Der BVB setzt große Hoffnungen in Donyell Malen, der Niederländer findet sich aber aus unterschiedlichen Gründen immer noch nicht zurecht - und kann der Mannschaft deshalb kaum helfen.

Eine Analyse

Die Verletzung von Erling Haaland rückt automatisch auch wieder die Kaderplanung bei Borussia in den Fokus - weil es im Kader keinen Ersatz für den Torjäger gibt. Der BVB und dessen Sportliche Leitung um Michael Zorc wusste vom potenziellen Problem, wollte mögliche Ausfälle des Torjägers aber mit Bordmitteln auffangen - und steht jetzt vor einem Problem.

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Nicht erst die Niederlage in Leipzig machte das deutlich, als der BVB so gut wie keine Tiefe in sein Spiel bekam und in der Offensive bis auf zwei, drei Aktionen nahezu unsichtbar blieb. Das mag zu einem kleinen Teil auch mit der von Marco Reus angesprochenen Grundordnung zu tun haben, der Kapitän beschwerte sich fast schon über die von Trainer Marco Rose gewählte Dreier- beziehungsweise Fünferkette.

Kein Ersatz für Haaland weit und breit

Es lag aber vor allem daran, dass Dortmund gegen einen hoch angreifenden Gegner keinen Spieler hatte, der bei einem Ballgewinn sofort die Tiefe hätte anlaufen können oder im kontrollierten Ballbesitz über das sehr aggressive Leipziger Pressing hinweg auch mal mit einem hohen Ball angespielt werden könnte. Jedes dieser Zuspiele in die Spitze war ein gefundenes Fressen für den Gegner.

Steffen Tigges wäre noch am ehesten ein Spielertyp wie Haaland, ist aber in der Bundesliga noch keine dauerhafte Alternative. Youssoufa Moukoko ist ein überragendes Talent, der Spieler ist aber immer noch erst 16 Jahre alt, war zuletzt verletzt und ist ohne Spielpraxis. Ansgar Knauff und Renier sind ähnlich veranlagt wie Moukoko: klein, wendig, in engen Räumen zu Hause. Aber keine Keilstürmer wie Haaland.

Malen kämpft mit widrigen Umständen

Wie sehr der fehlt, lässt sich auch sehr gut an Donyell Malen dokumentieren. Dessen Job ist es, um Haaland herum für Betrieb zu sorgen - was in einigen Spielen in dieser Saison auch schon ganz passabel funktioniert hat. Ohne den Fixpunkt aber tut sich Malen noch schwerer als ohnehin schon in seinen ersten Monaten in Dortmund.

Nach einer unrunden Vorbereitung, in einem neuen Klub, einer deutlich stärkeren Liga, nach einer Verletzung, zuletzt einer Magen-Darm-Erkrankung und als Teil einer Mannschaft, die sich wegen der vielen Verletzten nicht einspielen oder einen Stamm herauskristallisieren kann, geht Malen derzeit ziemlich unter. Die Bürde als angeblicher Ersatz für den nach Manchester abgewanderten Jadon Sancho wollten sie ihm beim BVB nie auferlegen. Nun soll Malen aber doch irgendwie Sancho ersetzen und Haaland gleich mit dazu. Das kann nicht gut gehen.

Ein großes, emotional aufgeladenes Spiel wie das gegen Leipzig wäre die perfekte Bühne gewesen für ein erstes Aufsehen erregendes Spiel des Niederländers für den BVB, vielleicht sogar für sein erstes Bundesligator. Aber Malen enttäuschte, prallte an Leipzigs Abwehrspielern regelmäßig ab.

Auch nach einem Drittel der Saison kann der Niederländer seiner Mannschaft immer noch nicht wirklich weiterhelfen. Bis zum nächsten Ligaspiel gegen Stuttgart bleibt auch kaum Trainingszeit, um Abläufe einzustudieren und Malen besser einzubinden: Der Spieler weilt seit Montag bei der niederländischen Nationalmannschaft.

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