Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist am Mittwoch zu seinem ersten Staatsbesuch in Deutschland eingetroffen. Die Visite erhitzt seit Wochen die Gemüter: Neben der Hoffnung, die deutsch-türkischen Beziehungen zu normalisieren, gibt es auch Wut.

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Erdogan wird am Donnerstag mit höchsten protokollarischen Ehren in Deutschland empfangen. Damit folgt er einer Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Neben Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel und Top-Leuten der deutschen Wirtschaft wird er bei einem Staatsbankett in illustrer Gesellschaft speisen.

Gegner kritisieren, dass Deutschland den "Despoten" Erdogan damit wie einen Ehrenmann hofieren würde. Seit Wochen machen sie gegen den geplanten Staatsbesuch mobil. Sowohl in Berlin wie Köln wird Erdogan der Protest von Tausenden Demonstranten entgegenschlagen.

Die Polizei bereitet sich mit einem Großaufgebot auf den Staatsbesuch vor und hat massive Sicherheitsvorkehrungen geplant.

Die Programmpunkte des umstrittenen Erdogan-Besuchs im Überblick:

Donnerstag, 27. September

ca. 12:30 Uhr: Landung Erdogans auf dem militärischen Teil des Berliner Flughafens Tegel.

ca. 13:00 Uhr: Ankunft im Hotel Adlon am Pariser Platz, wo Erdogan während seines dreitägigen Staatsbesuchs unterkommen wird.

Nachmittags: Im Hotel Adlon sind mehrere Gesprächstermine mit Vertretern türkischer Organisationen angesetzt.

Freitag, 28. September

9:30 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt Präsident Erdogan im Schloss Bellevue. Nach dem Eintrag ins Gästebuch wird der türkische Staatspräsident mit militärischen Ehren begrüßt.

Im Anschluss ist ein Gespräch der beiden Staatsoberhäupter geplant. Steinmeier werde sich bei seinen Gesprächen mit Erdogan für mehr Rechtsstaatlichkeit in der Türkei einsetzen, hieß es im Vorfeld aus dem Präsidialamt. Man mache sich aber "keinerlei Illusionen", was die Normalisierung der angespannten Beziehungen angehe.

11:30 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel begrüßt Präsident Erdogan im Bundeskanzleramt. Zunächst wird es ein gemeinsames Mittagessen geben, danach ist eine Kranzniederlegung an der Neuen Wache geplant.

Nachmittags: Merkel und Erdogan geben eine gemeinsame Pressekonferenz, an der unter anderem der im Exil lebende türkische Journalist Can Dündar teilnehmen wird. Der frühere Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet" will den türkischen Präsidenten mit Fragen zu inhaftierten Kollegen in der Türkei konfrontieren.

16:00 Uhr: Erdogan trifft sich mit mehreren führenden deutschen Wirtschaftsvertretern im Hotel Adlon. Namen wurden nicht genannt. Der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland das wichtigste Thema des Besuches. Das Land steckt nach einem Zerwürfnis mit den USA in einer schweren Währungskrise.

Zeitgleich erwartet das Bündnis ErdoganNotWelcome rund 10.000 Teilnehmer zur Großdemonstration. Nach der Auftaktkundgebung am Potsdamer Platz marschiert der Demozug weiter über die Kurfürstenstraße zum Schloss Bellevue. Der Protest richtet sich laut den Veranstaltern gegen den "Krieg in Kurdistan", die "Abschaffung der Demokratie" und die Unterdrückung von Minderheiten.

Es handelt sich um die größte Demonstration gegen Erdogans Politik im Rahmen des Staatsbesuchs. Mehrere kleinere Proteste sind sowohl für Freitag als auch Samstag angekündigt.

"Kurdistan" bezeichnet eine nicht genau begrenzte Region im Nahen Osten. Die Kurden sind weltweit das größte Volk ohne einen eigenen Staat. Der Großteil lebt in der Türkei, dem Irak, dem Iran und in Syrien.

19:30 Uhr: Bundespräsident Steinmeier empfängt Erdogan und mehr als 100 weitere Gäste zum Staatsbankett im Schloss Bellevue. Mehrere Politiker der Opposition haben ihre Teilnahme aus Protest gegen die Politik des türkischen Staatspräsidenten abgesagt. Auch Merkel wird nicht daran teilnehmen. Die Kanzlerin stehe keineswegs regelmäßig auf der Gästeliste für ein Staatsbankett zu Ehren ausländischer Besucher, hieß es dazu.

Samstag, 29. September

9:30 Uhr: Angela Merkel trifft Erdogan zum Frühstück im Bundeskanzleramt.

ca. 13:00 Uhr: Ankunft Erdogans in Köln.

ca. 14:00 Uhr: Bei der Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld wird Erdogan eine 15- bis 20-minütige Rede halten. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet werden nicht daran teilnehmen.

Nach seiner Rede wird Erdogan die Moschee besichtigen, bevor er sich auf den Rückweg in die Türkei macht. (jwo/dpa)

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