Die Bundesliga feiert Jubiläum, schlanke 50 Jahre wird der Deutschen liebstes Kind jetzt schon alt. Am 24. August geht es nach einer relativ langen Sommerpause endlich weiter, wenn Doublegewinner Borussia Dortmund die Spielzeit gegen Werder Bremen eröffnen wird.

Auch wenn eine Prognose vor der Saison mitunter müßig erscheint und nicht zuletzt die vergangenen Spielzeiten gezeigt haben, wie viel während einer Saison positiv wie negativ passieren kann, sollen an dieser Stelle die Klubs behandelt werden, die im Kampf um den Jubiläumstitel wohl ein gehöriges Wörtchen mitreden werden.

Allen voran Borussia Dortmund: Der Titelverteidiger macht zwar wieder gehörig auf Understatement, würde sich laut offizieller Verlautbarung auch mit einem Startplatz in der Champions League zufrieden geben. Wenn man national zuletzt aber fast alle Rekorde gebrochen und drei von vier möglichen Titeln geholt hat, zählt man automatisch als Favorit auf die Meisterschaft.

Der Weggang von Shinji Kagawa schmerzt, allerdings ist mit Marco Reus auch ein überragender Spieler dazugekommen. Der BVB muss nicht viel umstellen, weder personell noch an der Spielausrichtung. Auch wenn sich Trainer Jürgen Klopp in der Vorbereitung über die zu laxe Defensivarbeit geärgert hat, sollte Dortmund diese Probleme relativ schnell auch wieder in den Griff bekommen.

Die meisten Experten rechnen mit einem Zweikampf zwischen dem BVB und den Bayern. Diese haben für den Kader vergleichsweise viel eingekauft und dazu noch Christian Nerlinger durch Matthias Sammer ersetzt. Er soll den Bayern das offenbar verloren gegangene Siegergen wieder einpflanzen.

Dem Rekordmeister stellt sich aber eine Situation dar, die er fast gar nicht mehr kennt: Nach fünf Niederlagen gegen Dortmund in Folge und zwei Jahren ohne Titel wird der FCB nicht mehr automatisch als unangefochtener Titelkandidat Nummer Eins gesehen - auch wenn die Bayern natürlich immer noch genannt werden.

Trainer Jupp Heynckes will seiner Mannschaft einen offensiveren Verteidigungsstil beibringen, in der Offensive soll der Ballbesitzfußball schneller und zielgerichteter werden. Man orientiert sich da durchaus ein wenig am angeblich größten Kontrahenten BVB. Die Bayern haben einiges gutzumachen, der Großangriff wird nicht lange auf sich warten lassen.

Besonders in der Offensive sind die Münchener mit den Zukäufen von Mario Mandzukic und Claudio Pizarro breiter aufgestellt, der Schweizer Xherdan Shaqiri hat wie Mandzukic schon angedeutet, dass er den Unterschied ausmachen kann, der den Bayern zuletzt immer mal wieder gefehlt hat.

In der abgelaufenen Saison haben sich Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach um die Champions-League-Plätze gestritten, mit dem besseren Ende für Königsblau, das nicht den beschwerlichen Weg durch die Qualifikation gehen muss. Beide Mannschaften dürften auch in der kommenden Spielzeit wieder vorne mitmischen - wenngleich beide ihren Star verloren haben.

Schalke geht nach zwei Jahren erstmals wieder ohne Raul in die Saison. Immerhin wird Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar wohl bleiben. Das Fundament hat Trainer Huub Stevens zusammen, die sanften Wogen mit Kapitän Benedikt Höwedes sind auch längst wieder geglättet. Schalke hat in der Breite aber nicht die Qualität im Kader wie die Bayern oder der BVB, insofern dürfen einige Leistungsträger auch nicht längerfristig ausfallen.

In Gladbach haben sie nach der besten Saison seit Jahrzehnten die Reus-Millionen in die Hand genommen und auf dem Transfermarkt zugeschlagen wie kein anderer Klub der Liga. Die Forderungen von Trainer Lucien Favre wurden erfüllt, der Schweizer will jetzt das Offensivspiel noch schneller machen. Auch wenn ihm in Reus eine zentrale Figur für das überfallartige Konterspiel fehlt. Spannend wird überdies sein, wie die Borussia das neue Gefühl der Doppelbelastung wegsteckt und die Tatsache, dass Mönchengladbach spätestens jetzt von keinem Gegner mehr unterschätzt werden wird.

Hinter den großen Vier tummeln sich einige Klubs mit geringen Aussichten auf den Titel. Am ehesten traut man noch dem VfL Wolfsburg eine große Überraschung zu. Felix Magath hat seinen Kader - mal wieder - nicht nur in der Breite, sondern auch qualitativ verstärkt. Die Wölfe können, wenn alles optimal läuft, ein Kandidat für die Champions-League-Plätze werden. Mit den schweren Verletzungen von Patrick Helmes und Vaclav Pilar hat die erste Euphorie einen Dämpfer erhalten. Trotzdem stehen neue Spieler wie Naldo, Diego, Bas Dost oder Ivica Olic für enorm hohe Qualität.

Dorthin will auch Bayer Leverkusen. Die schlechte letzte Saison hängt dem Werksklub aber noch ein wenig nach, das Trainerduo Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski hat zwar noch den Sprung in die Europa League geschafft, mehr als vielleicht eine Teilnahme an der Champions League traut Bayer aber kaum jemand zu.