• Erstmals seit 1991 wird kein Rennen der Formel 1 auf RTL und somit live im deutschen Free-TV zu sehen sein.
  • Dies schmerzt nicht nur viele Fans.
  • Kommentator Heiko Waßer vergreift sich in einer Mischung aus Wut und Trauer im Ton.
  • Ralf Schumacher, Experte und Co-Kommentator beim übertragenden Pay-TV-Sender Sky, findet das "peinlich".

Mehr News zur Formel 1

Nach mehr als 30 Jahren fährt die Formel 1 nicht mehr auf RTL. Der Kölner Privatsender hatte die Übertragungsrechte für die Rennen der bedeutendsten Motorsport-Serie der Welt nach der Saison 2020 an den Abonnements-Sender Sky verloren, durfte 2021 und 2022 aufgrund erworbener Sublizenzen jedoch noch jeweils vier Grand Prix zeigen. Für die Saison 2023 existiert keine solche Vereinbarung. RTL sei laut Medienberichten nicht bereit gewesen, die geforderten zehn Millionen Euro für den Erwerb der Übertragungsrechte an vier Rennen zu bezahlen.

Heiko Wasser und Michael Schumacher am 23. Juli 2004 in Hockenheim
RTL-Kommentator Heiko Wasser (li.) und Ferraris Weltmeister Michael Schumacher vor dem ersten freien Training am 23. Juli 2004 in Hockenheim. © REUTERS/Kai Pfaffenbach

Wer also kein Abo bei Sky abschließt, schaut in die berühmte Röhre. "Formel 1 auf Sky schauen ist so, wie einer großen Liebe beim Sex mit ihrem Neuen zugucken zu müssen. Und dann ist der auch noch richtig schlecht im Bett", kommentierte Heiko Waßer in der "Sport Bild" diese Situation. Waßer saß ab 1993 für RTL am Mikrofon, um die Rennen der Formel 1 zu kommentieren. Er ist - ähnlich wie der bis 2021 in der Boxengasse platzierte Kai Ebel - eine Institution der Szene.

So tief der Stachel bei Waßer und RTL aber auch sitzen mag: Der krasse Vergleich des 65-Jährigen blieb nicht unwidersprochen.

Ralf Schumacher: "Lieber Heiko, das ist einfach nur peinlich"

Ralf Schumacher, einst selbst für RTL im Einsatz und seit 2019 Experte und Co-Kommentator bei Sky, schrieb auf Instagram: "Lieber Heiko, bei solchen Kommentaren kann man nur von bedauernswert sprechen! Wusste nicht, dass du dich so steigern kannst. Einfach nur peinlich."

Anschließend ruderte Waßer ein wenig zurück. "Natürlich war es nicht so diplomatisch", sagte er gegenüber seinem Arbeitgeber RTL. "Wer mich kennt und weiß, was mir die Formel 1 bedeutet, wird vielleicht verstehen, dass es wirklich wehtut." Sein Spruch sei "aus der Emotionalität und auch aus Trauer" heraus gekommen, aber "vielleicht ein bisschen flapsig formuliert." Und: "Ralf hat meine Telefonnummer und darf mich jederzeit anrufen."

Galerie: Die Formel-1-Autos 2023

Waßer will seine Kritik ausdrücklich nicht gegen seinen langjährigen Bekannten Ralf Schumacher gerichtet wissen, sondern gegen "das komplette Konstrukt Sky Formel 1." Waßer sorge sich um die Zukunft der Formel 1 in Deutschland. "Ich befürchte, dass die Formel 1 in drei Jahren in Deutschland tot sein wird."

Bernie Ecclestone erklärt die Formel 1 in Deutschland für erledigt

Die Ansicht des Berichterstatters wird von höchster Stelle geteilt. Der langjährige Boss der Formel 1, Bernie Ecclstone, formulierte es gegenüber der Deutschen Presse-Agentur vor dem ersten Saisonrennen in Bahrain noch deutlicher: "Ich frage mich: Was ist mit Deutschland los? Das Land hatte so viele Weltmeister. Die Öffentlichkeit scheint aber das Interesse an der Formel 1 verloren zu haben. Deutschland hat seine Bedeutung als Formel-1-Land verloren" - und RTL seine Bedeutung als ein Träger des einstigen Booms.

Ralf Schumacher interviewt 2010 in Yeongam seinen Bruder Michael Schumacher
Am 21. Oktober 2010 interviewt der damalige DTM-Pilot Ralf Schumacher (li.) im südkoreanischen Yeongam seinen Bruder Michael Schumacher, der damals für Mercedes in die Formel 1 zurückgekehrt ist. © picture-alliance / HOCH ZWEI

Den startete Anfang der 1990er-Jahre Ralf Schumachers Bruder Michael, mit sieben WM-Titeln der erfolgreichste deutsche Fahrer in der Formel 1. Mit dem Abschied des Schumacher-Erben und -Kumpels, Sebastian Vettel, gilt dieser Hype vor der Saison 2023 als beendet. Aus Deutschland gibt es im Fahrerfeld nur noch Nico Hülkenberg. Der Routinier ersetzt im Team Haas Michael Schumachers Sohn und Ralf Schumachers Neffen Mick Schumacher. Der hofft nach zwei Saisons bei Haas, im Laufe der Saison als Ersatzfahrer bei Mercedes oder McLaren zum Zug und dem einen oder anderen Einsatz zu kommen.

Mick Schumacher ist als Ersatzfahrer in der Saison 2023 Teil des Mercedes-Teams
Mick Schumacher, hier am 23. Februar 2023 während Formel-1-Tests in Bahrain, ist als Ersatzfahrer in der Saison 2023 Teil des Mercedes-Teams. © Xavi Bonilla / DPPI / LiveMedia / NurPhoto / Reuters

Galerie: Alle Weltmeister der Formel 1

Zwischen 2025 und 2027 müsste in Deutschland nur ein Rennen frei empfangbar sein

Und RTL hofft, 2028 wieder als Formel-1-Sender auf der Bildfläche zu erscheinen. Einschließlich 2024 gilt die aktuelle Regelung, Sky vier Grand Prix als Free-TV-Verwerter abkaufen zu können. Zwischen 2025 und 2027 müsste laut Vertrag nur noch ein Rennen in Deutschland im Fernsehen frei empfangbar sein.

Verwendete Quellen:

  • bild.de: Formel-1-Krach zwischen Ralf Schumacher und RTL!
  • bild.de: RTL-Kommentator legt im Formel-1-Zoff nach
  • rtl.de: Zoff wegen Sex-Spruch: JETZT erklärt sich Formel 1-Urgestein Heiko Waßer
JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.