Innenminister Horst Seehofer versucht, den wackelnden Flüchtlingspakt mit der Türkei zu retten. Bei diesem Thema ist Europa auf das Land angewiesen - und Seehofer hat Drohungen Erdogans im Ohr. Derweil warnt CDU-Abgeordneter Philipp Amthor vor einem "diplomatischen Würgegriff" der Türkei.

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Der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor (CDU) hat vor einem "diplomatischen Würgegriff" der Türkei bei der Flüchtlingshilfe gewarnt. Er stimme der türkischen Forderung nach mehr finanzieller Beteiligung der EU zwar zu, doch darüber müsse "auf Augenhöhe" verhandelt werden, sagte Amthor am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". Der Politiker unterstützte den Kurs von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), am Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei festzuhalten.

Der Innenminister hatte der Türkei weitere Hilfen zur Versorgung der Flüchtlinge in Aussicht gestellt. Zusammen mit EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos beriet er sich am Donnerstagabend mit seinem türkischen Kollegen Süleyman Soylu - unter anderem zu "Sicherheitsfragen", wie er während kurzer Stellungnahmen vor Beginn der Gespräche ankündigte.

Die Delegation sei in die Türkei gereist, "um das Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei zu stärken", sagte Seehofer. Wo immer wir unseren Beitrag leisten können, und das werden wir anschließend besprechen, sind wir dazu bereit." Ein Land allein könne die Probleme nicht bewältigen.

Flüchtlingspakt: Türkei habe Europa großen Dienst erwiesen

Im offenbaren Bemühen, die jüngsten Spannungen zu glätten, dankte er der türkischen Regierung ausdrücklich für ihre Rolle bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise. "Ohne Eure Solidarität wäre das Migrationsproblem in unserer Region so nicht bewältigt worden." Die Türkei habe ganz Europa einen großen Dienst erwiesen.

Erdogan hatte zuletzt mehrfach deutlich gemacht, dass versprochene EU-Hilfen nicht zufriedenstellend flössen und dass mehr Unterstützung nötig sei. Andernfalls könnte man den Flüchtlingen die Türen Richtung Eurpa öffnen, hatte er gedroht.

In EU-Ländern wiederum wachsen die Sorgen, weil in Griechenland in den vergangenen Monaten deutlich mehr Flüchtlinge aus der Türkei eingetroffen sind. Außerdem werfen Menschenrechtsaktivisten der Türkei vor, syrische Flüchtlinge in Kriegsgebiete abzuschieben. Die Türkei weist das zurück.

Horst Seehofer reist weiter nach Griechenland

Seehofer hatte nur wenige Stunden in Ankara. Er war am Donnerstagabend nach 17 Uhr Ortszeit angekommen und will Freitagmittag, nach einem Termin mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu, nach Griechenland weiterreisen.

In Athen wird es bei einem Treffen mit dem Bürgerschutz- sowie dem Migrationsminister um die wachsende Zahl der Flüchtlingsankünfte in der Ägäis und die schlechte Situation in den Lagern auf den Inseln gehen. Auch EU-Migrationskommissar Avramopoulos wird an den Gesprächen wieder teilnehmen.

Der französische Innenminister Christophe Castaner hatte die Reise wegen einer Notlage in Frankreich am Donnerstag zunächst verschoben. Eine Pressekonferenz in Athen wurde für Freitag ohne ihn angekündigt.

Unmenschliche Zustände in Lagern

Die Flüchtlingszahlen in der östlichen Ägäis sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Im laufenden Jahr setzten bisher fast 36.000 Menschen von der Türkei zu den griechischen Inseln über - mehr als im gesamten vergangenen Jahr (rund 32.500). Die Auffanglager auf Lesbos, Samos und anderen östlichen Inseln sind heillos überfüllt, die Zustände unmenschlich, wie Hilfsorganisationen melden.

Griechenland hofft unter anderem auf deutsche Hilfe hinsichtlich der rund 4.000 unbegleiteten Kinder, die sich im Land aufhalten. Ein Bündnis aus Hilfsorganisationen wie Pro Asyl, Terre des Hommes, dem Deutschen Kinderhilfswerk und anderen hatte am Donnerstag bereits von der Bundesregierung gefordert, bei der Aufnahme von Flüchtlingskindern zu helfen. "Bevor es Winter wird, muss gehandelt werden", hieß es in dem Schreiben. (dpa/mcf/ank)

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