Am letzten Tag der Transferperiode wurde es noch einmal turbulent. Die Bundesliga deckte sich mit Innenverteidigern ein, Mario Balotelli wechselte ausgerechnet zu Lucien Favre nach Nizza. Und zwei Spieler sorgten kurz vor Ladenschluss noch für hitzige Debatten.

Das war ja vielleicht eine undurchsichtige Geschichte. Am Ende stand Serge Gnabry aber tatsächlich mit einem grün-weißen Trikot in der Hand im Bremer Weserstadion und jonglierte einen Ball. Werder hat den Spieler gekauft, wurde nicht alimentiert oder anderweitig unterstützt von einem anderen Klub. Kein Leihgeschäft mit dem FC Bayern München, kein Hin- und Hergeschiebe. Ein handelsüblicher Transfer, wenige Stunden vor dem Ende der Wechselperiode.

Die ganz großen Blockbuster-Deals blieben aus, aber das war fast abzusehen. Selbst die wild gewordenen Engländer, die mit dem Transfer von Shkodran Mustafi zum FC Arsenal schon am Dienstag die unfassbare Schallmauer von einer Milliarde Pfund an gesamt gezahlten Ablösesummen durchbrochen hatten, ließen es verhältnismäßig ruhig angehen.

Gut, die Rückkehr von David Luiz von Paris Saint-Germain zum FC Chelsea sorgte für Wallungen, auch dass Meister Leicester City Wunschangreifer Islam Slimani von Sporting Lissabon für die vereinsinterne Rekordsumme von 30 Millionen Euro loseisen konnte.

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Mario Balotelli nach Nizza

Joe Harts Wechsel von Manchester City zum FC Turin war ein Thema. Hart wird der erste englische Torhüter in Italien seit den 1930er Jahren. Und dann noch die Leihen von Samir Nasri (von ManCity zum FC Sevilla) und Juan Cuadrado (von Chelsea zu Juventus Turin), inklusive der sehr ungewöhnlichen Leihzeit von satten drei Jahren.

Und natürlich noch er: Mario Balotelli. Das "enfant terrible" des europäischen Fußballs zieht mal wieder weiter. Nun vom FC Liverpool zu OGC Nizza. Das ist insofern brisant, da Balotelli in Nizza auf Lucien Favre als Trainer trifft.

Der ist nicht dafür bekannt, besonders gut auf Extravaganzen und eine lockere Arbeitsauffassung zu sprechen zu sein. Und: Nizza ist zufällig ja auch Gegner des FC Schalke in der Europa League. Gleich am ersten Spieltag können sich die Königsblauen ein Bild von Balotelli bei seinem neuen Klub machen.

Innenverteidiger-Flut in der Bundesliga

Die Bundesliga hat sich im Vergleich zur stinkreichen Premier League vergleichsweise vornehm zurückgehalten. Am letzten Transfertag gab es - zusätzlich zu Serge Gnabry - trotzdem noch einige bemerkenswerte Wechsel. Philipp Wollscheid ist zurück in der Liga. Der VfL Wolfsburg hat einen Nachfolger für Dante in Stoke-on-Trent gefunden und den ehemaligen Nationalspieler ausgeliehen.

Die in diesem Sommer besonders heiß begehrten Innenverteidiger-Transfers komplettieren Martin Hinteregger (von RB Salzburg zum FC Augsburg), Marcel Tisserand (vom AS Monaco zum FC Ingolstadt), Ramalho (Leihe von Bayer Leverkusen zu Mainz 05) und Kyrgiakos Papadopoulos, der ebenfalls von Bayer für ein Jahr zu RB Leipzig ausgeliehen wurde.

Augsburg hat mit Hinteregger endlich seine Lücke in der Defensive geschlossen und dazu einen Spieler verpflichtet, der über eine herausregend gute Spieleröffnung verfügt. Tisserands Wechsel vom Champions-League-Teilnehmer zu einer kleinen Nummer in Deutschland überrascht selbst Experten. Zumal der 23-Jährige offenbar rund fünf Millionen Euro kostet. Für Ingolstädter Verhältnisse ein Vermögen - trotz des vielen Audi-Gelds.

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Kühne spendiert noch einen

Durchaus riskant ist Leverkusens Vorgehen mit Ramalho und Papadopoulos. Bayer hat nun nur noch drei gestandene Innenverteidiger im Kader, Jonathan Tah, Ömer Toprak und Zugang Aleksandar Dragovic. Die latente Anfälligkeit bei gegnerischen Standards im Kopfballspiel dürfte durch die Abgänge der beiden Defensivspezialisten nicht unbedingt besser werden.

Außerdem hat HSV-Geldgeber Kühne nochmals die Schatulle geöffnet. Die Hamburger leisten sich den Olympia-Luxus und holen Goldmedaillen-Gewinner und Linksverteidiger Douglas Santos von Atletico Mineiro für kolportierte zehn Millionen Euro. Milliardär und Gönner Klaus-Michael Kühne macht auch diesen Transfer möglich.

Theater um Moussa Sissoko und Axel Witsel

Und dann waren da noch die zwei Lachnummern des Tages: Moussa Sissoko war schon seit einiger Zeit Thema eines Running Gags. Einst verkündete der Franzose, dass der FC Arsenal der "Klub seines Herzens" sei und er unbedingt zu den Gunners wolle. Dann sollte es im Laufe des Mittwochs der FC Everton sein. Die Toffees hatten schon alles geregelt, waren mit dem Spieler klar - doch Sissoko tauchte nie in Liverpool auf und ging im Laufe des Abends auch nicht mehr an sein Handy.

Offenbar deshalb, weil er ein paar Stunden später doch in London unterzeichnete. Allerdings nicht bei seinem Traum-Klub Arsenal, sondern bei dessen größtem Rivalen Tottenham Hotspur. Wahrscheinlich wird er bei seinem ersten Tor für die Spurs ganz leidenschaftlich das Wappen küssen ...

Gar nicht mehr geklappt hat der Wechsel von Axel Witsel zu Juventus. Italiens Champion ging felsenfest von einem erfolgreichen Transfer aus, der Spieler hatte schon den Medizincheck bestanden, die ausgearbeiteten Verträge lagen auf dem Tisch. Doch wenige Minuten vor dem Ende der Transferperiode in Russland soll es sich Witsels Klub Zenit St. Petersburg doch noch anders überlegt haben.

Witsel bleibt in Russland, Juventus fehlt ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Champions-League-Titel und Zenit? Die Russen werden für einige Zeit einen reichlich unzufriedenen Spieler bezahlen müssen.