Schalke hat Jens Keller entlassen und sofort Roberto di Matteo als neuen Trainer präsentiert. Die Königsblauen fordern endlich Kontinuität und Attraktivität, der Pragmatiker di Matteo stand bisher aber für beides nicht.

In erster Linie stehen da ziemlich imposante Erfolge: Aufstieg mit West Bromwich in die Premier League, mit dem FC Chelsea der Sieg im FA Cup und natürlich der Triumph in der Champions League vor zwei Jahren. Roberto di Matteo eilt der Ruf des "Machers" voraus, so viel kann man sagen.

Der in der Schweiz geborene Italiener, der sechs Sprachen fließend spricht, hat dabei das Kunststück geschafft, mit dem FC Chelsea in nur einem halben Jahr erst ins Amt gehievt, dann zwei große Titel geholt zu haben und wenig später dann gleich wieder entlassen worden zu sein.

Fast zwei Jahre war di Matteo danach arbeitslos. Sein Name tauchte immer wieder im Zusammenhang mit vakanten Trainerstellen in der Bundesliga auf, in Hamburg, in Stuttgart, in Frankfurt. Jetzt heuert der 44-Jährige auf Schalke an.

Di Matteo ist introvertiert

"Wir wollten keinen Schnellschuss - sondern einen Trainer, der uns nachhaltig weiterbringt", sagte Schalke-Boss Clemens Tönnies. Di Matteo bringt neben seinen Meriten gewiss eine bemerkenswerte Aura mit.

Er ist aber kein großer Kommunikator, in seiner Art sehr introvertiert - Attribute, die dem nun ehemaligen Trainer Jens Keller gerne als Nachteil ausgelegt wurden in einem Klub, der die Folklore liebt und lebt. Di Matteo lässt vorrangig zweckmäßigen Fußball spielen. Trotz der Erfolge in London wurde seiner Mannschaft stets roboterhafter Fußball vorgeworfen: klinisch präzise, aber ohne Emotionen.

Nachfolger wird ein ehemaliger Trainer des FC Chelsea.

Schalke hat in den letzten zehn Jahren jegliche Art von Trainertyp durchprobiert. Nachhaltigen Erfolg hatten die wenigsten. Bei Jens Keller war es zuletzt offenbar so, dass ihm große Teile der Mannschaft gar nicht mehr folgen wollten. Kellers ohnehin schon umstrittene Autorität war am Ende so sehr beschädigt, dass die Trennung erfolgen musste. Di Matteo wird da sicher einen anderen Start haben.

Kommt er mit dem Kader klar?

Aber auch ihm muss es erst gelingen, den bunten Kader mit seinen Stars und Sternchen, den Klein- und Großverdienern, den Etablierten und Aufstrebenden, auf Linie zu trimmen. Auch daran ist Keller am Ende gescheitert, wie der eine oder andere seiner Vorgänger auch. Schalke ist schlecht in die Saison gestartet und in den letzten Wochen war neben den vielen Verletzten auch die fehlende Spielidee als Grund für die Misere ausgemacht worden.

Di Matteos erste Pflicht muss zunächst der kurzfristige Erfolg sein. "Wir glauben fest daran, dass er die Mannschaft stabilisieren kann", sagte Sportvorstand Horst Heldt. Auf Dauer wird in Gelsenkirchen aber deutlich mehr erwartet. Die Bosse und die Fans wollen durchdachten, strukturierten, mutigen und wenn möglich natürlich offensiven Fußball sehen. Für Letzteres stand di Matteo bisher nicht.

Die Kaderstruktur auf Schalke ist aber auf offensiven Fußball ausgelegt. Da wird sich auch der neue Trainer, der bisher zudem nur in der Premier League gearbeitet hat, flexibel zeigen müssen und von seinem bisher praktizierten Stil abrücken. Bis 2017 hat er bei den Knappen unterschrieben.

Drei Jahre Vertragslaufzeit sollen die von Tönnies geforderte Nachhaltigkeit auch schwarz auf weiß dokumentieren. Besonders viel muss das auf Schalke bei 13 Trainern in den letzten zehn Jahren aber nicht heißen.