Herzlich willkommen zur Cliffhanger-Olympiade im Dschungelcamp. Einer der ersten Sätze, bevor es an Tag 12 richtig losgeht, kommt von Eric Stehfest und lautet: "Ich schaue mir den Schwanz mal an". Eine Sternstunde der TV-Unterhaltung. Der Vorspann hat noch nicht begonnen und schon Schnappatmung in deutschen Wohnzimmern. Minderjährige kichern und beten, dass es nicht um eine Nacktszene mit Harald Glööckler geht. Großeltern lamentieren über den Niveau-Verfall in der Unterhaltungsindustrie und wünschen sich Peter Alexander zurück. Helikoptermuttis halten ihren Töchtern die Augen zu. AfD-Sympathisanten erröten, weil sie befürchten, es ginge beim regenbogenverliebten Diversity-Sender aus Köln-Deutz womöglich um Homosexualität. Einige Teenagerinnen bekommen die Bilder von Peter Althof im Adamskostüm nie wieder aus ihrem Unterbewusstsein.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

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Welcher "Schwanz" aber jetzt wirklich gemeint ist, tja, das verrät RTL an dieser Stelle noch nicht. Und ich auch nicht. Sie merken: Cliffhanger funktionieren nicht nur beim Fernsehen. Nur eines verrate ich jetzt schon mal vorab, damit nicht die Hälfte aller Leserinnen sicherheitshalber hier schon aussteigt: Es hat nichts mit Dschungel-Urgestein Nico Schwanz zu tun. Fun-Fact am Rande: Nico Schwanz firmiert unter der Berufsbezeichnung "Sänger und Model". Und wer kennt ihn nicht, den singenden deutschen Markus Schenkenberg mit seinen Superhits "Niemals geht man so Schwanz" und "Wie heißt die Mama von Nico Lauda"?

Krokodilstränen um Geschlechtsorgane

Bevor es auf der Anouschka-Renzi-Trash-TV-Academy wieder Konfrontationsunterricht mit anschließender Pöbelprüfung gibt, zeigt Schwanz-Spürnase Eric Stehfest erstmal das Comeback seiner Teamplayer-Skills. Filip Pavlovic kommt mit acht Sternen und 400 Litern Ekelschleim am Körper von seiner Dschungelprüfung zurück. Die Dusche ist allerdings weiterhin aus disziplinarischen Grünen abgestellt. Eric hat allerdings nach seinem Ego-Infarkt in der jüngeren Vergangenheit einige Karmapunkte aufzuholen. Als erste Amtshandlung in seiner neuen Rolle als Teamplayer des Jahres fungiert er minutenlang als lebende Ersatzdusche und überschüttet Stinkbombenleger Filipe mit angenehm antemperiertem Frischwasser.

Zeit, um noch kurz Blutsbrüderschaft zu schließen oder eine Boyband namens "Earth, Wind & Lagerfire" zu gründen, bleibt allerdings nicht, denn Feldwebel Linda Nobat kommandiert ihre Truppen zum Essenfassen. Die Fleischbeilage besteht heute aus einem Krokodilschwanz. Erics Duschkumpanen Filip schaltet am schnellsten und stellt die Frage in den Abendhimmel: "Hat ein Krokodil eigentlich einen Penis?" Ach ja, der Filip. Zum Glück ist er nicht Friseur, denn sonst wäre die Lieblingsfrisur vieler Frauen schon lange der Pferdepenis. Selbst das beliebte Denkhilfsmittel der umgekehrten Beweiskette hilft Filip nicht, denn die Frage "bin ich ein Krokodil" stellt er sich nicht.

Unabhängig von der etwas behäbig funktionierenden Antizipationsfähigkeit von Filip aber durchaus eine interessante Frage, falls Sie mal bei "Wer wird Millionär" dabei sein wollen: Hat ein Krokodil einen Penis? Eine kurze Presseanfrage bei "Lacoste" ergibt: Jein. Ein Krokodil hat einen sogenannten Hemipenis. So bezeichnet man das männliche Begattungsorgan der Schuppenkriechtiere. Bei diesen befindet sich seitlich der Kloake (hier ist nicht die Camp-Toilette gemeint) eine ausstülpbare Tasche mit einem stacheligen Hemipenis. Um das Telekolleg "Krokodilpenis" komplett zu machen, noch diese Zusatzinfo: "Hemi" kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet "halb". Sie kennen das vielleicht von Begriffen wie "Hemisphäre", "Hemiparese" oder Hackfleisch Hemi Hemi.

Herr Ober, da ist ein H in meiner Suppe

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie erstaunlich viele wunderbare Wörter mit "H" Beginnen? Heimat. Hauptgewinn. Hochzeit. Harmonie. Letztere gibt es diese Saison bislang nicht unbedingt im Überfluss. Am Lagerfeuer, der Showbühne für aussortierte Ex-Promis, die zur Finanzoptimierung den roten Teppich freiwillig gegen eine Bodenmelange aus Affenkot und Post-Prüfungs-Erbrochenem tauschen, kommt es zu einem Niveaufeuerwerk der beiden "Playboy"-Feuilletonistinnen Anouschka Renzi und Linda Nobat. Die altinternationale Schauspiel-Veteranin hat mal wieder Tadelwasser getrunken und holt zum Auskotz-Marathon aus, während Rüffelschwein Linda Angst um ihre Krone im Nörgelbingo bekommt und schneller zurückschimpft, als Erika Steinbach "AfD" sagen kann. Um was es genau geht, nachdem die beiden gestern schon beinahe einer verrosteten Pfanne wegen zum finalen Schlammcatchen in den Beißring gestiegen wären, bleibt unklar. Es darf ja keine von beiden ausreden.

Linda hockt auf einem Baumstamm und wirkt ein bisschen wie ein trotziges Mädchen, das sich die Ohren zuhält und irgendwas vor sich hinmurmelt, um ihre Mutter nicht hören zu können. Wahrscheinlich, weil sie sich die Ohren zuhält und irgendwas vor sich hinmurmelt, um Anouschka Renzi nicht hören zu können. Anouschka wiederum stolziert mit wehendem Haartuch durch die Staatsoper der Peinlichkeiten und stellt klar: "Ich lasse mich nicht von einer unerzogenen Göre ständig therapieren."

Showgirls am Rande des Nervenzusammenbruchs

Teilzeit-Therapeutin Linda hat Anouschka da aber schon lange abschließend durchanalysiert und stellt folgende Diagnose: "Sie ist wohl als Kind zu wenig gelobt worden". Anouschka kontert mit ihrem Lieblingsvorwurf: "Ihr macht alle nur Show!" Harter Tobak. Ob es wirklich Menschen gibt, die so skrupellos sind, an einer TV-Sendung teilzunehmen, die "Dschungelshow" heißt – und dann Show zu machen? Das ist ja, als würde man eine Bäckerei eröffnen und dann dort Backwaren verkaufen. Absurd.

Diese Showlogik ist selbst für Anouschka-Fan Harald (eines der wenigen Wörter, die mit "H" beginnen und nicht … ach egal) zu viel: "Anouschka, bitte!" Nach 80 Jahren auf den größten Theaterbühnen der Welt kennt Anouschka die Vokabel "Bitte" ungünstiger Weise nur als Regieanweisung und legt trotz Gnadengesuchs von Star-Designer Harald Glööckler munter nach: "Tina ist rausgeflogen. Vielleicht hatte ich ihretwegen die letzten 10 Tage Verstopfung!" 10 Tage Verstopfung, oder wie man bei "Germany´s Next Topmodel" sagt: Intervallfasten. GNTM, das Dschungelcamp für Umstyling-Besessene beginnt übrigens Donnerstagabend auf ProSieben. Aus sicherer Quelle darf ich verraten: Es wird episch.

Bis dahin müssen Filip und Harald erst noch eine Schatzkarte entschlüsseln. Für Olaf Scholz' Shisha-Stalker Filip eine unlösbare Aufgabe: "Also ich habe den Faden verloren". Zum Glück findet er Manuel Flickinger später im Camp wieder.

Zu schlau für diese Welt

Den Rest des Tages verbringen die Camper damit, sich gegenseitig im Sprechzimmer abzudissen. Anouschka teilt gegen Linda (und als Bonus gegen Lindas Eltern direkt mit) aus: "Ich weiß nicht, was ihre Eltern mit ihr gemacht haben. Erzogen haben sie sie nicht". Auch bei Peter Althof wird der Geduldsfaden langsam dünner als die Faktendichte bei der Corona-Berichterstattung aus dem Freiheitsturm der Satire-Gutachter: "Eine kleine Profilneurose hat sie schon". Aber auch Linda hat im Beleidigungs-Game das nächste Level erreicht: "So alte Opas und Omas, die dasitzen und sich verhalten wie kleine Kinder".

Manuel Flickinger macht sich derweil weniger Sorgen, wie Linda ihn findet, sondern wie er draußen beim Publikum ankommt. Glücklicherweise hat er Insider-Informationen über den Geisteszustand der Fans: "Das Dschungelcamp wird von sehr vielen intelligenten Menschen geschaut". Ja. Und von mir. Diese sehr intelligenten Menschen schlagen sich heute auf die Seite von Anouschka und Peter und werfen Linda raus. Nach dem "Playboy" muss sie tatsächlich schon wieder ausziehen. Ob Anouschka das morgen mit einem gepflegten Gangnam Style Tanz feiert – ich werde berichten!

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