Mit einer gewaltigen Explosion wollten 13 Katholiken rund um Guy Fawkes das englische Parlament in die Luft sprengen - und König Jakob I. töten. Das 1605 geplante Attentat scheiterte zwar. Trotzdem hat die sogenannte Pulververschwörung bis heute Auswirkungen - und das Gesicht von Guy Fawkes ist nicht nur in England bekannt.

36 Fässer lagerten in einem Keller unter dem Parlamentsgebäude in London. Gefüllt waren sie mit 2,5 Tonnen Schießpulver. Am Morgen des 5. November 1605 schlich sich Guy Fawkes mit einer Fackel in die Kellergewölbe.

Sein finsterer Plan: Er wollte die Fässer mit Hilfe einer langen Lunte in die Luft sprengen - und damit nicht nur den Palast von Westminster zerstören, sondern auf einen Schlag die politische und religiöse Elite Englands töten - inklusive König Jakob I.

Doch Guy Fawkes konnte sein Vorhaben nicht in die Tat umsetzen: In letzter Sekunde hatten Wachen den Keller durchsucht und ihn erwischt. Sie verhinderten so ein Attentat, das den Lauf der Geschichte in England verändert hätte.

Warum die Verschwörer den König töten wollten

Vorausgegangen war eine jahrelange Planung von 13 katholischen Verschwörern. Guy Fawkes sollte zwar die Lunte legen, der Drahtzieher war er aber nicht. Der Landadelige Robert Catesby hatte eine Gruppe von Männern um sich geschart, die sich gegen ihre Unterdrückung als Katholiken wehren wollten - mit dem blutigen Attentat.

Heinrich VIII. hatte knapp 70 Jahre zuvor die anglikanische Kirche gegründet und sich mit dem Papst und der katholischen Kirche überworfen.

Heinrichs Nachfolgerin Elisabeth I. galt als toleranter in Glaubensfragen, doch unter Jakob I. verschärften sich die Spannungen wieder. Katholiken wurden gezwungen, anglikanische Gottesdienste zu besuchen, eigene Messen konnten sie nur im Geheimen abhalten, schreibt "Die Presse".

Die Verschwörer sahen nur eine Lösung: Der König sollte sterben, stattdessen sollte eine katholische Königin den Thron besteigen.

Als Datum für den Anschlag wählten sie die Parlamentseröffnung, dann würden sich auch die Familie Jakobs I., die Bischöfe Englands sowie alle Regierungsmitglieder im Gebäude befinden.

Guy Fawkes und sein Kampf für den Glauben

Für die Ausführung suchten sich die Adeligen einen Soldaten, der Erfahrung mit Sprengstoff hatte: Guy oder Guido Fawkes. Der war 1676 mit 16 Jahren zum Katholizismus konvertiert und kämpfte seitdem in verschiedenen Kriegen Europas für seine Religion.

Er wollte sogar den katholischen spanischen König davon überzeugen, England anzugreifen, allerdings vergeblich.

Die 13 Verschwörer mussten zuerst einen Weg finden, um die Sprengstoff-Fässer unter dem Parlament zu deponieren. Gerüchten zufolge sollen sie zunächst versucht haben, einen Tunnel von einem Haus in der Nähe zu graben.

Beweise dafür wurden aber nie gefunden. Durch einen Zufall konnten sie dann einen der Kellerräume als Lagerraum mieten. Nach und nach schaffte Guy Fawkes die explosiven Fässer dorthin.

Die merkwürdige Warnung in einem anonymen Brief

Doch dann passierte etwas Merkwürdiges. Der katholische Lord Monteagle bekam Ende Oktober 1605 einen anonymen Brief. Darin wurde ihm geraten, sich von der Parlamentseröffnung fernzuhalten, da das Gebäude "einen Schlag erhalten" werde.

Lord Monteagle gab das Schreiben an die Behörden weiter. Durch einen Diener erfuhren die Verschwörer sogar davon. Aber als sie bemerkten, dass die Fässer unangetastet waren, ließen sie sich nicht beirren.

Erst am Morgen des geplanten Anschlags durchsuchten Beamte die Keller - und wurden fündig. Guy Fawkes wurde verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt. Tagelang verriet er seine Mitverschwörer nicht - bis König James I. befahl, ihn zuerst "milde", dann "härter" zu foltern.

Die Behörden töteten einige der Rebellen, vier andere richteten sie am 30. Januar 1606 auf grausame Art hin: Sie wurden gehängt, bis sie ohnmächtig wurden, dann bei lebendigem Leib ausgeweidet und schließlich gevierteilt.

Fawkes fiel vom Podest, als er schon die Schlinge um den Hals hatte - und brach sich das Genick. Ob er selbst gesprungen oder gefallen ist, konnte nie geklärt werden.

Das Rätsel um Lord Monteagle

Historiker rätseln bis heute über den anonymen Brief und die Rolle von Lord Monteagle. Wer hat das Schreiben verfasst? Keiner der Verschwörer bekannte sich dazu, auch nicht unter Folter. Oder gehörte der katholische Lord selbst zu den Rebellen und hatte den Brief selbst verfasst, um sich reinzuwaschen?

Unklar ist bis heute auch, ob die 13 Verschwörer auf eigene Faust gehandelt haben. Die Ankläger von Guy Fawkes waren damals sicher: Tatsächlich hatte die katholische Kirche die Pläne ausgeheckt. Beweise dafür gab es aber nie.

Guy Fawkes wird jedes Jahr verbrannt - als Strohpuppe

Nach dem gescheiterten Attentat wurden die Londoner ermutigt, das Überleben des Königs mit Freudenfeuern zu zelebrieren. Bis 1859 war der 5. November sogar ein Feiertag.

Die Verschwörung ist bis heute nicht vergessen: Immer noch werden seitdem die Kellerräume vor der Parlamentseröffnung durchsucht, wenn auch nur symbolisch.

Das Ereignis verbinden die Briten noch immer vor allem mit Guy Fawkes. Jedes Jahr am 5. November wird überall im Land die "Bonfire Night" mit nächtlichen Paraden, schrillen Verkleidungen, Feuerwerken und Fackelzügen gefeiert. Höhepunkt der britischen Variante von Halloween: die Verbrennung von Guy-Fawkes-Strohpuppen auf Scheiterhaufen.

Aber Fawkes gilt vielen heute nicht nur als Verräter: Bei einer BBC-Umfrage zu den 100 größten Briten landete Fawkes 2002 auf Platz 30 und damit knapp hinter David Bowie.

Guy Fawkes' Gesicht als Symbol des Widerstands

Für manche ist Fawkes sogar ein Symbol des Widerstands - in Form von stilisierten Masken mit seinem Gesicht. Getragen werden sie von Demonstranten und Aktivisten sowohl der Anonymus- als auch der Occupy-Wallstreet-Bewegungen.

Aber wie kommen sie dazu, ausgerechnet einem katholischen Verschwörer zu huldigen?

Die Masken stammen aus der Comicserie "V for Vendetta". In einem London der Zukunft kämpft darin der maskierte Freiheitskämpfer V gegen einen autoritären Staat. Für Zeichner David Lloyd lag es nahe, Fawkes verfremdetes Gesicht zu nutzen.

Der Spiegel zitiert ihn so: "Wir sollten den Kerl nicht an jedem 5. November verbrennen, sondern ihn feiern für seinen Versuch, das Parlament zu sprengen".

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