Es ist ein Ablauf, nach dem man die Uhr stellen kann: Kaum wird es heiß, folgen Gewitter. Wenn Sie von einem Unwetter überrascht werden, ist meist schnelles Handeln gefordert. Wir sagen Ihnen, wie Sie sich richtig verhalten.

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Die Sonne brennt noch am Himmel, doch am Horizont türmen sich bereits dunkle Wolken auf. Ein Gewitter ist im Anmarsch. Diese Situation sollte nicht unterschätzt werden, denn wer von Blitz, Donner, Starkregen und Hagel überrascht wird, muss schnell handeln. Denn sonst wird es lebensgefährlich. Das sollten Sie beachten.

Gewitter auf freiem Feld

Auch wenn der Volksmund rät "Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen" – sich während eines Gewitters unter einem Baum aufzuhalten, ist lebensgefährlich. Der höchst Punkt der Umgebung hat das höchste Risiko von einem Blitz getroffen zu werden. Das gilt auf freiem Feld auch für einen Regenschirm, da dieser aufgespannt über den Kopf hinausragt und damit den Abstand zum Erdboden vergrößert.

Konkret bedeutet das auch: Meiden Sie alles Hohe, also einzelne Bäume oder Baumgruppen, den Waldrand, Bergspitzen, Deiche und Masten. Auch von Zäunen sollten Sie sich fernhalten. Zu Strom-Überlandleitungen sollte man idealerweise einen Abstand von 50 Metern einhalten.

So verhalten Sie sich bei Gewitter auf freiem Feld richtig

  • Klappen Sie den Regenschirm zusammen und suchen Sie sich eine Bodenmulde.
  • Gehen Sie in die Hocke und halten Sie die Füße geschlossen.
  • Legen Sie die Arme um die Knie und legen sie dann den Kopf darauf. Damit mach Sie sich so klein wie möglich.
  • Halten Sie am besten drei Meter Abstand zu anderen Menschen oder beispielsweise ihrem Hund. Das ist wichtig, um mögliche sogenannte Überschläge eines Blitzes zu vermeiden.
  • Warten Sie das Gewitter ab. Doch Vorsicht: Die Gefahr ist erst vorbei, wenn Sie eine halbe Stunde lang keinen Donner mehr wahrgenommen haben.

Gewitter im Gebirge und im Wald

Wander- und Gebirgstouren erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Doch das Wetter in höheren Lagen kann schnell tückisch werden – plötzlich aufziehende Unwetter sind keine Seltenheit und können selbst erfahrene Wanderer überraschen.

Wer im Wald oder im Gebirge in ein Gewitter gerät, sollte sich laut Deutschem Alpenverein (DAV) sofort nach einem passenden Unterschlupf umsehen: Wiesenmulden oder ein dichter Wald sind laut dem Verein empfehlenswert. Waldränder, Nischen in und unter frei stehenden Felsblöcken sowie frei stehende Bäume, sollten Wanderer dagegen unbedingt meiden. Gleiches gilt für den Hochsitz eines Jägers – sie sind sogar besonders gefährdet.

So verhalten Sie sich bei Gewitter im Gebirge und im Wald richtig

  • Suchen Sie eine Wiesenmulde oder gehen sie tiefer in den Wald.
  • Im Wald suchen Sie am besten einen Bereich mit zum Beispiel jüngeren Bäumen inmitten älterer Exemplare. Blitze schlagen auch hier häufiger am höchsten Punkt der Umgebung ein.
  • Gehen Sie in die Hocke, halten Sie die Füße geschlossen, umschließen Sie die Knie mit den Armen und legen Sie den Kopf darauf.
  • Sollten Sie isolierende Ausrüstung dabei haben, beispielsweise einen trockenen Rucksack, kauern Sie sich in der Hocke darauf. Je weniger Kontaktfläche zum Boden besteht, desto besser.
  • Halten Sie drei Meter Abstand zu anderen Menschen.
  • Warten Sie das Gewitter ab. Doch Vorsicht: Die Gefahr ist erst vorbei, wenn Sie eine halbe Stunde lang keinen Donner mehr wahrgenommen haben.

Gewitter im Straßenverkehr

Der Trip in den Urlaub will gut geplant sein. Vor allem bei längeren Fahrten sollten Reisende auch einen Blick in der Wetterbericht werfen, denn nicht selten werden Auto- und Motorradfahrer auf der Straße von einem Unwetter überrascht. Das sollten Sie dann beachten.

So verhalten Sie sich bei Gewitter im Straßenverkehr richtig

Wer mit seinem Fahrzeug in extremes Wetter mit Sturm, Starkregen, Blitz, Hagel oder Nebel gerät, sollte zuerst die Geschwindigkeit den Verhältnissen anpassen. Sinkt die Sichtweite durch Starkregen oder Nebel unter 50 Meter, muss die Nebelschlussleuchte eingeschaltet werden.

Achten Sie bei Sturm auf herumfliegende Trümmer oder abbrechende Äste. Auf Brücken muss mit heftigen Seitenwinden gerechnet werden. Behalten Sie dabei vor allem Lkw und Anhänger im Auge, sie können im Extremfall umkippen.

Durch auftretenden Hagel und mit Starkregen verschlechtern sich die Straßenverhältnisse rapide: es droht Aquaplaning. Achten Sie deswegen auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand, da sich der Bremsweg deutlich verlängern kann.

Vorsicht: Den Wagen komplett stoppen und auf den Seitenstreifen fahren, ist nur in Ausnahmefällen erlaubt, beispielsweise wenn die Straße tatsächlich unpassierbar ist. In diesem Fall halten sie den Wagen an, schalten die Warnblinkanlage ein und bleiben im Fahrzeug. Ansonsten rät der ADAC zur Weiterfahrt in die nächste Ortschaft oder die nächste Haltebucht.

Autos wirken wie ein Faraday'scher Käfig

In der Regel sind Insassen von Autos, Cabrios (bei geschlossenem Verdeck) und Campern mit Metallaußenhaut vor Blitzschlägen gut geschützt. Fassen Sie aber keine Metallgegenstände im Inneren des Fahrzeugs an, die mit dem Wagen verbunden sind. Schlägt ein Blitzt tatsächlich ins Fahrzeug ein, wirkt die Außenhaut des Wagens wie ein Faraday’scher Käfig, welche die gefährliche Spannung um die Insassen lenkt.

Anders sieht es bei Motorrad- und Fahrradfahrern aus: Hier rät der ADAC zu einem ähnlichen Verhalten wie Fußgängern. Biker und Radler sollten wenn möglich unter einer Brücke Schutz suchen. Ist dies nicht möglich sollte die Maschine oder das Rad abgestellt werden und der Fahrer an einer nicht exponierten Stelle in Kauerstellung und mehreren Metern Abstand zum fahrbaren Untersatz das Ende des Gewitters abwarten.

Gewitter in den eigenen vier Wänden

Sind für Ihre Region Unwetterwarnungen, beispielsweise durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) aktiv, sollten Sie sich als Hausbesitzer oder Mieter auf das bevorstehende Unwetter vorbereiten. Doch auch während und nach einem Gewitter gibt es wichtige Punkte zu beachten.

Vor dem Unwetter: die richtigen Vorbereitungen treffen

  • Schützen Sie Elektrogeräte: Nehmen Sie Fernseher, Computer oder andere empfindliche Elektronik entweder komplett vom Netz, oder verwenden Sie einen Überspannungsschutz.
  • Sichern Sie bewegliche Gegenstände: Gartenmöbel, Werkzeug und andere Gegenstände sollten vor dem Gewitter gesichert werden. Durch auftretende Sturmböen können sie zu gefährlichen Geschossen werden, die weitere Schäden verursachen oder Menschen verletzen können.
  • Reinigen Sie Abflüsse und Regenrinnen: Entfernen Sie Laub, Äste und andere Verschmutzungen aus Regenrinnen und Abflüssen. Nur so kann die ordnungsgemäße Funktion der Ableitungen garantiert werden und das Wasser zügig abfließen.
  • Schließen Sie Fenster und Türen: Kommt es durch offene Fenster zu einem Wasserschaden, kommt die Hausratversicherung nicht für mögliche Schäden an Möbeln auf.
  • Checken Sie den Heizöltank: Er sollte gut in der Wand verankert sein, dass er im Fall des Falles nicht aufschwimmen kann. Im Zweifelsfall muss er mit Ballast beschwert werden.
  • Verfügt ihr Haus über eine Rückstauklappe, überprüfen Sie regelmäßig deren Funktion.

Während des Unwetters: Meiden Sie Kontakt zu Metallleitungen

  • Verfügt ihr Haus nicht über ein Blitzschutzsystem, sollten sie den Kontakt zu metallenen Leitungen vermeiden, die von außen ins Haus führen. Das können Wasser-, Gas-, Strom- und Telefonleitung sowie das Antennenkabel oder die Fernwärmeversorgung sein.
  • Telefonieren Sie nicht während des Gewitters mit einem ungeschützten Festnetztelefon.
  • Duschen und baden Sie nicht während eines Gewitters. Bei einem ungeschützten Haus kann sich die Elektrizität des Blitzes über die Wasserleitung ins Innere des Gebäudes übertragen.

Nach dem Unwetter: Schäden melden und dokumentieren

  • Schäden durch Starkregen und Wassereinbruch sollten Betroffene umgehend fotografieren und ihrer Versicherung melden.
  • Defekte Gegenstände sollten erst entsorgt werden, wenn das weitere Vorgehen mit dem Versicherer geklärt ist. Dabei gilt: Gefahrenquellen dürfen Sie immer absichern und beseitigen, damit kein weiterer Schaden entsteht.
  • Sollte der Keller überflutet worden sein, muss zunächst geprüft werden, ob der Strom abgestellt ist – sonst herrscht Lebensgefahr. Ein Abpumpen des Wassers darf erst erfolgen, wenn der Wasserstand außerhalb des Hauses niedriger als im Inneren ist.
  • Sollte Schlamm ins Haus eingedrungen sein, sollte dieser mit sauberem Wasser zeitnah entfernt werden. Organische Materialien beginnen anderenfalls schnell zu faulen und verfestigen sich zu einer schweren Masse.

Weitere hilfreiche Tipps finden Sie auch auf den Seiten des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Mit Material der dpa
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