Die Botschaft der Runde bei "Maybrit Illner" fällt am Donnerstag eindeutig aus: Deutschland ist in der Coronakrise noch nicht über den Berg – die Bevölkerung muss durchhalten und mitmachen. Und das heißt vor allem: Maske tragen.

Fabian Busch
Eine Kritik
von Fabian Busch

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Maybrit Illner widmet sich mit ihren Gästen am Donnerstagabend den Ergebnissen des Bund-Länder-Gipfels zur Corona-Bekämpfung.

Es gibt da durchaus einiges zu sortieren und zu erklären: Vor wenigen Wochen hatte die Politik noch die Devise "testen, testen, testen" ausgegeben – im ganzen Bundesgebiet wurden Reiserückkehrer kostenlos auf das Coronavirus getestet.

Nun soll das nur noch für Menschen gelten, die aus Risikogebieten kommen. Da fällt es dem einen oder anderen Bürger schwer, nachzuvollziehen, was die Politik jetzt eigentlich will.

Maybrit Illner: Wer sind die Gäste?

Manuela Schwesig: Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern (SPD) befürwortet die Entscheidung, Reiserückkehrer nicht mehr flächendeckend zu testen. Dass ihr bayerischer Amtskollege da vor einigen Wochen in eine ganz andere Richtung geprescht war, habe sie noch nie verstanden. "Heute stellt sich heraus, dass das gezielte Testen richtig ist, weil man mit den Ressourcen verantwortungsvoll umgehen muss."

Helge Braun: Der Kanzleramtsminister verteidigt die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz. Dass sich die Runde nicht in allen Fragen auf bundeseinheitliche Regeln einigen konnte, sieht er nicht als großes Problem: "Unterschiedlichkeit ist immer in Ordnung, wenn sie auf unterschiedlichen Infektionszahlen fußt", sagt der CDU-Politiker.

Melanie Brinkmann: Die Virologin an der Technischen Universität Braunschweig glaubt, dass eine zweiwöchige Quarantäne in vielen Fällen gar nicht nötig wäre, weil viele Infizierte schon nach sieben Tagen nicht mehr infektiös sind. Ein Gesetz sei das aber nicht. "Ich kann nicht das komplette Risiko auf Null fahren."

Alena Buyx: Die Professorin für Medizinethik und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats verteidigt das Tragen von Alltagsmasken. Im Gegensatz zu Maskenkritikern sieht sie darin keinen Eingriff in die persönliche Freiheit – im Gegenteil: "Wir haben mehr Freiheit, wenn wir die Maske haben, weil wir dann noch mehr Dinge tun können."

Michael Müller: Der Vorsitzende des Berufsverbands der Akkreditierten Labore in der Medizin freut sich über die neue Teststrategie. Die Kapazitäten der deutschen Labore sei seit März verzwölffacht worden: auf 1,2 Millionen Testabstriche, die dort pro Woche ausgewertet werden. Man habe daher die Kapazitätsgrenze erreicht. "Wir waren selbst auch überrascht, dass über die Reiserückkehrer so viele zu testen waren."

Nicole Grünewald: Die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Köln weist auf die schwierige Lage der Wirtschaft hin, vor allem von Veranstaltungs-, Messe- und Kreativbetrieben. "Wir füttern diese Branchen gerade mit Soforthilfen und Krediten, aber auch das wird sich nicht endlos so weiterführen lassen."

Talk-Runde am Tisch (v.l.): Helge Braun, Maybrit Illner, Melanie Brinkmann und Alena Buyx. Im Hintergrund zugeschaltet: Manuela Schwesig (l.) und Nicole Grünewald.

Was ist der Moment des Abends?

Spannend dürfte es für die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer werden, als das Gespräch um die Frage kreist, die viele Menschen beschäftigt: Muss Deutschland befürchten, dass es einen zweiten Lockdown gibt?

Illner hatte diese Frage auch schon vor einer Woche gestellt. Da hatte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gesagt, mit dem heutigen Wissen über das Virus hätte es einen Lockdown wie im März und April wahrscheinlich gar nicht gegeben. Das sollte heißen: So drastische Maßnahmen wird es wohl kein zweites Mal geben.

Wer gehofft hatte, dass auch der Kanzleramtsminister sich an diesem Abend dieser Einschätzung anschließt, wird enttäuscht: "Das haben wir in gewisser Weise gar nicht in der Hand", sagt Braun. Er verweist auf Spanien, wo die Infektionszahlen nach der ersten Welle mit vielen Corona-Toten und harten Lockdown-Maßnahmen jetzt schon wieder stark gestiegen sind.

Ein bisschen optimistischer klingt da schon Brinkmann: Der erste Lockdown sei wichtig gewesen, um Zeit zu gewinnen, Intensivkapazitäten und die Produktion von Schutzausrüstung auszubauen. "Meine große Hoffnung ist, dass wir das nicht noch einmal brauchen." Es gebe mehrere technische Ansätze, die Infektionszahlen gering zu halten – etwa über Innovationen in der Raumlufttechnik. "Da muss jetzt viel passieren."

Was ist das Ergebnis?

Die Sendung soll offenbar eher zur Aufklärung statt zur Diskussion dienen. Ein Rede-Duell gibt es nicht – die Gäste sind sich in vielem einig. So muss die Moderatorin selbst die Rolle übernehmen, ihre Gäste mit gegensätzlichen Meinungen zu konfrontieren. Zum Beispiel hält sie Braun eine Äußerung der Bundeskanzlerin vor, die vor einem "Corona-Desaster" gewarnt habe. "Machen Sie Angst? Übertreiben Sie?", fragt Illner.

Es hätte der Sendung wohl mehr Spannung verliehen, wenn auch eine Kritikerin oder ein Kritiker der aktuellen Politik der Großen Koalition eingeladen gewesen wäre. Es hätte ja nicht gleich ein Corona-Leugner sein müssen. So aber bleibt die gesamte politische Opposition mal wieder unsichtbar.

Es ist keine Sendung des Streits, sondern der Appelle. Kurz zusammengefasst könnte die Botschaft der Runde heißen: Auf die Bürgerinnen und Bürger kommt es an – also reißt euch noch ein bisschen zusammen. "Besser ein bisschen Verzicht, als wenn wir wieder alle auf alles verzichten müssen", sagt Schwesig.

Virologin Brinkmann hofft zwar auf eine schnelle Entwicklung sogenannter Antigentests, die im Idealfall schon in Minuten ein Ergebnis erbringen sollen. Noch werde daran aber gearbeitet. "Die Masken sind immer noch das Einfachste, was wir gerade machen können", so Brinkmann.

Diese Appelle sind zweifellos wichtig. Doch wer die Gefahr durch das Coronavirus nicht ernst nimmt, wird sich davon wohl kaum überzeugen lassen. Die entscheidende Frage muss daher lauten, wie die Politik in der Bevölkerung wieder für mehr Verständnis für Infektionsschutzmaßnahmen sorgen kann. Antworten dazu liefert die Runde leider kaum.

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