Italien muss heute Abend gegen Schweden ein 0:1 drehen, um nicht erstmals seit 60 Jahren eine WM zu verpassen. Nach den jüngsten Leistungen mehren sich die Zweifel, ob der viermalige Weltmeister in der Lage ist, die sportliche Katastrophe abzuwenden.

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In Italien geht die Angst um. Dem stolzen Nationalteam, dem vierfachen Weltmeister, dem Dauer-WM-Mitfavoriten; ihm droht heute Abend im Playoff-Rückspiel gegen Schweden eine sportliche Katastrophe: das Verpassen der Weltmeisterschaft 2018 in Russland.

1958 fand letztmals ein WM-Endturnier ohne die "Azzurri" statt. Ironischerweise ausgerechnet in Schweden.

Bereits im September hatte Verbandschef Carlo Tavecchio ein mögliches Scheitern als "Apokalypse" bezeichnet. Damals deutete sich bereits an, dass Italien hinter den starken Spaniern lediglich Platz zwei der Qualifikationsgruppe G belegen wird.

Nach dem 0:1 im Playoff-Hinspiel gegen Schweden am vergangenen Freitag ist dieses sportliche Horror-Szenario nun realistischer denn je.

Abgefälschter Schuss lässt Italien zittern

Italien ging als Favorit in die Partie, konnte dieser Rolle aber nur in wenigen Momenten des Spiels gerecht werden.

Zu statisch agierten die "Azzurri" in der Offensive, auch die sonst so starke Defensive wackelte einige Male bedenklich.

Am Ende war es ein abgefälschter Schuss des eingewechselten Jakob Johansson, der den spielerisch überlegenden Schweden das Siegtor bescherte - und ganz Italien vor dem entscheidendem Rückspiel im Mailänder San-Siro-Stadion (heute um 20:45 Uhr, LIVE bei Nitro und DAZN) nun zittern lässt.

Pirlo wettert gegen Ex-Kollegen

Ex-Nationalspieler Andrea Pirlo, einer der besten Fußballer, die dieses Land je hervorgebracht hat, ging mit vielen seiner Ex-Kollegen hart ins Gericht. "Man braucht Qualität, um solche Spiele zu gewinnen", wetterte er. "Dies sind Spiele, in denen du siehst, was richtige Spieler sind."

Dabei wäre es falsch, den Spielern der italienischen Nationalmannschaft in Gänze die Klasse abzusprechen. Auffällig ist jedoch, dass die Leistungen der Stars schwanken - und das Pendel derzeit insbesondere in Länderspielen meist in den negativen Bereich ausschlägt.

Der in Schweden auf ganzer Linie enttäuschende und im Rückspiel gesperrte PSG-Star Marco Verratti ist im himmelblauen Trikot ein Schatten seiner selbst. Lazio-Rom-Stürmer Ciro Immobile schießt in der heimischen Serie A alles in Grund und Boden (14 Tore in elf Ligaspielen), traf in den vergangenen acht Länderspielen aber nur einmal.

Die Sturmflaute bereitet dem viermaligen Weltmeister aktuell die größten Sorgen: In den letzten fünf Spielen erzielte Italien lediglich drei Treffer. Diese drei Tore wurden gegen Israel, Mazedonien und Albanien erzielt.

Selbst das "BBC"-Bollwerk, bestehend aus Bonucci, Andrea Barzagli und Giorgio Chiellini, versetzt die gegnerischen Stürmer nicht mehr in Angst und Schrecken. Mit einem kombinierten Alter von 99 Jahren steht in Italiens Prunkstück der Umbruch bevor. Ein Scheitern gegen Schweden würde diesen um einige Monate vorziehen.

Es mangelt an Kreativität

Ein großes Manko ist aktuell zudem die mangelnde Kreativität in Partien gegen defensiv orientierte Gegner. Neapels Lorenzo Insigne, wohl der derzeit technisch versierteste Italiener, wäre einer, der diese Schwachstelle beheben könnte.

Doch der 26-Jährige hat seine Rolle im 3-5-2-System von Trainer Gian Piero Ventura noch nicht gefunden.

Im Playoff-Hinspiel wurde er eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt. Er irrte so lange durchs Mittelfeld, bis Ventura ihm lautstark klar machte, dass er auf der linken Seite bleiben solle.

Für den Trainer und Verbandschef Tavecchio geht es heute Abend in Mailand auch um ihr persönliches Schicksal. Scheidet Italien aus, werden sich beide nicht in ihrem Ämtern halten können. Gegen Tavecchio hatten sich die Rücktrittsforderungen in den vergangenen Tagen gehäuft.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Trotz der schwachen Leistung in den vergangenen Wochen ist bei den "Azzurri" die Hoffnung auf ein Weiterkommen immer noch vorhanden.

Abwehrchef Bonucci, der trotz eines Nasenbeinbruchs wohl auflaufen kann, bediente sich einer dramatischen Wortwahl und sprach von "dem Spiel unseres Lebens".

Auch Torwart-Legende Gianluigi Buffon, der zum sechsten Mal zu einer WM fahren möchte und damit an Lothar Matthäus vorbeiziehen könnte, versucht trotz der schwierigen Situation positiv zu bleiben. "Wir können über unsere Fehler reden, aber es hilft überhaupt nichts. Wir brauchen für die Aufholjagd erhobene Köpfe", sagte der amtierende Welttorhüter, der bei der Weltmeisterschaft 40 Jahre alt sein wird.

Es ist das letzte rhetorische Aufbäumen, um der drohenden Apokalypse doch noch zu entgehen. Am Abend müssen auf dem Platz die Taten folgen.

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