In Wolfsburg geriet die Karriere von Julian Draxler in die Sackgasse. Der Neustart bei Paris Saint-Germain war geradezu sensationell und lässt darauf hoffen, dass Draxler endlich der ersehnte Durchbruch gelingt.

Wie schnell das manchmal gehen kann im Fußball, erfährt Julian Draxler dieser Tage in Paris. Es ist noch gar nicht so lange her, da galt der Nationalspieler als Inbegriff des verzogenen Raffzahns. Der Wechsel vom FC Schalke zum VfL Wolfsburg war schon ein Affront für die Traditionalisten unter den Fans - und nicht nur jenen des FC Schalke.

Die anderthalb Jahre in Wolfsburg wurden dann zu einem reinen Fiasko für Draxler, das ohnehin schon ramponierte Image knallte spektakulär in den Keller und am Ende war sogar zu befürchten, dass die Karriere eines gerade einmal 23-Jährigen gegen die Wand fährt.

Es war klar, dass der nächste Wechsel des begnadeten Fußballspielers hundertprozentig sitzen muss und manch einer stellte sich ganz lapidar die Frage, wer so einen wendehalsigen, offenbar nicht sturmerprobten Spieler überhaupt noch verpflichten wollte.

Draxler ein Dragster

Paris Saint-Germain hat sich dann gewissermaßen erbarmt und nicht der FC Arsenal, mit dem Draxler seit Jahren schon in Verbindung gebracht wurde. Erst seit ein paar Wochen weilt Draxler in Frankreichs Hauptstadt und doch könnte man den Eindruck bekommen, der Deutsche sei schon seit einigen Jahren fester Bestandteil von PSG.

Draxlers Start war mit zwei Toren in den ersten beiden Pflichtspielen überragend. Ein Lupfer im Pokal und ein satter Flachschuss zum Tor des Tages in der Liga gegen Rennes haben Draxler in Paris einschlagen lassen wie zuletzt Zlatan Ibrahimovic vor fünf Jahren. Dem waren in den ersten beiden Spielen auch gleich zwei Tore gelungen.

Die gewiss nicht für ihre marktschreierische Art bekannte Sportfachzeitung "L’Equipe" geriert geradezu ins Schwärmen. "Ab jetzt ist Drax­ler die fran­zö­si­sche Va­ri­an­te eines Drags­ter (Rennwagen mit raketenähnlichem Antrieb, Anm. d. Red.)."

Neuanfang in anderem Umfeld

Draxler wirkt auf dem Platz wie verwandelt. Der zögerliche, zaudernde und lamentierende Draxler ist offenbar auf dem Weg von Wolfsburg nach Paris verschütt gegangen. Stattdessen erobert ein dynamischer, selbstbewusster junger Mann die Hauptstadt.

"Es ist gut für ihn und für das Team, so zu star­ten. Wir haben schon ge­se­hen, dass er hel­fen will und die Mann­schaft ver­stärkt. Er hat Selbst­ver­trau­en. Das ist per­fekt für seine In­te­gra­ti­on", sagt Teamkollege Kevin Trapp über seinen Landsmann.

Das neue Umfeld, der Neuanfang in einer unbelasteten Umgebung weit weg von den alten Problemen in der Heimat ist die eine Sache. Dass Draxler fußballerisch fast jeder Mannschaft der Welt an einem guten Tag weiterhelfen kann, dürfte auch außer Frage stehen.

Linksaußen im 4-3-3

Seit seinem starken Auftritt während der Europameisterschaft gegen die Slowakei gilt er in Frankreich als Verheißung. Dass er aber im Starensemble von PSG gleich so fulminant losstartet, ist auch Trainer Unai Emery zu verdanken.

Der Spanier hat PSG zu Beginn seiner Amtszeit fast auf links gedreht. Emery hat völlig neue taktische Stilmittel eingeführt und sich dabei ein wenig verhoben. Anders ist die verkorkste Vorrunde von PSG nicht zu erklären. Seit einigen Wochen ist Emery zum seit Jahren gewohnten 4-3-3-System zurückgekehrt, das vom Spanier präferierte 4-2-3-1 ist erstmal auf Eis gelegt.

Draxler kommt die offensivere Ausrichtung als klarem Außenspieler auf der linken Seite offenbar sehr gelegen. Immerhin hat er keinen Geringeren als Angel di Maria vorerst auf die Bank verdrängt und Emery kündigte bereits an, dass sich Di Maria und Lucas um die Position auf der rechten Seite duellieren müssten. Draxler sei links demnach bereits gesetzt.

Gelingt jetzt der Durchbruch?

Dass der Wechsel nach Wolfsburg ein Fehler war, wurde im Prinzip schon nach wenigen Wochen offensichtlich. Draxler konnte sich nur für die großen Spiele in der Champions League begeistern, das tägliche Geschäft in der Bundesliga lief gefühlt nur so nebenher.

Wolfsburgs sportlicher Absturz ging einher mit dem von Draxler. Was umso bedauerlicher war, als nicht wenige Experten dem ehemaligen Schalker eine Weltkarriere bescheinigten. Die ersten Wochen in Paris lassen nun wieder vage Hoffnungen zu, dass das ewige Talent mit PSG endlich die Wende schafft.

In Paris mit seinem immensen Konkurrenzkampf und den überbordenden Ambitionen der Besitzer, besonders in der Champions League, sind die Rahmenbedingungen für Draxler ziemlich gut, um endlich die nächsten Schritte in seiner Karriere zu machen und sein Talent auf höchstem Niveau zu veredeln.

Große Spieler blühen unter diesen Voraussetzungen erst richtig auf und beißen sich durch. Und ein großer Spieler will Julian Draxler ja auch werden.