Beat Feuz ist rechtzeitig vor seinem großen Ziel in überragender Form und der Topfavorit auf olympisches Abfahrtsgold. Dass der Schweizer aber überhaupt noch im Weltcup mitmischen kann, ist ein kleines Wunder: Vor einigen Jahren wäre er beinahe zum Invaliden geworden.

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Beat Feuz kannte das Gefühl nur zu gut, schließlich war es erst in den Woche davor in Kitzbühel ähnlich. Der Berner saß in der Leader’s Box und schaute gebannt hinauf auf die Streif.

Dann kam die Nummer 19 und pulverisierte seine Bestzeit. Der Sensationssieg von Thomas Dreßen verwehrte Feuz doch noch den Triumph am Hahnenkamm.

In Garmisch war der Schweizer am Samstag zunächst wieder der Schnellste. Auch diesmal musste er lange warten, grinste nach jedem weiteren Fahrer von seinem roten Sessel aus in die Kamera.

Und als sie alle dann unten waren - Dreßen, der starke Andreas Sander, Vincent Kriechmayr, Geheimfavorit Christof Innerhofer - hatte er den Klassiker gewonnen.

Beat Feuz führt im Abfahrts-Weltcup

Für Feuz war es schon der dritte Abfahrtssieg in dieser Saison, in der Disziplinenwertung ist er an Aksel Lund Svindal vorbeigerauscht. Keiner rast derzeit schneller die Eishänge hinunter und zeigt mehr Mut.

Feuz hatte auf der Kandahar die schwierigste und letztlich entscheidende Stelle anders gemeistert als alle anderen: Den so genannten "Freien Fall" fuhr er gerade und mit Topspeed an, sprang dann mit rund 130 km/h hinein ins Nichts und rund 70, 80 Meter weit.

In dieser kurzen Passage fuhr er die entscheidenden Zehntel heraus, weil er entschlossener und mutiger war als die Konkurrenz.

Wenn es ans Limit geht und die Frage beantwortet werden muss, wer in der Königsdisziplin derzeit das beste Gefühl für Ski, Schnee und die entsprechenden Schlüsselstellen hat, dann lautet die Antwort: Beat Feuz.

Der Schweizer ist ein Instinktfahrer, das war er schon immer. Eine Wuchtbrumme auf Skiern, der Kugelblitz im alpinen Weltcup. Natürlich hält er sich an Besichtigungspläne und Absprachen mit den Trainern.

Aber gerade in der Abfahrt geht es immer darum, so wenige Fehler wie möglich zu machen. Keine andere Disziplin kann so erbarmungslos sein, schon ein paar Stundenkilometer zu wenig auf einem Teilstück entscheiden über Sieg oder Niederlage. Und Feuz ist der König darin, keine Fehler zu machen.

Seit seiner Rückkehr in die Weltspitze vor zwei Jahren dominiert er die Abfahrt. Natürlich gewinnt auch der 30-Jährige nicht an jedem Hang. Aber keiner ruft über einen so großen Zeitraum nun schon so ein extrem hohes Niveau ab.

Was umso erstaunlicher ist, da Feuz vor seinem Comeback mal wieder eine lange Pause zu überstehen hatte. Vor sechs Jahren war er schon mal nah dran, sogar den Gesamtweltcup zu gewinnen, damals bremste ihn nur Überfahrer Marcel Hirscher aus.

Eine Amputation stand im Raum

Dann kamen die Verletzungen. Vor fünf Jahren hing seine Karriere am seidenen Faden. Nach einer schweren Knieverletzung wollte das Gelenk nicht mehr so, wie es sollte.

Ein halbes Dutzend Mal wurde Feuz am Knie operiert, immer wieder bildeten sich Reizungen und Wasser im Gelenk. Die Infektion war zeitweise so stark, dass die Ärzte überlegten, ihm den Unterschenkel zu amputieren.

Eine verunreinigte Spritze hatte die Infektion in den Körper gespült, die Wahrscheinlichkeit für diese Art Komplikationen liegt bei etwas 1:50.000. In der Schweiz war vor Feuz‘ Tragödie jedenfalls kein anderer solcher Fall bekannt.

Auf einer Pressekonferenz im Krankenhaus musste er sich erklären, wie und ob überhaupt es mit einer Laufbahn im Ski-Zirkus weitergehen könne. Und falls nicht, "dann höre ich halt auf".

Dieser Tag damals im Krankenhaus war ein Wendepunkt, an diesem Tag hat sich Feuz verabschiedet von penibel durchkonzipierten Planungen der Zukunft. Er hat den "Feuz-Tag" entdeckt, die Fokussierung auf genau ein wichtiges Rennen.

Früher wurde ihm immer mal vorgehalten, er gehe zu schlampig um mit seinem wahnsinnig großen Talent. Er sei zu faul und zu schnell zufrieden.

Und wenn die anderen aus dem Kader im Kraftraum Gewichte stemmten, hatte er eine leichte Erkältung oder ein anderes Zipperlein und legte sich stattdessen ins Bett. So wurden die Geschichten jedenfalls gerne erzählt.

Vielleicht dient das auch der Legendbildung jetzt: Das ewige Talent, das fast vor dem Aus stand, ein angehender Sportinvalide - der auf wundersame Weise doch noch zurück auf den rechten Weg geraten ist.

Das Talent endlich genutzt

Tatsächlich hat Feuz irgendwann gemerkt, dass Talent alleine nicht reicht - und dass er vielleicht wirklich ein paar Kilos zu viel auf den Rippen hat.

Nicht umsonst haben sie ihm den Spitznamen "Kugelblitz" verpasst. Er hat sich dann davon verabschiedet, fünf Monate im Jahr während der Saison in jedem Rennen immer Vollgas zu geben, auf der Jagd nach den Kristallkugeln des Weltcups.

Aber ausgesuchte Rennen, gerade die ganz schwierigen und gefährlichen, ist Feuz immer ein wenig anders angegangen als seine Konkurrenten.

Als Kind, auch das ist so eine Geschichte, habe er mit zwei Jahren das Skifahren erlernt und selbst im jüngsten Alter nicht den klassischen Stemmbogen genutzt, um die Ecken auszufahren.

"Er wollte einfach auf die Ski und fuhr gerade herunter", erinnerte sich seine Mutter Heidi. "Und wenn er das Gefühl hatte, er wollte bremsen, setzte er sich einfach auf den Boden."

Das war nicht immer die beste Methode und dieses überbordende Risiko fügte ihm schließlich schon in jungen Jahren zwei Kreuzbandrisse und zwei Fersenbrüche zu.

Es gibt Schlimmeres…

Die Saisons in den Weltcup mergelten ihn aus. "Nach zwei Wochen im Weltcup war meine Energie völlig weg", erinnerte er sich an seine Comeback-Saison 2013.

Seine Freundin Katrin Triendel gab auch deshalb ihren Beruf auf und begann eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. Die Strategie, nur noch auf einzelne Events abzuzielen, sollte sich immer mehr bezahlt machen.

Im vergangenen Winter krallte er sich die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft. Er war der Favorit, er stand unter Druck, aber er hielt diesen bravourös aus. Vielleicht auch, weil er weiß, dass es Schlimmeres gibt als einen zweiten, dritten oder vierten Platz in einem Skirennen.

Dieses Gesamtpaket an überragenden technischen Fähigkeiten, der angeborene Instinkt und seine lockere, aber doch fokussierte Herangehensweise machen Feuz zum großen Favoriten auf den Sieg bei den Olympischen Spielen.

Die Abfahrt findet am 11. Februar statt, es ist Feuz' 31. Geburtstag. Vergangenes Jahr wollte er sich die Olympia-Abfahrt auf jeden Fall noch als großes Ziel seiner Karriere gönnen.

Es ist nicht auszuschließen, dass Feuz diesen letzten Meilenstein noch erreicht - und seine Karriere danach beendet.

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