Die Zusicherung der staatlichen Milliarden-Hilfe zur Rettung der Lufthansa war das eine. Deren Auszahlung ist etwas anderes. Sie hängt an der Zustimmung eines Großaktionärs. Unter den gegebenen Bedingungen verweigert er diese. Die Bundesregierung indes verteidigt ihren Investitionsplan.

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Wochenlang verhandelte die Bundesregierung mit der in der Coronakrise schwer angeschlagenen Fluggesellschaft Lufthansa über Milliardenhilfen seitens des Staates.

Heraus kam ein neun Milliarden Euro schweres Rettungspaket. Dieses aber hängt bis zur Hauptversammlung der Lufthansa am seidenen Faden, genauer: an der Zustimmung des größten Aktionärs des Unternehmens.

Großaktionär Thiele verhandelt mit zwei Bundesministern

Heinz Hermann Thiele hatte seinen Anteil am größten Luftfahrtunternehmen Deutschlands in den vergangenen Monaten von zehn auf 15,52 Prozent aufgestockt.

Thiele stößt sich vor allem an der vorgesehenen Beteiligung des Bundes von 20 Prozent und will den Plan nachverhandeln. Seine Zustimmung zu diesem Plan im Rahmen der bevorstehenden Hauptversammlung hatte Thiele in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" offen gelassen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz verteidigte das staatliche Rettungspaket. "Wir hatten eine sehr gute Diskussion mit dem Lufthansa-Management und haben einen sehr guten Plan entwickelt, über den es auch Einigung mit Brüssel gibt", sagte Scholz bei einer Konferenz in Frankfurt am Main, zu der sich der Minister per Video aus Berlin zuschaltete. "Der Plan ist wohlüberlegt."

Scholz, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Vertreter der Lufthansa trafen sich am Vormittag mit Thiele, um diesen zum Einlenken zu bringen.

Das letzte Wort hat die Hauptversammlung der Lufthansa-Eigner

Bei der Aktionärsversammlung ist bei einer Beteiligung von unter 50 Prozent eine Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen für das Rettungspaket nötig. Lufthansa-Chef Carsten Spohr teilte in einem Brief an die Beschäftigten mit, dass die Aktionäre weniger als 38 Prozent des Kapitals für die Hauptversammlung angemeldet hätten.

Parallel ging das Ringen um Einsparungen beim Personal weiter. Spohr kündigte gleichzeitig an, die Lufthansa werde erstmals in ihrer Geschichte die Auszahlung von Vergütungen vorziehen und die Junigehälter bereits an diesem Montag anweisen. Damit wolle der Konzern den Beschäftigten "in diesen bangen Wochen eine weitere Unsicherheit" ersparen.

Der von der Coronakrise hart getroffene Konzern hat wegen der dauerhaft geringeren Nachfrage den weltweiten Personalüberhang auf 22.000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11.000 Stellen auf Deutschland.

Kampf um Erhalt der Arbeitsplätze bei der Lufthansa

Bei den Verhandlungen sollen nun Maßnahmen vereinbart werden, um möglichst viele der insgesamt 138.000 Mitarbeiter an Bord zu halten. Das sind zum Beispiel ausgeweitete Teilzeitmodelle und der Verzicht auf Gehaltssteigerungen und Zulagen. Beteiligt sind die Gewerkschaften Verdi, Ufo und Vereinigung Cockpit, die bereits verschiedene Sparvorschläge unterbreitet haben. (dpa/AFP/hau)

Verdi-Demonstration: 88.000 Flughafen-Mitarbeiter plagen Existenzängste

Die durch Staatsgelder gerettete Lufthansa und die Fraport AG können derzeit nicht für den Erhalt aller Jobs garantieren. Angestellte in Frankfurt sind verärgert und gingen demonstrieren.
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