Das war knapp: Das Duo S!sters wird beim Eurovision Song Contest 2019 in Israel für Deutschland an den Start gehen. In einem vielfältigen Vorentscheid setzten sich die beiden Sängerinnen mit einem hauchdünnen Vorsprung gegen ihre sechs Konkurrenten durch. Der Abend im Überblick.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Am Ende kam nur noch ein freudiges Quieken. Als das Duo S!sters am späten Freitagabend noch einmal seinen Siegessong "Sister" anstimmen sollte, versagte bei Sängerin Carlotta die Stimme und das Lied endete in einem Freudentanz mit Partnerin Laurita auf der Bühne.

Bis sich die Sängerinnen aber in den Armen liegen durften, war es ein langer Weg für die beiden und ein äußerst kurzweiliger Abend für den Zuschauer. In Berlin suchten die Moderatorinnen Linda Zervakis und Barbara Schöneberger den deutschen ESC-Vertreter, insgesamt sieben Kandidaten und Kandidatinnen standen zur Wahl.

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Das waren die Kandidaten bei "Unser Song für Israel"

  • Gregor Hägele: Der 19-jährige Schwabe probierte es mit der soliden Ballade "Let Me Go", lag bei dem einen oder anderen Ton aber ein bisschen daneben.
  • Aly Ryan: Die Sängerin unterstützte ihren Elektro-Pop-Song mit einer sehr dominanten Lichtshow.
  • Makeda: Die Sängerin stand mit goldenem Kleid auf der Bühne und trug ihr Lied "The Day I Loved You Most" sehr reduziert, aber trotzdem leidenschaftlich vor.
  • BB Thomaz: Ihr Song "Demons" lebte von einer ungewöhnlichen Inszenierung, für ein breites Publikum war das Lied aber vielleicht ein bisschen zu speziell.
  • Lilly Among Clouds: "Mein Lieblingsinstrument ist der Kopf", erzählte die Sängerin und ihr Song "Surprise" war sowohl musikalisch als auch dramaturgisch eine positive Überraschung.
  • Linus Bruhn: Mit "Our City" lieferte der Hamburger einen Gute-Laune-Radio-Elektro-Pop-Song für alle, denen Justin Bieber schon zu erwachsen ist.
  • S!sters: Das Duo Carlotta Truman und Laurita hat sich extra für den deutschen Vorentscheid zusammengetan. Den Song "Sister" gab es schon vorher und er ist ein Appell für mehr Zusammenhalt unter Frauen.

Das waren die beeindruckendsten Auftritte des Abends

Natürlich ist das immer Geschmackssache, aber am meisten dürften wohl die Auftritte von Aly Ryan, Makeda und Lilly Among Clouds im Gedächtnis geblieben sein.

Aly Ryans Song "Wear Your Love" muss sich mit Sicherheit nicht hinter der internationalen Konkurrenz verstecken. Das Lied mit der eingängigen Melodie und der opulenten Lichtshow verfing sich vielleicht am besten im Ohr.

Das war bei Makedas Song "The Day I Loved You Most" nicht unbedingt der Fall, dafür war der Auftritt umso beeindruckender. Alleine auf der Bühne in einem goldenen Kleid, mit Gospeltönen im Hintergrund und Feuerregen von der Decke bestach die junge Sängerin vor allem mit ihrer Stimme.

Genauso bemerkenswert, aber dafür etwas weniger massenkompatibel war der Auftritt von Lilly Among Clouds. Es schien bei ihrem fulminanten Auftritt fast so, als dirigierte die zierliche junge Frau vor der Videowand mit ihrem ganzen Körper ein unsichtbares Orchester. "Mal was anderes" war wohl der häufigste Satz über ihren Auftritt bei Twitter und das war in der Regel absolut positiv gemeint.

So war die Moderatorin Barbara Schöneberger

Mit Barbara Schöneberger konnte der NDR eigentlich nichts falsch machen. Zusammen mit Linda Zervakis als Co-Moderatorin und dem obligatorischen Peter Urban und Vorjahressieger Michael Schulte als Kommentatoren hatte der Abend Witz, Schnodderigkeit und Expertise. Alle vier nahmen die Sache ernst, aber eben nicht zu ernst.

Dass zwischen Schöneberger und Zervakis nicht alles perfekt abgestimmt war und sich die Damen auch einmal synchron ins Wort fielen und auch nicht jeder Witz saß – sei's drum.

Das war das Rahmenprogramm

Michael Schulte, Lena, Revolverheld, Andreas Bourani und Udo Lindenberg hatten nach den Kandidaten ihre Auftritte, bei denen vor allem Lena vom Studiopublikum gefeiert wurde.

Nicht gefeiert wurde hingegen die Oberbekleidung des Revolverheld-Frontmanns Johannes Strate: "Über das Hemd müssen wir nochmal reden", lästerte Schöneberger über das, sagen wir einmal, modisch sehr individuelle Bücher-Hemd von Strate. Das war dann aber auch schon das Unangenehmste am Rahmenprogramm dieses Abends.

Nett war hingegen der kleine Ausblick auf die Kandidaten der anderen Länder. Da konnte man schon einmal sehen, wie der mögliche deutsche Sieger im Feld der internationalen Konkurrent wirken könnte.

Die deutschen Chancen beim ESC

Wer kann das schon sagen? Mit den beiden Sängerinnen von S!sters haben mit Sicherheit nicht die Falschen gewonnen. Ob es die Richtigen waren, wird man wie immer erst hinterher wissen, ob ein anderer Kandidat größere Chancen gehabt hätte, dagegen nie.

Die ersten Reaktionen zu "Unser Song für Israel"

Die Reaktionen in den Sozialen Medien ließen nicht lange auf sich warten. Endlich würde Deutschland wieder den gewohnten letzten Platz bei Eurovision Song Contest holen, hieß es zum Beispiel bei Twitter sarkastisch, nachdem klar war, dass das Duo S!sters mit ihrem Song "Sister" Deutschland beim ESC in Israel vertreten wird.

Nun kann man aus der Vielzahl ähnlicher Kommentare so etwas wie ein Stimmungsbild zusammentragen, man kann es aber auch lassen. S!sters wird Deutschland in ein paar Wochen vertreten, weil die beiden Sängerinnen schlicht und einfach die meisten Stimmen bekommen haben.

Das Fazit

Es war eine gute Show, mit einer unterhaltsamen Moderation und vor allem vielfältigen Auftritten. Dass es am Ende äußert knapp war, zeigt lediglich, wie schwierig es ist, aus Musik einen Wettbewerb zu machen.