• COVID-19-Kranke bringen die Krankenhäuser in Tschechien an ihre Kapazitätsgrenzen.
  • Die 7-Tage-Inzidenz für das Land liegt bei weit über 600.
  • Premierminister Andrej Babis bittet die EU-Länder um Hilfe.

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Das Gesundheitssystem in Tschechien stößt angesichts der steigenden Zahlen an COVID-19-Erkrankten an seine Grenzen. Die Regierung des Landes mit 10,7 Millionen Einwohnern meldete für Mittwoch 13.657 neue registrierte Fälle. Aktuell werden 6.967 Corona-Patienten in Krankenhäusern behandelt.

Einzelne Krankenhäuser sind bereits an ihren Kapazitätsgrenzen und mussten Patienten in andere Einrichtungen verlegen. Der stellvertretende Gesundheitsminister Vladimir Cerny warnte, dass die Krankenhäuser des Landes in wenigen Wochen ausgelastet sein könnten. Der größte Engpass sei dabei das medizinische Personal.

Lage in Kliniken angespannt: Tschechien will Ausland um Hilfe bitten

Im gesamten Land sind nach aktuellen Angaben des Gesundheitsministeriums noch 14 Prozent der Intensivbetten frei. Bei den Standardbetten mit Sauerstoffversorgung sind es 23 Prozent. Die Regierung hat angekündigt, im Ausland um Hilfe zu bitten, sollte die Zahl der verfügbaren Intensivbetten unter zehn Prozent sinken.

7-Tage-Inzidenz im Ländervergleich (Stand 26. Februar):

Letalitätsrate im Ländervergleich:

  • Tschechien: 1,66 %
  • Slowakei: 2,28 %
  • Deutschland: 2,87 %
  • Österreich: 1,88 %

Der Regierungschef Andrej Babis hat andere EU-Länder außerdem gebeten, Impfstoff-Kontingente an die Tschechische Republik abzugeben, um die angespannte Situation zu verbessern. Im Nachbarland Slowakei ist die Pandemielage ebenfalls angespannt. Dessen Außenminister Ivan Korcok bat ebenfalls um Impfstoffhilfen aus der EU. Israel hat mehreren Ländern Impfstoffspenden zugesagt, davon gehen 5.000 Dosen an Tschechien. Auch Frankreich will Tschechien nach Aussage der Regierung in Prag Impfstoff aus seinem Kontingent zur Verfügung stellen.

Vermehrt neue Virusvarianten

Nach Informationen des Auswärtigen Amtes treten in Tschechien vermehrt Fälle der ansteckenderen neuen Varianten von SARS-CoV-2 auf. Das Land wird deshalb aus deutscher Sicht als Risikogebiet mit einem besonders hohen Infektionsrisiko, als sogenanntes Virusvarianten-Gebiet, eingestuft.

Aktuell gilt ein Beförderungsverbot nach Deutschland. Berufspendler dürfen jedoch weiterhin zwischen Tschechien und Deutschland hin- und herreisen. Laut der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer fahren täglich um die 30.000 Menschen zum Arbeiten von Tschechien nach Bayern.

Deutsche Landkreise mit hohen Inzidenzwerten

Mehrere deutsche Landkreise, die an Tschechien grenzen, verzeichnen hohe Inzidenzwerte. Dazu zählen Tirschenreuth, Regen, Hof und Wunsiedel. Dass die Infektionen in diesen Regionen wesentlich auf Pendler aus Tschechien zurückgehen, ist jedoch unwahrscheinlich.

Bei jeder Einreise müssen Pendler entweder einen aktuellen Corona-Test vorweisen oder sich direkt an den Teststationen an der Grenze testen lassen. Das bedeutet, dass positiv getestete Personen gar nicht erst einreisen. Pendler dürfen sich in Deutschland lediglich an ihren Arbeitsplatz begeben und diesen anschließend nur für die Rückreise zu ihrem Wohnort verlassen.

Der Bayerische Rundfunk hat außerdem Daten zu den Positivraten bei Tests unter Pendlern und bei der einheimischen Bevölkerung ermittelt. Bei Pendlern, die nach Deutschland einreisen wollen, liegt die Zahl der positiv ausfallenden Tests demnach nicht auffällig hoch. Für die hohen Inzidenzen in den betreffenden Landkreisen müssen daher andere Faktoren eine Rolle spielen.

Verwendete Quellen:

  • Our World in Data: Czechia Coronavirus Pandemic Country Profile
  • Johns Hopkins University: Czechia Overview
  • Gesundheitsministerium der Tschechischen Republik: Aktuelle Übersichten über die stationären Versorgungskapazitäten
  • Auswärtiges Amt: Tschechische Republik: Reise- und Sicherheitshinweise
  • Corona-in-Zahlen.de: Corona-Zahlen für Tschechien
  • BR: Wie tschechische Pendler die Infektionszahlen beeinflussen
  • Prague Morning: Czech Republic Asks EU Partners for Vaccines to Avoid Health System Collapse
  • Visegard Group: Intensive care capacity close to exhausted - deputy minister
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