Der 1. FC Köln ist die große Überraschungsmannschaft der vergangenen Wochen und dürfte am Sonntag auch für den FC Bayern München ein unangenehmer Gegner sein. Wie haben Trainer Markus Gisdol und Sportchef Horst Heldt den "Chaos-Verein" auf Erfolgskurs gebracht - und welchen Anteil haben daran Spieler, die vor einigen Wochen noch kaum jemand kannte?

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Es wäre vermessen, den 1. FC Köln bereits als eine potenzielle Champions-League-Mannschaft zu bezeichnen. Tatsache ist aber: Hätte die Saison erst mit dem Dienstantritt von Markus Gisdol am 19. November begonnen, wäre der 1. FC Köln nun ein Kandidat für die "Königsklasse".

16 Punkte holte die Mannschaft in den neun Spielen. Nur der FC Bayern München, Borussia Dortmund und RB Leipzig sammelten im selbigen Zeitraum noch mehr Zähler an.

Köln hat in den vergangenen Wochen die vielleicht erstaunlichste Entwicklung im deutschen Fußball genommen und dürfte am Sonntag auch für den Tabellenführer aus München eine unangenehme Aufgabe sein.

1. FC Köln: Im November noch der "Chaos-Verein"

Mitte November befand sich der Verein noch am Tiefpunkt, hatte drei Ligaspiele hintereinander verloren, stand auf einem direkten Abstiegsplatz und scheiterte im DFB-Pokal sogar an dem viertklassigen 1. FC Saarbrücken.

Damit nicht genug: Geschäftsführer Armin Veh und der Verein trennten sich. Auch Trainer Achim Beierlorzer wurde nach nur vier Monaten Amtszeit freigestellt. Der 1. FC Köln schien seinem früheren Ruf als "Chaos-Verein" erneut gerecht zu werden.

Beierlorzer-Nachfolger Gisdol brauchte einige Wochen, um der Mannschaft seine Spielidee zu vermitteln. Die ersten drei Spiele unter seiner Leitung kam weiterhin kein Sieg zustande.

Gewisse Anlaufprobleme sind bei ihm nicht ungewöhnlich: Als Markus Gisdol 2016 beim Hamburger SV übernahm, blieb die Mannschaft unter seiner Führung sogar fünf Partien sieglos, ehe der erste Saisonsieg und schlussendlich der Klassenverbleib gelang.

Köln allerdings befindet sich nun auf dem besten Wege, sich komplett aus dem Abstiegskampf zu verabschieden. Fünf der vergangenen sechs Spiele wurden gewonnen.

Obwohl die Mannschaft aufgrund der Spielabsage vom vergangenen Wochenende eine Partie weniger bestritten hat als die Konkurrenz, haben die Kölner sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Erfolgsgeheimnis: Kompakte Abwehr, schnelle Konter

Doch wie hat Markus Gisdol diese erstaunliche Entwicklung eingeleitet? "Wir stehen sehr kompakt", sagt Mittelfeldspieler Dominick Drexler und nennt dabei einen Schlüssel zum Erfolg.

Gisdol ist ein Trainer, der bei all seinen Stationen auf Ballgewinne und Konter setzt. Durch die räumliche Enge in der Abwehr erzwingt die Mannschaft Fehler des Gegners und schaltet nach Ballgewinnen blitzschnell um.

Mehrere Spieler blühen in diesem Spielsystem regelrecht auf. Stürmer John Cordoba hat unter Gisdol sechs Tore geschossen, nachdem er unter Beierlorzer lediglich ein Saisontor erzielt hatte.

In Mark Uth wurde im Winter ein weiterer Offensivspieler leihweise vom FC Schalke 04 verpflichtet, der als etwas weiter hinten agierender Stürmer für Unruhe im gegnerischen Drittel sorgt. Gisdol lobt Uth in der Sport Bild: "Er hat ein unglaublich gutes Gespür, in welchem Raum er sich bewegen kann. Dazu hat er einen super Abschluss."

Beeindruckend: In allen drei Spielen, die der 28-Jährige für Köln bestritt, war er an einem Tor beteiligt.

Horst Heldt: Der Mann für die richtigen Entscheidungen

Insgesamt hat nicht nur Trainer Gisdol, sondern auch Sportchef und Geschäftsführer Horst Heldt gute Arbeit geleistet. Seitdem dieser Mitte November seine Funktion einnahm, stellte er den Verein auf den Kopf und lag gefühlt mit allen Entscheidungen richtig.

Er hat nicht nur Gisdol und Uth verpflichtet, sondern der Mannschaft zum Beispiel auch einen Psychologen zur Seite gestellt, der den Spielern Selbstvertrauen einimpft. Gisdol hatte bereits beim HSV gute Erfahrungen mit dieser Maßnahme gemacht.

Überhaupt scheinen Trainer und Sportchef auf einer Wellenlänge. Dazu zählt auch der Mut zum Risiko. Oder besser gesagt: Der Mut zur Jugend.

Thielmann & Co.: Die Jugend überzeugt

Der 1. FC Köln setzt nämlich nicht nur auf etablierte Bundesligaspieler. Trotz der brisanten Situation, in der sich Köln befand, schenkte Gisdol jungen und unerfahrenen Spielern das Vertrauen.

Der 17-jährige Rechtsaußen Jan Thielmann debütierte unter Gisdol und stand in fünf der vergangenen sechs Spielen in der Startelf. Der 18-jährige Noah Katterbach ist als Linksverteidiger gesetzt. Auch der 20-jährige Flügelspieler Ismail Jakobs ist längst Stammspieler und erzielte in den vergangenen fünf Spielen zwei Tore.

"Ich arbeite gerne mit jungen Leuten zusammen – wenn sie gut sind", sagt Gisdol in der Sport Bild und fügt hinzu: "Unterm Strich muss man die richtige Mischung finden." Es scheint so, als hätte er diese gefunden.

Verwendete Quellen:

  • Sport Bild (02/2020) – Markus Gisdol: "Mir wurde gesagt, Köln sei ein Himmelfahrts-Kommando"
  • Sport Bild (03/2020) – So hat Heldt den Vorgänger Veh bei Köln ausradiert
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