• Kim Jong Un hat US-Präsident Joe Biden in einer Rede vorgeworfen, wie seine Vorgänger eine "feindselige Politik" gegenüber Nordkorea zu verfolgen.
  • Er nannte auch die Erklärungen der USA zu ihrer Dialogbereitschaft einen "billigen Trick".
  • Zugleich erklärte Kim Jong Un, dass er die Kommunikationskanäle mit Südkorea ab Anfang Oktober wieder freischalten will.

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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat ein Gesprächsangebot der USA scharf zurückgewiesen. Die Erklärungen der USA zu ihrer Dialogbereitschaft seien ein "billiger Trick", sagte er am Donnerstag laut Staatsmedien. US-Präsident Joe Biden verfolge wie schon seine Vorgänger eine "feindselige Politik" gegenüber Nordkorea.

Die Äußerungen erfolgten zwei Tage nach einem mutmaßlichen Hyperschall-Raketentest Nordkoreas. Der UN-Sicherheitsrat kommt nun zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Auch nach Bidens Amtsübernahme habe sich nichts an der "militärischen Bedrohung" Nordkoreas durch die USA sowie deren "feindseliger Politik" gegenüber Pjöngjang geändert, sagte Kim Jong Un laut Staatszeitung "Rodong Sinmun" in einer Rede vor den Mitgliedern der Obersten Volksversammlung. Der Nachrichtenagentur KCNA zufolge warf er den USA die "Täuschung" der internationalen Gemeinschaft vor.

Pjöngjang testet Hyperschall-Rakete vom Typ Hwasong-8

Seit Beginn von Bidens Präsidentschaft hat die Regierung in Washington immer wieder ihre Gesprächsbereitschaft gegenüber Pjöngjang hervorgehoben. Um ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms zu erreichen, sei Washington jederzeit bereit, Vertreter Pjöngjangs überall und ohne Vorbedingungen zu treffen, betonten US-Regierungsvertreter. Nordkorea wiederum zeigte keinerlei Bereitschaft, sein Waffenarsenal aufzugeben.

Am Dienstag testete Pjöngjang nach eigenen Angaben eine Hyperschall-Rakete vom Typ Hwasong-8. Staatsmedien feierten den Raketentest als Schritt von "großer strategischer Bedeutung". Mit Hyperschall werden Geschwindigkeiten oberhalb der fünffachen Schallgeschwindigkeit bezeichnet, also rund 6.180 Kilometer pro Stunde. Solche Raketen sind extrem flexibel, was ihre Zerstörung durch Raketenabwehrsysteme stark erschwert.

Angesichts der Lage kommt der UN-Sicherheitsrat an diesem Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen erfuhr. Beantragt worden war das Treffen demnach von den USA, Großbritannien und Frankreich. Es soll hinter verschlossenen Türen stattfinden.

US-Außenministerium bekräftigt Gesprächsbereitschaft mit Nordkorea

Die USA und andere westliche Staaten, darunter Deutschland, hatten den mutmaßlichen Hyperschall-Raketentest vom Dienstag scharf verurteilt. Als Reaktion auf Kims Rede bekräftigte das US-Außenministerium jedoch seine Gesprächsbereitschaft gegenüber Pjöngjang. Die USA hegten keine feindseligen Absichten mit Blick auf Nordkorea, betonte ein Sprecher.

Das international weitgehend isolierte Land steht wegen seines Atom- und Raketenprogramms unter strikten US- und UN-Sanktionen. Politische Entwicklungen aus Nordkorea dringen nur teilweise nach außen. Wie am Donnerstag bekannt wurde, stieg in der nordkoreanischen Hierarchie Kim Jong Uns einflussreiche Schwester Kim Yo Jong weiter auf. Die Top-Beraterin des Machthabers wurde zu einem Mitglied der Kommission für Staatsangelegenheiten berufen - dem höchsten Regierungsorgan Nordkoreas, wie KCNA berichtete.

Die genaue politische Rolle Kim Yo Jongs in der nordkoreanischen Führungsriege ist indes unklar. Mehrfach begleitete sie ihren Bruder bei ranghohen diplomatischen Treffen. In den Staatsmedien wurde sie in der Vergangenheit mit scharfen Attacken auf die USA und Südkorea zitiert.

Nord- und Südkorea befinden sich offiziell noch immer im Kriegszustand

In den vergangenen Tagen hatte Südkoreas Präsident Moon Jae-in seine Forderung erneuert, den Kriegszustand aufzuheben. Nach dem Korea-Krieg von 1950 bis 1953 war lediglich ein Waffenstillstand geschlossen worden, sodass sich die beiden Staaten offiziell noch immer im Kriegszustand befinden. Die Friedensgespräche waren nach dem gescheiterten Gipfeltreffen Kim Jong Uns mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump in Hanoi 2019 weitgehend zum Erliegen gekommen.

Kim erwiderte nun, Südkorea befinde sich "in der Leibeigenschaft der USA". Er warf dem Nachbarland vor, sich "sklavisch" zu seinem Verbündeten zu verhalten und für den Stillstand in den innerkoreanischen Beziehungen verantwortlich zu sein. Der südkoreanischen Regierung warf er vor, eine Konfrontationshaltung einzunehmen. Das müsse sich ändern. Eine offizielle Erklärung über ein Ende des Kriegs könne es nur bei "wechselseitigem Respekt" geben. Zugleich zeigte der Machthaber sich bereit, die Kommunikationskanäle mit Südkorea ab Anfang Oktober wieder freizuschalten.

Beide Staaten hatten die Kommunikationskanäle zwischen den Regierungen und den Militärs bereits Ende Juli wieder geöffnet, nachdem sie Nordkorea im vergangenen Jahr aufgrund neuer Spannungen einseitig gekappt hatte. Doch nach nur zwei Wochen hatte Nordkorea die Verbindung aus Protest gegen gemeinsame Militärübungen Südkoreas und der USA wieder eingestellt.

In Südkorea sind rund 28.500 US-Soldaten stationiert, um das Land gegen die Bedrohung aus dem Norden zu schützen. Auch Seoul investiert Milliarden in die Waffenentwicklung. Beobachter befürchten ein Rüstungswettrennen auf der koreanischen Halbinsel, das auch Auswirkungen auf die breitere Region in Ostasien haben könnte. (ff/afp/dpa)

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