Am Wochenende treffen die beiden Topmannschaften der Bundesliga aufeinander. Aber dieses Spiel ist nicht nur FC Bayern München gegen Borussia Dortmund. Nicht nur der Freistaat gegen den Ruhrpott, Rot gegen Schwarz-Gelb. Erster gegen Zweiter. Mia-san-Mia-Protz gegen Pott-Charme. Es ist auch das Treffen der Trainer Jürgen Norbert Klopp und Josep "Pep" Guardiola i Sala.

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Pep Guardiola ist mit 14 Titeln der erfolgreichste Trainer in der Vereinsgeschichte des FC Barcelona. Jürgen Klopp führte Borussia Dortmund zwei mal zum Meistertitel, wurde ein mal Pokalsieger und stand mit seinem Verein im Finale der Champions League. Die beiden haben also eine Sache gemeinsam: den Erfolg. Aber da hört es dann auch schon auf. Ein Vergleich der beiden Super-Trainer:

Der Seitenlinien-Check: Cooler Taktiker vs. Unberechenbarer Feuerball

Der Trainer der Bayern coacht so wie er sich anzieht. Cool und mit Stil. Natürlich gestikuliert Guardiola an der Seitenlinie mehr als ein Pantomime auf Arbeitssuche. Doch das liegt viel mehr am fehlenden Vokabular als am Trainer selbst. Pep kann aber auch an die Decke gehen. Dann geht das Temperament mit dem Südländer durch. Wie damals, während seiner Zeit in Barcelona. Ausgerechnet gegen die Bayern verlor der Gentleman den Faden im Anzug, bezeichnete den Schiedsrichter als Lügner, wurde auf die Tribüne verbannt und musste dann 15.000 Euro Strafe zahlen. Aber er kehrt eben auch genauso schnell wieder auf den Boden zurück: Weitere Vergehen - Fehlanzeige.

Ganz anders verhält es sich bei Jürgen Klopp. Der BVB-Trainer ist ab der ersten Minute ein Feuerball, der sich je nach Spielverlauf in eine Super-Nova entwickeln kann. Wenn sich die Augen des Trainers zu kleinen Schlitzen verengen, die Hauptschlagader hervortritt und sich sein Kopf farbtechnisch in eine reife Tomate transformiert, ist Vorsicht geboten. Ein zähnefletschender Klopp, der dem Linienrichter Nase an Nase seine Sicht der Dinge mitteilt, ist kein seltenes Bild. Dementsprechend findet sich Klopp öfter auf den Rängen wieder, als ihm lieb sein kann. Der Trainer wurde schon sechs Mal vom DFB bestraft und hat bisher fast 50.000 Euro Strafe bezahlt.

Der Taktik-Check: Tiki-Taka vs. Die Welle

Guardiola hat das Kurzpassspiel nicht erfunden. Aber er hat es von den Meistern gelernt: Johan Cruyff und Louis van Gaal. Das Besondere ist, dass Pep das Gelernte perfektioniert hat. Die Bayern wollen Ballbesitz. Immer und Jederzeit. Bei den Bayern läuft, bis auf die Innenverteidiger, jeder. Der Gegner bekommt keine Zeit zum Verschnaufen und wird systematisch psychisch sowie physisch ausgelaugt.

Jürgen Klopp predigt den "modernen" Fußball: Pressing und schnelles Umschalten. Das Halten des Balles, wie es in München bevorzugt wird, ist nicht wichtig. Sobald der dann in den eigenen Reihen rollt, peitscht "Kloppo" seine Spieler nach vorne. So schnell wie möglich. Dann fallen die Spieler des BVB im Tempogegenstoß wellenartig über den Gegner her.

Der Führungsstil-Check: Unnahbarer Übervater vs. Spielercoach zum Anfassen

Pep Guardiola strebt nach Perfektion. Immer und überall. Ein Mann seines Status verlangt Respekt. Darauf ist sein Amt bei den Bayern aufgebaut: auf Respekt. Er verlangt absoluten Gehorsam. An der Autorität des Trainers darf und wird nicht gekratzt werden. Wenn Pep mit einem Spieler spricht, muss der Augenkontakt gehalten werden. Wer seine Anweisungen hinterfragt oder nicht befolgt, findet sich schneller auf der Tribüne wieder als ihm lieb ist. Doch der Erfolgstrainer macht, wofür er bezahlt wird. Er holt aus der Mannschaft das Beste heraus. Seine Regeln und Machtdemonstrationen, mit denen er seine Übermachtstellung gegenüber den Spielern immer wieder hervorhebt, machen ihn zu einem unnahbaren und über jeden Zweifel erhabenen Übervater.

Jürgen Klopp ist ein Spielercoach. Ein Kumpel-Typ. Einer, mit dem man auch mal in der Kneipe versumpfen kann. Der Trainer bezeichnet die Spieler des BVB als "seine Jungs", für die er alles tun würde und sie bedingungslos in Schutz nimmt. Er ist ehrlich, loyal und fair. Das schätzen auch seine Spieler: "Im Training geht es immer sehr locker zu, aber er weiß, wann er was zu sagen hat," sagt Ilkay Gündogan. Nur wenige Trainer sind wie Klopp in der Lage, aus ihren Mannschaften regelmäßig so viel Lebendigkeit und Einsatzfreude herauszukitzeln.

Der Spieler-Check: Erfolgsverwöhnter Mittelfeld-Bubi vs. herzliche Kampfsau

"Tros de pa". Das ist katalanisch und bedeutet übersetzt "Ein Stück Brot" und soll damit ein guterzogenes Kind beschreiben. So wird Guardiola in seiner Kindheit gerufen. Er wächst wohlbehütet in einer Mittelschicht-Familie auf, der der strenge Vater Valenti Guardiola seine Werte eines erfolgreichen Mannes implantiert: Integrität, Fleiß und Höflichkeit. "Pep" spielte insgesamt 17 Jahre für den FC Barcelona. Bereits als Spieler zeichnete sich Guardiola durch hohe Spielintelligenz aus, durch die er körperliche Defizite ausgleichen konnte. Dabei macht der Spanier aus seiner physischen Not eine Tugend und kann mit Auge und Köpfchen überzeugen. Cruyff setzt den jungen "Pep" als spielgestaltenden Sechser ein. Dort kann der spätere Trainer sein Potential als Denker und Lenker bereits in jungen Jahren entwickeln.

Jürgen Klopp wird von seinem Vater immer gefordert. "Auf dem Fußballplatz haben wir Sprints gemacht. Von der Grundlinie bis zur Mittellinie. Die ersten Läufe, da hatte ich gerade den Sechzehner erreicht, als er an der Mittellinie war. Das war ihm völlig wurscht. Aber er hat mich geliebt. Und das hab ich gewusst," sagt Klopp über seine Kindheit in einem Interview mit Zeit.de. Auch hier gleichen die Eigenschaften seines Vater dem Coaching-Stil des späteren Trainers: eine Mischung aus Fordern und Nähe, Strenge und Herzlichkeit.

Auch seine Eigenschaften als Trainer lassen sich hervorragend auf seine Zeit als Spieler zurückführen. Klopp fällt auf seiner Position nicht durch herausragende technische Fähigkeiten, sondern eher durch Kampfgeist und spielerische Intelligenz auf. In elf Jahren bei Mainz 05 kassierte Klopp als Verteidiger und Stürmer fast doppelt so viele Karten (fünf Rote, 79 Gelbe), wie er Tore schießt (52). "Ich habe es in meiner aktive Karriere leider nicht geschafft, auf dem Platz das zu bringen, was sich in meinem Gehirn abspielt," analysierte sich Klopp einst selbst. Gut, dass er Trainer geworden ist.

Der Style-Check: Maßanzug vs. Trainingsanzug

Guardiola überlässt nichts dem Zufall. Das Haupthaar des Spaniers ist immer so kurz getrimmt, dass sogar der Platzwart in Wimbledon vor Neid erblassen würde. Die italienischen Halbschuhe funkeln, als wären sie gerade durch die Waschanlage gefahren. Und dann der feine Zwirn. Guardiola hat mehr Anzüge als andere Menschen Unterhosen. Jedes Outfit ist von Peps persönlichem Mode-Guru Antonio Miro maßgeschneidert. Was die Körperbekleidung angeht, könnte der Bayern-Trainer vom Fußballplatz direkt auf die Laufstege der Modemetropolen wechseln.

Jürgen Klopp hingegen würde dort wahrscheinlich mit dem Hausmeister verwechselt. Der Kleidungsstil des Trainers ist von seinem derzeitigem Wohnort inspiriert. Lässig und bequem - Ruhrpott-Chic eben. "Einen Anzug werde ich niemals tragen," sagte Klopp einst in Mainz. Und der Trainer hält sein Wort. Wenn der BVB nicht gerade in der Champions League spielt, dann findet man "Kloppo" an der Seitenlinie im traditionellen Look: Tennisschuhe und Trainingsanzug. Locker, lässig – Klopp eben.

Das Fazit:

Guardiola und Klopp sind wie Tag und Nacht. Der Bayern-Trainer ist eine auf Erfolg getrimmte Maschine, die mit kühler Abgeklärtheit auf dem Platz und auch abseits nichts dem Zufall überlässt. Der BVB-Coach setzt auf ein familiäres Arbeitsklima, mit Hang zur Theatralik und leichter Entzündungsgefahr. Beide verfolgen einen unterschiedlichen Stil und sind damit auf ihre Art erfolgreich.

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