwingen. Truman versicherte, die Atombombe nicht gegen Zivilisten einzusetzen. Tatsächlich traf sie am Ende jedoch vorwiegend Zivilisten.

"Little Boy" und "Fat Man": Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki

Am 6. August 1945 warf der US-Bomber "Enola Gay" die erste Atombombe namens "Little Boy" auf Hiroshima ab. Bei der Explosion der Uranbombe und dem anschließenden Feuersturm starben 70.000 bis 80.000 Menschen. Bis zum Jahresende erhöhte sich die Zahl der Toten auf 140.000. 80 Prozent der Stadt wurden vernichtet.

Am 8. August 1945 brach die Sowjetunion das 1941 mit Japan geschlossene Neutralitätsabkommen, erklärte Japan den Krieg, setzte sowjetische Soldaten in Bewegung und begann mit einer Offensive zur Eroberung der Mandschurei, Koreas und der Kurilen. Die Hoffnung der Japaner, Stalin würde vermitteln, war somit dahin.

Am 9. August 1945 folgte der zweite Atombombenangriff, diesmal auf Nagasaki. Die Bombe mit dem Namen "Fat Man" forderte zwischen 70.000 und 80.000 Tote. Dass der Abwurf bereits drei Tage nach Hiroshima erfolgte, war offensichtlich der Tatsache geschuldet, dass man unbedingt noch den Prototyp der Plutoniumbombe, also den Bombentyp, den man fortan bauen würde, ausprobieren wollte.

Der Abwurf galt auch als Demonstration militärischer Stärke gegenüber der Sowjetunion und wird als Vorbote des Kalten Krieges gewertet.

Die Atombombe "Fat Man" explodierte am 9. August 1945 im japanischen Nagasaki.

Tödliches Inferno 1945: Atombombe "Fat Man" zerstört die japanische Stadt Nagasaki

Der Zweite Weltkrieg war in Ostasien noch in vollem Gange, als der US-Bomber "Enola Gay" am 6. August 1945 die erste Atombombe "Little Boy" über der japanischen Stadt Hiroshima abwarf. Nur drei Tage später wurde die "Fat Man" über Nagasaki abgeworfen. Wie es dazu kam - und welche Folgen der Atombombenabwurf hatte.

Die Kapitulation Japans

Die jeweilige Druckwelle zerstörte die beiden Städte Hiroshima und Nagasaki in einem Umkreis von fünf Kilometern. Die atomare Strahlung verseuchte Grundwasser und Felder. Häuser und Wohnungen wurden zerstört.

Die Überlebenden hatten Brandwunden oder verloren Körperteile. Hunderttausende starben in den Folgejahren an radioaktiver Verstrahlung, hatten langfristige Nachwirkungen wie Haarausfall oder ständiges Nasenbluten, viele litten an Leukämie, die meist tödlich endete.

Babys, die nach dem Abwurf geboren wurden, hatten körperliche oder geistige Behinderungen. Kinder wurden zu Waisen und als "Strahlenkranke" ausgegrenzt; aus Verzweiflung begingen viele Suizid.

Einen Tag nach dem Abwurf der Atombombe auf Nagasaki, am 10. August 1945, veranlasste Kaiser Hirohito die Absendung eines Kapitulationsangebots an die Alliierten. Am 14. August 1945 akzeptierte die japanische Regierung die Forderungen der Alliierten nach Einsetzung einer alliierten Militärregierung in Japan. Für die Durchführung der Potsdamer Beschlüsse sollte der japanische Kaiser verantwortlich sein. Das Kabinett Suzuki trat zurück; Kaiser Hirohito berief eine neue Regierung.

Am 15. August 1945 wandte sich Japans Kaiser über den Rundfunk an die Menschen und verkündete die Kapitulation. Dieser sogenannte "VJ-Day" gilt als Siegestag der Alliierten über Japan, damit endete der Zweite Weltkrieg auch im Pazifik. Die Kapitulationsurkunde wurde schließlich am 2. September 1945 unterzeichnet.

Verwendete Quellen:

  • Zeitschrift für historische Bildung der Bundeswehr: "Das Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 im Pazifik"
  • Spiegel Online: "Der nukleare Urknall"
  • ARD Weltspiegel: "Japan: Warum die zweite Bombe fiel"
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