• Nach der Schockdiagnose für Sebastien Haller steht Borussia Dortmund vor einem Problem.
  • Sollte der Mittelstürmer länger ausfallen, steht dem BVB eine Grundsatzentscheidung ins Haus.

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Die Diagnose für Sebastien Haller und seine Familie ist niederschmetternd, auch die Kollegen und Hallers Vorgesetzte bei Borussia Dortmund zeigten sich am Dienstag schwer getroffen von dem Befund, der ihnen ein paar Stunden zuvor mitgeteilt wurde.

"Diese Nachricht war wie ein Schock für Sebastien Haller und für uns alle. Die gesamte BVB-Familie wünscht Sebastien, dass er schnellstmöglich vollständig gesund wird und wir ihn bald wieder in die Arme schließen können", sagte Sportchef Sebastian Kehl.

"Wir sind natürlich alle im Schockzustand", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dem Sportinformationsdienst. "Unsere Gedanken sind bei Sebastien und seiner Familie. Das Wichtigste ist jetzt, dass er wieder gesund wird."

Das ist in der Tat das Wichtigste, der Fußball rückt nach so einem Schock selbstverständlich in den Hintergrund. Aber trotzdem müssen bei der Borussia die Geschäfte auch weitergehen, in ein paar Tagen startet die Mannschaft in die neue Saison. Und unter Umständen wird sich die sportliche Leitung sogar auf ein paar neue Eckpunkte bei der inhaltlichen und personellen Planung für die kommende Spielzeit verständigen müssen.

Viele offene Fragen

Mit dem Ivorer hat sich der BVB zwar keinen echten Nachfolger für den abgewanderten Erling Haaland in den Kader geholt, aber doch einen in gewissen Teilaspekten sehr ähnlichen Spielertypen. Der Plan sah eigentlich vor, das Offensivspiel ein wenig mehr auf Haller und dessen Anschlussqualitäten im Strafraum umzustellen und dessen Begabung, auch mal ein hohes Zuspiel sauber zu verarbeiten, den Ball zu beschützen und dann auf einen nachrückenden Mitspieler weiterzuleiten.

Außerdem sollte das Flügelspiel wohl ein wenig mehr forciert werden, häufiger auch mal eine banale Halbfeldflanke als Stilmittel eingesetzt werden. Auf den Keilstürmer im Zentrum, der sich neulich in einer Medienrunde im Scherz noch Chancen auf den Gewinn der Torjägerkanone gemacht hatte. Jetzt, wo Robert Lewandowski die Liga verlassen hat.

Nun aber hat Haller einen ganz anderen Kampf zu kämpfen und sein Trainer Edin Terzic – je nachdem, wie die endgültige Diagnose bei seinem Angreifer ausfällt – muss vielleicht schon wieder ein wenig umdisponieren.

Für den Saisonstart? Für eine Halbserie? Oder sogar noch länger? Niemand wird diese Fragen seriös beantworten können, selbst nach der Diagnose und einem eventuell notwendigen Therapieplan dürfte der Termin für eine Rückkehr des Spielers offen sein.

Ohne Haller fehlt ein wichtiges Puzzlestück

Terzic fehlt nun ein wichtiges Puzzlestück im Spiel mit dem Ball. Das eigene Pressing und die Gegenpressingmomente sind auch ohne Haller noch sauber mit den anderen Spielern abzustimmen, hier hätte der 28-Jährige keine sehr spezielle Rolle eingenommen. Aber in den Momenten mit dem Ball in den eigenen Reihen – die Kerndisziplin in Dortmunds Spiel – wird es alternative Überlegungen geben müssen.

Sowohl inhaltlich als auch personell muss sich der BVB ohne Haller neu orientieren. Der Kader gibt keinen groß gewachsenen gelernten Zentrumsstürmer mehr her, kurz nach Haaland hatte ja auch Steffen Tigges den Klub verlassen. Dagegen hat Terzic nun mehrere Optionen mit eher kleinen, wuseligen Spielern: Thorgan Hazard, Karim Adeyemi, Donyell Malen oder Youssoufa Moukoko.

Die bringen jeweils ein ganz anderes Spielerprofil mit, Malen ist derzeit noch im Krankenstand, Hazard steht eigentlich zum Verkauf. Adeyemi ist der klassische Flügelspieler oder eine hängende zweite Spitze um einen groß gewachsenen Kollegen herum, der Löcher reißt und in die Tiefe geht. Bälle festmachen, klatschen lassen, im Strafraum Gegner binden, bei hohen Bällen gefährlich werden: Das wären Hallers Aufgaben gewesen. Adeyemi dürfte dafür in der Bundesliga nicht die richtige Option sein.

Moukoko? Noch ein Neuer?

Blieben die beiden wahrscheinlichsten Varianten: Moukoko wird bis auf Weiteres Dortmunds erste Wahl im Sturmzentrum – oder aber der BVB schaut sich noch einmal auf dem Transfermarkt um. Moukoko hat Terzic in den Testspielen schon zweimal von Beginn an als Mittelstürmer aufgeboten, nach der Partie in Verl lobte der Trainer den Angreifer explizit.

"Youssoufa hat sich heute sehr gut bewegt, hat sich mit den beiden Toren belohnt, hatte immer wieder gute Aktionen. Wir messen unsere Stürmer nicht nur daran, wie viele Tore sie erzielen, sondern wie wichtig sie für die Mannschaft sind."

Aber: Moukoko ist immer noch erst 17 Jahre jung, hat noch keine komplette Saison regelmäßig auf Bundesliganiveau gespielt und kommt nach schweren Monaten zuletzt erst wieder in Fahrt. Dass der U-21-Nationalspieler überragende Abschlussqualitäten und ein unglaubliches Talent hat, ist unbestritten. Dass ein Klub wie der BVB mit seinen hohen Ansprüchen nun aber "nur" mit Moukoko zumindest in die ersten Spiele der Saison startet, wäre auch riskant.

Für Terzic und Kehl stellt sich zwingend die Frage nach einer Alternative. Die müsste aber schnell verfügbar sein, sofort helfen können, ins sportliche Konzept passen und dann bei Hallers Rückkehr geräuschlos auch wieder ins zweite Glied rücken. Eine äußerst schwierige Aufgabe. Aber nichts im Vergleich zu dem, was Sebastien Haller unter Umständen bald bewältigen muss.

Verwendete Quellen:

  • sportbuzzer.de: "Das Unwichtigste ist die sportliche Geschichte": Watzke und Terzic reagieren bestürzt auf Haller-Diagnose

Medizincheck ohne urologische Untersuchung: "Ein medizinisches Versäumnis"

Die Diagnose Hoden-Tumor bei BVB-Neuzugang Sebastien Haller so kurz nach dem Medizincheck war ein Schock für Spieler und ganz Borussia Dortmund. Dabei ist die urologische Untersuchung kein Bestandteil von Medizinchecks. Das jedoch, kritisiert der Leiter eines Hamburger Hodentumorzentrums, sei ein "medizinisches Versäumnis".