Die "Bild"-Zeitung machte schon viele zu Stars - und ließ sie auch wieder fallen. Wer außer dem Ehepaar Wulff den "doppelten Fahrstuhleffekt" schon erlebte.

Die ehemalige "First Lady" der Bundesrepublik, Bettina Wulff, beschreibt das Phänomen in ihrem Buch "Jenseits des Protokolls" recht bildlich: "Wer mit der Bild-Zeitung im Fahrstuhl nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten". Das bekannte Zitat des Springer-Vorstandschefs Mathias Döpfner hört sich fast an wie das Programm, das Bettina Wulff und ihr Ehemann Christian in den vergangenen anderthalb Jahren erlebt haben. Doch die Wulffs sind nicht die einzigen, die diesen Weg beschritten und das Mediengewitter mehr oder weniger beschädigt überstanden haben. Wir stellen einige weitere "Bild"-Opfer vor.

"Es ist alles ein großes Spiel, bei dem es nur ein Ziel gibt: Auflage zu machen", schreibt Bettina Wulff in ihrem neuen Buch über die Medien im Allgemeinen und die "Bild"-Zeitung im Besonderen. Dass es bei diesem Spiel nicht nur Gewinner gibt, sondern auch Verlierer, haben sie und ihr Mann, der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, am eigenen Leib erfahren.

Bei einem Treffen kurz nach der Wahl Wulffs zum Bundespräsidenten soll "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann die Rotlicht-Gerüchte rund um die First Lady erstmals zum Thema gemacht haben, schreibt Bettina Wulff in ihrem Buch. Nicht überliefert ist, ob "Bild" überhaupt eine Veröffentlichung der Gerüchte geplant hatte oder dem Paar einfach nur klar machen wollte, dass sie für den Rest der Amtszeit von Christian Wulff vom Wohlwollen des Blattes abhängig seien.

Doch es war offenbar der inzwischen legendäre Anruf ihres Mannes bei Diekmann, der den Fahrstuhl erstmals nach unten in Bewegung setzte. Der damalige Bundespräsident soll auf der Mailbox des "Bild"-Chefredakteurs am 12. Dezember 2011 mit "Krieg" gedroht haben, falls das Blatt bestimmte Informationen öffentlich machen würde - ob er die Rotlicht-Gerüchte meinte oder weitere Informationen zu der umstrittenen Finanzierung des Wohnhauses der Familie Wulff, ist unklar.

Nach dem Anruf war es vorbei mit dem zuvor laut Bettina Wulff "pragmatischen" bis guten Verhältnis des Paares zur "Bild"-Zeitung. Endgültig in den freien Fall geriet der Fahrstuhl dann, als die "Bild" in einer nahezu beispielhaften Kampagne den Skandal um die Finanzierung des Wulff-Hauses und verschiedene "kreativ" finanzierte Partys in Hannover ausschlachtete. Der Bundespräsident entschloss sich nach einem dreimonatigen publizistischem Trommelfeuer schließlich am 17. Februar zum Rücktritt.

Doch derzeit fährt der Aufzug wieder nach oben - allerdings nur mit Bettina Wulff an Bord. Die "Bild"-Zeitung widmete ihrem Buch mehrere Doppelseiten und macht nun erneut Auflage mit ihr. Ob die den Lesern gestellte Frage: "Warum tut eine Frau ihrem Mann so etwas an?" ein erster Hinweis darauf sein könnte, dass es bald wieder abwärts geht? Wir warten gespannt.

Jan Ullrich hat als bislang einziger Deutscher 1997 die Tour de France gewonnen und wurde in der Zeit danach zum gefühlten ewigen Zweiten. Die deutschen Massenmedien machten ihn trotzdem zu einem neuen Volkshelden. Im Jahre 2006, nachdem seine Verwicklung in den Doping-Skandal um den spanischen Arzt Fuentes öffentlich wurde, wendete sich die "Bild"-Zeitung von einem ihrer größten Quotenbringer ab und bezichtigte ihn nun regelmäßig der Lüge.

Doch auch die öffentlich-rechtlichen Sender scheinen ihren eigenen Fahrstuhl zu besitzen: Ebenfalls im Jahr 2006 wurde bekannt, dass die ARD einen Exklusiv-Vertrag mit Ullrich abgeschlossen hatte, der der Rundfunkanstalt Interviews und Auftritte in verschiedenen Sendungen garantierte. Nach der ersten positiven Doping-Probe bei Ullrich 2002 wurde dieser Vertrag gekündigt - nachdem Ullrichs Pillen-Affäre ausgestanden war, gab es jedoch eine Neuauflage. Dieser Vertrag wurde ebenfalls wegen Ullrichs Verwicklungen in den Dopingskandal Fuentes zum Jahresende 2006 gekündigt. Seitdem ist Jan Ullrich im untersten Stockwerk stecken geblieben.

Die damalige Viva-Moderatorin Charlotte Roche wollte nie mit der "Bild"-Zeitung im Aufzug nach oben fahren und bekam trotzdem die ganze Härte des Aufpralls im Keller zu spüren.

Nach einem Autounfall, bei dem ihre drei Brüder sterben und ihre Mutter schwer verletzt überlebte, berichtete das Blatt in großer Aufmachung über die Tragödie. Wenige Wochen später wurde Roche dabei fotografiert, wie sie trotz großer Trauer nach einem Scherz kurz gelacht hatte. "Zeit Online" berichtet, wie die "Bild"-Zeitung Roche danach zur Zusammenarbeit zwingen wollte: Es habe einen Anruf bei Viva gegeben, dass man gerne ein Interview mit ihr führen wolle - wenn sie sich weigere, könnte das Foto mit der möglichen Überschrift "So trauert sie um ihre toten Brüder" am nächsten Tag veröffentlich werden.

Charlotte Roche verklagte daraufhin die "Bild"-Zeitung, obwohl das Foto nie gedruckt wurde. Wie sie "Zeit Online" sagte, habe sie "das alles nicht ansatzweise verarbeitet". Ihre Karriere als Moderatorin und erfolgreiche Autorin konnte sie trotzdem fortsetzen - auch ohne die Hilfe der "Bild"-Zeitung. Sie hatte ihren Verlag sogar anwiesen, keine Rezensionsexemplare ihres letzten Romans "Schoßgebete" an das Springer-Blatt zu verschicken.

Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte die publizistische Macht der "Bild"-Zeitung schon früh durchschaut und für seine Zwecke genutzt: Obwohl die "Bild"-Zeitung linker Umtriebe weitgehend unverdächtig ist, hatte sich das Springer-Blatt vor der Bundestagswahl 1998 ganz unverhohlen für einen politischen Wechsel stark gemacht - vielleicht auch nur aus Überdruss an 16 Jahren Kohl-Herrschaft. Zu Beginn seiner ersten Amtszeit soll Schröder dann sogar gesagt haben, dass er zum Regieren nur "Bild, BamS und Glotze" brauche. Seitdem gilt er als erster "Medienkanzler" der Bundesrepublik.

Die gute Zusammenarbeit mit "Bild" endete dann im Jahr 2004 abrupt, als Schröder die Zeitung und andere Produkte des Springer-Konzerns mit einem Interview-Boykott belegte. Grund war die laut Schröder zu "einseitige" Berichterstattung über die Arbeit der Regierung. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings längst Angela Merkel der Liebling der "Bild"-Zeitung. Nach der verlorenen Wahl im Jahr 2005 sorgte Schröder dann mit seinem legendären Auftritt in der "Elefantenrunde" für einen Eklat, als er den Medien indirekt vorwarf, seine Wiederwahl verhindert zu haben.

Doch ganz unten im Keller musste auch der Ex-Kanzler nicht bleiben: Für seine politische Biografie "Entscheidungen - mein Leben in der Politik", die im Jahr 2006 erschien, durfte er dann auch in der "Bild"-Zeitung und in einem TV-Spot des Blattes werben. Auflage ist eben doch das wichtigste Ziel der Zeitung.

Der ehemalige Verteidigungs- und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg galt lange als großes politisches Talent. Schnell wurde der neue Minister ab 2009 zum Liebling der "Bild"-Zeitung, insbesondere seine "Standhaftigkeit" bei der Frage möglicher Staatshilfen für den maroden Autohersteller Opel brachte dem damaligen Wirtschaftsminister Respekt ein - auch von seriösen Medien. Innerhalb weniger Monate wurde der politische Senkrechtstarter zum potenziellen neuen Kanzler hochgeschrieben.

Den Absturz des inzwischen als Plagiator überführten ehemaligen Verteidigungsministers begleitete das Blatt mit Nibelungentreue. Selbst auf dem Höhepunkt der Affäre um die in weiten Teilen abgeschriebenen Doktorarbeit Guttenbergs titelte "Bild" am 24. Februar 2011 in riesigen Lettern: "Ja, wir stehen zu Guttenberg". Ob die Zeitung dabei sich selbst meinte oder seine am Vortag befragten Leser, war zumindest auf den ersten Blick nicht offensichtlich. Auf der Online-Seite des Blattes sah die Abstimmung sogar ganz anders aus, wie "Spiegel Online" damals berichtete: 55 Prozent der Teilnehmer einer Online-Abstimmung hätten sich für einen Rücktritt des Ministers ausgesprochen. Damit waren zumindest die Leser der Online-Ausgabe der "Bild" offenbar deutlich anderer Meinung als die Redaktion.

Auch nach dem Rücktritt am 1. März 2011 blieb die "Bild"-Zeitung dem CSU-Politiker in Treue fest verbunden - offenbar sieht das Haus Springer in ihm immer noch eine Art Reservekanzler für die Zeit nach Angela Merkel. Denn auch seine bislang sehr zaghaften Ansätze, in die deutsche Politik zurückzukehren, begleitete das Blatt mit viel Wohlwollen. Auch wenn diese ersten Versuchsballons allesamt scheiterten, zeigt sich, dass man nicht unbedingt im Aufzug wieder runterfahren muss. Warten wir ab, zu welchen Höhen der "Bild"-Aufzug Guttenberg noch befördern wird.

Der Vergewaltigungsprozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann war für die "Bild"-Zeitung ein Quotengarant. Zwar gelang dem Schweizer sein Aufstieg in der deutschen Medienwelt mehr oder weniger ohne Hilfe der "Bild"-Zeitung - sein Absturz war jedoch auch ohne den berühmten Fahrstuhl gewaltig und "Bild" wirkte kräftig daran mit.

Das Springer-Blatt engagierte für die Berichterstattung über seinen Prozess sogar die Feministin Alice Schwarzer, deren Kommentare zu dem Prozess nicht immer einen sachlichen oder gar fairen Eindruck machten. Titel wie "So lebt Kachelmann im Knast" oder "Kachelmann spricht über den Knast", teilweise bebildert mit heimlich aufgenommenen Fotos beim Hofgang, sorgten während des gesamten, sich quälend lang hinziehenden Prozesses für Auflage. Kachelmann verklagte die "Bild" wegen angeblicher Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Überraschenderweise erschienen jedoch am nächsten Tag seine Bekenntnisse über den Knast-Alltag in der "Bild", für die das Blatt offenbar mit ihm selbst gesprochen hatte. Ein letzter verzweifelter Versuch des Angeklagten, mit dem Fahrstuhl doch wieder nach oben zu fahren?

Für Jörg Kachelmann schien aber schon im Verlauf des Prozesses festzustehen, dass er unabhängig vom Ausgang der Verhandlung danach in Deutschland als Moderator erledigt sein würde. Er kündigte von sich aus an, nie mehr im deutschen Fernsehen arbeiten zu wollen.

Sibel Kekilli ist sei einiger Zeit als Tatort-Ermittlerin im TV zu sehen. Doch im Jahr 2004 bescherte ihr die "Bild"-Zeitung ihre wohl unerfreulichste Zeit im Fokus der Öffentlichkeit.

Die Hauptdarstellerin von Fatih Akins Erfolgsfilm "Gegen die Wand", der auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, geriet mit der Schlagzeile "Deutsche Filmdiva in Wahrheit Porno-Star" in einen zumindest vorübergehenden Abwärtsstrudel. Nachdem die "Bild" ihre Vergangenheit im Porno-Business aufgedeckt hatte, erfuhr nicht nur der Film deutlich höhere Aufmerksamkeit, sondern Kekilli wehrte sich auf bis dato nicht gekannte Weise. Bei der live im TV übertragenen Bambi-Verleihung forderte sie "Bild" und den Kölner "Express" auf, "diese dreckige Hetzkampagne" zu beenden. Auch der Presserat rügte im November des selben Jahres die Berichterstattung der "Bild" - diese wiederum druckte die Rüge dann mehr als zwei Jahre später ab.

Die Karriere der in Deutschland geborenen und türkischstämmigen Schauspielerin konnte der Skandal jedoch nicht aufhalten - inzwischen ist sie als Charakterdarstellerin etabliert und wirkt in zahlreichen weiteren anspruchsvollen Produktionen mit.

Doch es gibt auch einige Promis, die mit der "Bild"-Zeitung bis ins Penthouse gefahren sind und es sich dort oben richtig gemütlich gemacht haben.

Veronica Ferres etwa, von der linksalternativen "taz" gerne als "blondeste aller deutschen Schauspielerinnen" bezeichnet, nutzt das Blatt fast wie eine eigene Hauspostille. Jeder Film und jede Fernsehproduktion mit der Schauspielerin werden in der "Bild" in epischer Breite angekündigt. Ihre zahlreichen Charity-Veranstaltungen werden regelmäßig begleitet. Auch über ihr Privatleben plaudert die seit "Schtonk!" als Symbol für "sinnliche üppige Blondine" stehende Ferres gerne.

Da findet selbst eine Geschichte über den Glaubenskrieg beim Fußball zwischen Ferres und ihrem Lebensgefährten, dem AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, Einzug ins Blatt. So ist zu lesen, dass sie dem FC Bayern die Daumen drückt und er Hannover 96. Ihre Lieblingsorte in Hannover seien der Zoo und das Stadion. So einfach entsteht ein für beide Seiten nützliches System, das so lange funktionieren dürfte, wie die Leser der "Bild"-Zeitung das Spiel mitmachen.

Immerwährender Gast im Penthouse ist auch der "Kaiser", Franz Beckenbauer. Der Fußball-Weltmeister von 1974 und Teamchef der siegreichen WM-Mannschaft von 1990 ist seit einer gefühlten Ewigkeit mit der "Bild"-Zeitung verbunden.

Zwar ist nicht genau überliefert, wie der als einer der besten Fußballer aller Zeiten geltende Beckenbauer zu seinem Titel als "Kaiser" kam - man kann jedoch mit Sicherheit davon ausgehen, dass die "Bild"-Zeitung kräftig daran mitgewirkt hat, dieses Bezeichnung zu verbreiten. Seine eigene Kolumne hat der Kaiser in der Bild schon lange, doch auch regelmäßige Berichte über sein Privatleben helfen, seine Popularität in Deutschland auf höchstem Niveau zu halten.