Es dauerte beinahe 51 Jahre, ehe Deutschland mit Hilfe einer internationalen Kommission einen der dunkelsten Tage seiner politischen und sportlichen Geschichte aufarbeiten will. Das Olympia-Attentat habe "tiefe Wunden hinterlassen", weiß die Bundesinnenministerin.

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Eine achtköpfige internationale Kommission soll des Attentat auf die israelische Mannschaft während der Olympischen Sommerspiele in München 1972 aufarbeiten. Bundesinnenministerin Nancy Faeser, zum Zeitpunkt der Spiele selbst erst zwei Jahre alt, setzte die Kommission ein, die laut BMI-Mitteilung "eine umfassende wissenschaftliche Darstellung und Bewertung der Ereignisse" vornehmen wird. Das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin unterstütze die Arbeit des Gremiums. Beschlossen wurde die Kommission schon im vergangenen Herbst zum 50. Jahrestag des Attentats.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser während der Vorstellung der Kriminalstatistik am 30. März 2023
Bundesinnenministerin Nancy Faeser, hier am 30. März 2023, bezeichnet den bisherigen Umgang Deutschlands mit dem Olympia-Attentat in München am 5. September 1972 als "beschämend". Erst 51 Jahre später arbeitet eine Kommission das Geschehen auf. © picture alliance/dpa/Paul Zinken

"Das Attentat hat tiefe Wunden hinterlassen. Es ist beschämend, dass quälende Fragen viel zu lange offengeblieben sind", sagte Faeser, "es fehlte viel zu lange an Aufklärung, Aufarbeitung, Transparenz und der Übernahme von Verantwortung. Mir ist es besonders wichtig, dass auch der Umgang mit den Angehörigen nach dem Attentat und Fragen der Erinnerungskultur umfassend beleuchtet werden."

Witwe Ankie Spitzer hofft auf späte Gerechtigkeit

Bei dem Attentat waren elf israelische Sportler, Trainer und Kampfrichter getötet worden. "Die Aufarbeitung wird hoffentlich zu historischer Gerechtigkeit beitragen", erklärte Ankie Spitzer. Sie ist die Witwe des bei dem Attentat getöteten israelischen Fechttrainers, André Spitzer. Spitzer begrüßt, "dass unserem Wunsch entsprochen wurde, die Archive zugänglich zu machen und eine Historikerkommission einzusetzen."

Ankie Spitzer spricht am 5. September 2012 im Rahmen der Gedenkveranstaltung zum Olympia-Attentat
Ankie Spitzer, deren Mann André seinerzeit zu den Opfern der Attentäter zählte, spricht am 5. September 2012 im Rahmen einer Gedenkveranstaltung in Fürstenfeldbruck zum Olympia-Attentat vom 5. September 1972. (Archivbild) © AFP/Günter Schiffmann

Im August 2022 hatte sich Deutschland mit den Hinterbliebenen auf Entschädigungszahlungen geeinigt. Gezahlt werden sollten 28 Millionen Euro.

Das Blutbad von Fürstenfeldbruck befleckt Deutschlands Geschichte

Am 5. September 1972 drangen palästinensische Terroristen in die Unterkunft der Sportler im Olympischen Dorf ein, erschossen zwei Männer und nahmen neun Geiseln. Rund 18 Stunden später endete ein Befreiungsversuch auf dem Flugplatz in Fürstenfeldbruck mit einem Blutbad. Alle neun israelischen Geiseln, der Polizist Anton Fliegerbauer und fünf Attentäter starben. Die Terroristen wollten mehr als 200 Gefangene in Israel und die RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof freipressen. (sid/dpa/hau)

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