Die Ersten werden die Letzten sein: Beim Auftakt der neuen Staffel von "The Masked Singer" musste der Promi im Känguru-Kostüm als Erster ran und belegt jetzt schon den letzten Platz in Staffel acht. Denn das Publikum wählte den Beuteltier-Promi bereits in Folge eins raus. Als die Känguru-Maske dann endlich unten war, strahlte ein Schauspieler in die Kamera, den man sonst eher aus dem "Tatort" kennt.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Wenn Ruth Moschner, Rea Garvey und Wincent Weiss auf der Suche nach Hinweisen durch den ProSieben-Backstage-Bereich stromern, um am Ende mit einer Gruppe Tänzer und Matthias Opdenhövel auf der Bühne zu landen, dann ist das nicht nur ein ziemlich lauer Auftakt-Gag, sondern vor allem der Start der neuen Staffel "The Masked Singer". Doch zum Glück ist am Samstagabend noch ein bisschen mehr passiert. So lief der Start der achten Staffel.

Mehr News zu "The Masked Singer"

Die "Masked Singer"-Jury

"Das Dreamteam ist wieder zusammen", erklärt Moderator Matthias Odenhövel und meint damit Sänger Rea Garvey und Moderatorin Ruth Moschner, die inzwischen längst zum Inventar der Show gehören. Ihnen zur Seite gestellt hat man zum Staffel-Auftakt den unter dem Pseudonym Wincent Weiss bekannten Sänger Wincent Weiß. Zusammen sollen die drei zum einen raten und zum anderen unterhalten und beides haben sich die drei sorgfältig aufgeteilt. Moschner spielt wieder den Rate-Nerd, Garvey ist der Lustige und Weiss liegt irgendwo dazwischen.

So baut Weiss etwa nach dem ersten Auftritt des Abends in Windeseile eine mächtige Indizien-Kette auf, an deren Ende nur "Baywatch Berlin"-Podcaster Jakob Lundt stehen kann. Und Garvey? Der hat auch diesmal keine Hemmungen, sich über ausgewählte Kostüme lustig zu machen: "Du erinnerst mich total an den Nissan Micra meiner Frau", urteilt Garvey etwa über das Kostüm des Frotteefanten, weil es offenbar ebenso farblich zusammen geschustert ist wie das Auto von Frau Garvey.

Die Moderation

Wäre Matthias Opdenhövel ein Bundesliga-Schiedsrichter, hätte in seiner Leistungsbewertung gestanden: "Er leitete das Spiel unauffällig." Eigentlich gönnt sich Opdenhövel pro Show eineinhalb halbwegs gute Gags, diesmal jedoch nicht – auch wenn er kurz davor war: "Hat das Seepferdchen eigentlich auch das Seepferdchen?", versuchte sich Opdenhövel an einem Kalauer, doch das geht weitaus besser.

Stattdessen machte der Moderator einfach das, wofür er bezahlt wird: Das Ganze unfallfrei und familienfreundlich durchmoderieren und die Show und alles, was damit zu tun hat, in den Himmel zu loben: "Ich feier diese Kostüme so ab", erklärt Opdenhövel etwa einmal über die Tänzer und sagt ansonsten Sätze wie: "Drei Masken haben wir schon gesehen und ich fand alle so toll!"

Igel, Waschbär und Co. – die "Masked Singer"-Masken

Bei ProSieben weiß man, wie erfolgreiches Marketing funktioniert. Trotzdem dürfte "The Masked Singer" den Angestellten in den Marketing- und Social-Media-Abteilungen des Senders die Freudentränen in die Augen treiben, denn die Masken, das Markenzeichen der Show, bieten hier nun mal unendliche Möglichkeiten. Dementsprechend waren die allermeisten Masken bereits vor der ersten Folge der neuen Staffel bekannt.

Am Ende stehen am Samstagabend auf der Bühne: das Känguru, der Frotteefant, der Schuhschnabel, der Igel, das Seepferdchen, der Toast, der Fliegenpilz, der Waschbär und Diamantula. Und eben weil das Marketing-Team von ProSieben so pfiffig ist, ist nach dem Auftakt nicht einfach Schluss. Stattdessen dürfen die Zuschauer per App abstimmen, welche Klamotten der Frotteefant in der nächsten Show tragen soll. So geht Marken-Bindung.

Die Show

An den Regeln hat man auch in der achten Staffel wenig gedreht. In Folge eins gibt es drei Dreier-Gruppen. Die Promis einer Gruppe treten gegeneinander an, dann folgt eine Abstimmung. Die drei Promis, die die wenigsten Stimmen in ihrer Gruppe erhalten, müssen sich am Ende gemeinsam einer Schlussabstimmung stellen. Die anderen sechs Promis sieht man auf jeden Fall am kommenden Samstag in Folge zwei.

So vielfältig die Kostüme waren, so vielfältig waren auch die Auftritte – optisch wie auch qualitativ. Die größte Diskrepanz gab es wohl zwischen dem Auftritt des Kängurus und dem Diamantulas – einer Figur, halb Mensch, halb Spinne. Beide Auftritte waren optisch auf ihre Weise faszinierend. Hier eine kuschelige Feel-Good-Atmosphäre, dort eine gruselige Szenerie mit riesigem Spinnen-Netz und mutierten Spinnen-Tänzern.

Sofern man das via TV beurteilen kann, zeigt der Waschbär mit seiner Interpretation von "Hey Ya!" gesanglich wahrscheinlich nicht die beste Leistung, die man bisher bei "The Masked Singer" gehört hat. Ganz anders Diamantula. Deren Version von "Diamonds Are Forever" legt den Schluss nahe, dass die Dame im Kostüm mindestens eine Gesangsausbildung gehabt hat. Auch die Jury ist hin und weg: "Das ist eine ganz neue Ebene hier", urteilt etwa Rea Garvey.

Die Tipps von Moschner, Garvey und Weiss

"Ich hatte sofort Til Schweiger im Hinterkopf", schießt es aus Ruth Moschner heraus, als Rea Garvey auf die nasale Aussprache des Kängurus hinweist. Am Ende legt sich Moschner doch auf Götz Alsmann fest. Was man nach diesem Abend weiß: Til Schweiger ist es definitiv nicht, Götz Alsmann und Jakob Lundt, wie von Wincent Weiss zuerst getippt, sind es allerdings auch nicht. Doch dazu gleich mehr.

Des Weiteren tippt Rea Garvey auf Lena Meyer-Landrut als Frotteefant, Ruth Moschner vermutet Verona Pooth unter dem Toast und Andrea Berg oder Inka Bause unter der Igel-Maske. "Ich glaube, das ist jemand, der mit Performance wenig zu tun hat. Vielleicht ein Sportler?", spekuliert Rea Garvey dagegen über den Promi im Waschbär-Kostüm. Einen Tipp will der Ire beim Waschbären aber nicht abgeben.

Die Enthüllung des Abends

Känguru, Seepferd und Fliegenpilz: Die Promis unter diesen drei Kostümen hielten in ihren Gruppen die rote Laterne in der Hand und müssen deshalb noch einmal in einer Schlussabstimmung gegeneinander antreten. Schlussendlich entscheiden sich die Zuschauer dafür, dass sie den Fliegenpilz und das Seepferdchen gerne noch einmal sehen möchten. Bedeutet aber auch: Das Känguru muss nach nur einem Auftritt nach Hause hüpfen. Aber wer steckt nun unter der Känguru-Maske?

Um kurz nach halb zwölf lüftet der Promi das Geheimnis und es ist – Jan Josef Liefers. Der Schauspieler sang gleich als Erster, doch seine Version von "Blurred Lines" kam beim Publikum wohl nicht so gut an. Trotzdem sagt der "Tatort"-Ermittler über seine Teilnahme: "Das war das Verrückteste, was ich in meinem Leben gemacht habe."

Das Fazit

Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss, sagt man und das gilt auch für "The Masked Singer". Will heißen: Das Format ist erprobt und beliebt, auch wenn die durchschnittlichen Zuschauerzahlen in den letzten Staffeln eher rückläufig waren. Trotzdem gibt es also von Haus aus keinen Grund, hier irgendetwas revolutionär zu ändern. "The Masked Singer" ist kein Format, bei dem alles passieren kann, sondern eines, bei dem alles so passiert, wie es soll.

Den Gestaltungsspielraum, den die Macher haben, nutzen sie aber auch in Staffel Nummer acht. Das gilt für die auch diesmal wieder aufwändigen und kreativen Kostüme, für die stimmig inszenierten Auftritte und auch für die Geschichtchen zu den Kostümen – gleichwohl die Idee, dem Waschbären eine Existenz als Waschsalon-Besitzer anzudichten, sicher keinen Innovationspreis gewinnt. Etwas besser war da schon der Einfall, die Kostüme mit Kameras auszustatten, sodass die Zuschauer einmal die Perspektive der Promis einnehmen konnten.

Kurzum: viele nette Ideen, eine Promi-Auswahl mit vielversprechenden Auftritten und eine Jury in Unterhaltungslaune. So kann das auch in Staffel acht was werden.

Interessiert Sie, wie unsere Redaktion arbeitet? In unserer Rubrik "So arbeitet die Redaktion" finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte kommen. Unsere Berichterstattung findet in Übereinstimmung mit der Journalism Trust Initiative statt.
JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.