Ein Altbekannter trägt seinen Teil dazu bei, den Hamburger SV zu retten – und der ist nicht mal beim HSV aktiv. Der Fußballgott outet sich als Sadist und vom Max-Meyer-Theater profitiert nur einer. Unsere wie immer nicht ganz ernst gemeinten Lehren des 32. Spieltags.

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Lecker Würstchen mit Kartoffelsalat zubereiten, über das viel zu warme Wetter schimpfen und das Niveau der Bundesliga anprangern: Das sind nur drei Dinge, die wir Deutsche besonders gut können.

Und ja, oftmals quälen wir uns durch das eine oder andere der insgesamt 306 Bundesliga-Spiele einer Saison. Doch dann gibt es auch immer wieder Wochenenden wie das vergangene, die uns Fans für die eine oder andere Magerkost entschädigen.

Beachtliche 30 Tore in neun Spielen, die ganze Palette an Abstiegskampf-Emotionen, unterhaltsame Interviews und sogar ein Skandälchen um Max Meyer: Dieser 32. Spieltag hatte wirklich einiges zu bieten.

Das Wichtigste arbeiten wir in dieser Ausgabe der Lehren des Spieltags auf. Und gerne würden wir Ihnen versprechen, dass diese Ausgabe die beste aller Zeiten wird. Aber: Realitätsferne und grenzenlose Selbstüberschätzung steht (un-)verletzten Noch-Schalkern einfach besser zu Gesicht.

1. Lehre: Hamburgs Retter trainiert den VfL Wolfsburg

Deutschland ist eine gespaltene Fußballnation. Auf der einen, etwas kleineren Seite gibt es die HSV-Fans. Und auf der anderen, deutlich größeren Seite die "Der HSV muss endlich einmal die Quittung für das Chaos der letzten Jahre bekommen"-Fans.

Doch nach dem 3:1-Erfolg im Kellerduell beim VfL Wolfsburg stehen die Chancen für die Hamburger tatsächlich ganz gut, zumindest den Relegationsplatz zu erreichen. Und falls das passiert, wissen wir alle, was in den Partien gegen den Tabellendritten der 2. Liga geschehen wird – und sei es im Rückspiel in der fünften Minute der Nachspielzeit.

Der aktuelle Hamburger Erfolg hat vor allem zwei Gesichter: das von Trainer Christian Titz und das von Lewis Holtby.

Letzterer wurde unter Titz' Vorgängern noch schneller aussortiert als ein gammliges Paar löchriger Socken – und nun schickt sich Holtby unter dem neuen Coach mit seinen vier Toren in den vergangenen fünf Spielen an, in die Fußstapfen von Pierre-Michel Lasogga, Marcelo Diaz und Luca Waldschmidt zu treten.

Diese hatten in den zurückliegenden Jahren mit ganz wichtigen Toren zu ganz späten Zeitpunkten der Saison entscheidenden Anteil daran, dass die Gruppe der "Der HSV muss endlich einmal die Quittung für das Chaos der letzten Jahre bekommen"-Fans überhaupt existiert.

Das Momentum im sich anbahnenden Zweikampf zwischen Hamburg und Wolfsburg hat auf jeden Fall der Bundesliga-Dino auf seiner Seite.
Und: Packen es die Hamburger erneut, darf sich auch Wolfsburg-Coach Bruno Labbadia nach der VfL-Pleite in diesem so wichtigen Spiel ein Stück weit als HSV-Retter bezeichnen. Einfach ein Ehrenmann, der Bruno.

2. Lehre: VfB Madrid macht dem FC Bayern Hoffnung

Ob ein Hamburger Abstieg verdient oder unverdient wäre, lassen wir mal offen. Denn letztlich lässt sich so etwas nicht objektiv messen – oder etwa doch?

Die Kollegen von Opta treten den Gegenbeweis an und haben genau dafür den sogenannten xG-Wert entwickelt. Mit diesem wird errechnet, ob eine Mannschaft ein Spiel verdient oder unverdient gewonnen hat. Mehrere Faktoren wie zum Beispiel die Anzahl der Torschüsse und die Größe der Chancen werden herangezogen.

Und siehe da: Demzufolge gab es den unverdientesten Sieg der Saison an diesem Wochenende - nämlich beim 1:0 des VfB Stuttgart bei Bayer Leverkusen.

Den Schwaben genügte ein Kopfball von Christian Gentner aufs Tor von Bernd Leno, um die drei Punkte aus der BayArena zu stibitzen, während die Werkself in schöner Regelmäßigkeit an Gäste-Keeper Ron-Robert Zieler und vornehmlich an sich selbst scheiterte.

"Wir waren heute Real Madrid", witzelte VfB-Stürmer Mario Gomez dementsprechend nach der Partie ins Sky-Mikrofon in Anlehnung an die Partie der Bayern gegen die Königlichen drei Tage zuvor, die einen ähnlichen Spielverlauf genommen hatte.

Wenn der VfB ab jetzt Real ist, dann ist Real also ab jetzt auch der VfB. Logisch. Toni Kroos ist demnach Dennis Aogo. Und Cristiano Ronaldo Daniel Ginczek.
Wunderbar. Bayern-Fans, bucht schon mal den Flug nach Kiew.

3. Lehre: Mai! Dorsch! Shabani! Evina! 4:1!

Apropos FC Bayern: Eben dieser gewann unter anderem mit Lars Lukas Mai, Niklas Dorsch, Meritan Shabani und Franck Evina in der Startelf gegen den Pokalfinalisten Eintracht Frankfurt mit 4:1.

Mai, Dorsch, Shabani, Evina, 4:1.

Mai! Dorsch! Shabani! Evina! 4:1!

Wir haben aufgehört mitzuzählen, das wievielte verheerende Zeichen für die Qualität der Bundesliga das ist.

4. Lehre: Der Fußballgott ist sadistisch veranlagt

Deutlich spannender als in München war das, was sich in Freiburg abspielte. Denn der liebe Fußballgott setzte zu einem finalen Tritt in die Kronjuwelen all derer an, die es mit dem 1. FC Köln halten.

Verliert der Effzeh das Spiel mit 0:2, dann wäre das bitter, aber nur bedingt dramatisch gewesen, da der Gang in die 2. Liga eigentlich bereits seit Monaten feststand.

Stattdessen kämpfen sich die Kölner wie schon gegen Schalke zurück, gleichen zum 2:2 aus, hegen Hoffnung, Claudio Pizarro (!) hat sogar die große Chance zum 3:2-Siegtreffer - und ein paar Augenblicke später liegt der Ball im Kölner Kasten.

Lucas Hölers Last-Minute-Treffer - das erste Freiburger Tor seit dem 22. Spieltag, das nicht von Nils Petersen erzielt wurde - setzte im Breisgau gleich tonnenweise Endorphine frei und sorgte für den finalen K.o. der Gäste.

Und da der Fußballgott an diesem Tag so richtig sadistisch veranlagt war, ließ er ein paar Stunden zuvor auch noch Fortuna Düsseldorf aufsteigen.

Ums auf Kölsch zu sagen: Dä Foßball-Herrjott meint et einfach nit joot met Kölle.

5. Lehre: Nur einer profitiert vom Meyer-Theater

Wer es gut mit Max Meyer meint und wer nicht, darüber darf man trefflich streiten – damit schlagen wir zum Schluss die Brücke zum Anfang des Textes und kommen zu einer vollkommen ironiefreien Lehre.

Der Mittelfeldspieler wird den FC Schalke 04 nach dieser Saison verlassen, so viel steht fest. Dass dieser Abschied nun zum Schmierentheater verkommt, ist bedauerlich, schließlich profitierten Klub und Spieler in dieser Saison sehr lange voneinander.

Meyer selbst behauptete nach dem 1:1 des S04 gegen Borussia Mönchengladbach, er hätte spielen können, da er nicht verletzt gewesen sei. Trainer Domenico Tedesco sah das anders. Das Skandälchen war geboren.

Wer nun Recht hat? Eigentlich egal.

Dass ein Spieler aus der eigenen Jugend sich auf diese Art und Weise verabschieden wird, ist fast schon eine Schande.

Und ob Meyers Berater Roger Wittmann seinen Schützling am Ende wirklich bei einem besseren Verein unterbringen wird, ist ungewiss. Aus der Bundesliga soll 1899 Hoffenheim ein Kandidat sein, aber die Kraichgauer dürften deutlich weniger als die 5,5 Millionen Euro Jahresgage, die S04 Meyer angeboten hatte, auf den Tisch legen.

Derzeit scheint es so, als hätten sich Wittmann und Meyer verzockt. Auf Schalke hält sich das Mitleid in Grenzen.

In dieser Geschichte voller Verlierer gibt es eigentlich nur einen kleinen Gewinner: Leon Goretzka. Der klettert bei den S04-Fans im Ranking der unbeliebtesten Fußballer um einen Platz nach oben. Meyer fällt hingegen hinter Goretzka zurück – und liegt nur noch knapp vor Kevin Großkreutz.

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