Hakan Calhanoglu drängt auf einen Wechsel vom Hamburger SV zu Bayer Leverkusen. Dafür nutzt er intensiv die sozialen Medien und ignoriert bestehende Verträge. Die HSV-Fans sind wütend. Und das zu Recht! Ein Kommentar.

Hakan Calhanoglu hat den Zorn der HSV-Fans auf sich gezogen. Und wer sich so verhält wie er, hat nichts anderes verdient. Über die sozialen Netzwerke forciert der 20-Jährige einen Sommerwechsel zu Bayer Leverkusen - und das nicht einmal vier Monate nach seiner Vertragsverlängerung beim HSV. Gleichzeitig bittet er die Hamburger Anhänger um "Verständnis" für seine Entscheidung. Doch diese reagieren mit Beschimpfungen gegen ihren Ex-Liebling. Und das ist vollkommen nachvollziehbar.

Eigentlich ist Calhanoglu noch bis 2018 an die Hanseaten gebunden. Dass Verträge für Profifußballer oft nicht mehr sind als ein paar wertlose Blatt Papier, ist keine neue Erkenntnis. Und "normale" Arbeitnehmer, die sich nicht über Gehaltschecks von Zehn- oder Hunderttausenden Euro pro Monat freuen können, sind nicht so naiv und glauben, dass sich das irgendwann ändern wird. Denn wenn mit den dicken Geldscheinen gewedelt wird, haben Respekt und Anstand hinten anzustehen.

Dennoch sollten solche Verhaltensweisen nicht klaglos hingenommen werden, getreu dem Motto: "So läuft das im Fußball nun einmal". Verträge sind bindend. Das gilt auch für sich selbstüberschätzende, 20 Jahre alte Fußballer wie Calhanoglu. Der sieht bei seinem jetzigen Arbeitgeber nur schlechte Perspektiven für seine Entwicklung und sagt in der "Sport Bild": "Ich will einfach so weit kommen wie Ronaldo oder Messi." Das sind wohlgemerkt Worte eines Spielers, der vor einem Jahr noch für den Karlsruher SC in der dritten Liga gespielt hat. Klar: Calhanoglu ist talentiert und er war in einer desaströsen HSV-Mannschaft mit elf Saisontoren einer der wenigen Lichtblicke. Doch noch fehlt ein großes Stück bis zur Beletage des internationalen Fußballs.

Doch sportlich wollen wir Calhanoglus Wechselabsichten gar nicht hinterfragen. Der Mittelfeldspieler möchte vom Krisenklub und Fast-Absteiger Hamburger SV zum Champions-League-Qualifikanten Bayer Leverkusen wechseln. Nur, wer Anstand hat, posaunt das nicht durch die Medien, verfasst dazu ständig neue Einträge bei Facebook und Twitter und setzt seinem Klub so die Pistole auf die Brust.

Auch wenn die HSV-Bosse es anders formulieren, sind sie gewiss nicht abgeneigt, Calhanoglu bei einer lukrativen Millionen-Offerte ziehen zu lassen. Schließlich braucht der mit über 100 Millionen Euro verschuldete Verein jeden Cent für den Neuaufbau.

Nach den vergangenen Tagen steht fest: Aus charakterlicher Perspektive wäre ein Calhanoglu-Transfer kein Verlust für den HSV. Und eigentlich wäre es nur fair, wenn Leverkusen Calhanoglus Verhalten nicht mit einem dicken Millionengehalt und Champions-League-Fußball belohnt. Nur leider fehlt der Glaube, dass das wirklich passieren wird. Denn: "So läuft das im Fußball nun einmal".