Der erste Schritt in Richtung Weltmeisterschaft 2014 ist getan. Mit der Bekanntgabe des vorläufigen Kaders für das Turnier in Brasilien hat Bundestrainer Joachim Löw am Donnerstag einen ersten greifbaren Rahmen gesteckt und einen großen Teil der zuletzt wuchernden Spekulationen beendet.

30 Spieler hat Löw in den Kader berufen, der ab 21. Mai die Mission Titelgewinn angehen wird. Bis Mitte Juni wird der Bundestrainer noch sieben Spieler von der Liste streichen und seine Kandidaten nach dem Scouting so anpassen, dass das Aufgebot den erschwerten Bedingungen in Südamerika gerecht werden kann.

Tausende von Flugkilometern muss die Mannschaft aus ihrem Quartier bis zu den Spielorten zurücklegen, dabei auch die Klimazonen wechseln und entsprechend schnell regenerieren. Es werden mental und körperlich enorm anstrengende Tage in Brasilien und deshalb will der Bundestrainer gewappnet sein. Löw hat auch am Donnerstag nochmals betont, dass er nur absolut fitte Spieler mit nach Brasilien nehmen will.

Mario Gomez fehlt nötige Wettkampfhärte

Bis zum 13. Mai muss der DFB eine Liste von maximal 30 Spielern bei der FIFA hinterlegen. Im Trainingslager in Passeiertal in Südtirol vom 21. Mai bis 1. Juni sichtet Löw dann, geplant ist, dorthin mit 25 oder 26 Spielern zu reisen. Am 2. Juni muss Löw dann den 23-Mann-Kader an die FIFA weitergeben - rekrutiert aus den Akteuren, die jetzt auch im vorläufigen Kader stehen.

Von da an sind Veränderungen am Kader nur noch in Ausnahmefälle wie Verletzungen möglich - bis 24 Stunden vor dem ersten Gruppenspiel gegen Portugal am 16. Juni. Dann dürften auch Spieler nachnominiert werden, die es nicht in den vorläufigen Kader geschafft hatten. Es bestünde also noch eine minimale Chance für diejenigen, die vorerst nicht dabei sind.

Zum Beispiel für Mario Gomez. Der Italien-Legionär ist nicht mit dabei. In dieser Saison hat Gomez wegen mehrerer Verletzungen kaum gespielt, es fehlt an der nötigen Wettkampfhärte, die er sich auch in den Testspielen oder im Trainingsbetrieb kaum wird holen können. Definitiv raus sind Marc-Andre ter Stegen und Bernd Leno.

Dafür hat Löw Ron-Robert Zieler nominiert. Etwas überraschend, denn Zieler spielte keine überzeugende Saison. Sollte der Hannoveraner sich nicht mehr verletzen, ist sein Ticket für Brasilien aber gebucht.

Dass es Max Kruse trotz deutlich ansteigender Form in den vergangenen Wochen nicht geschafft hat und obwohl er von seiner Spielanlage perfekt gepasst hätte, war so nicht vorherzusehen. Kruse, Gomez und Ter Stegen sind wohl die drei prominentesten Namen, die nicht dabei sind. Für Ilkay Gündogan, der seit Herbst kein einziges Spiel mehr bestritten hat, hat es wie erwartet ebenso wenig gereicht. Gleiches gilt für die lange verletzten Sven Bender und Sidney Sam.

Jogi Löw will Sami Khedira "an sein Leistungslimit" bringen

Sami Khedira ist dagegen trotz seiner langen Verletzungspause dabei. Der Bundestrainer wird sich den Star von Real Madrid in Südtirol genau anschauen - allerdings stößt Khedira wegen des Champions-League-Finals mit den Königlichen erst ab 25. Mai zur Mannschaft. "Keine Regel ohne Ausnahme. Und diese haben wir bei ihm gemacht", sagte Löw. "Wir sind überzeugt, ihn an sein Leistungslimit zu bringen."

Von den Hamburger Härtefällen hat sich Löw nur für Marcell Jansen entschieden. Rene Adler, Heiko Westermann und Pierre-Michel Lasogga sind nicht dabei. Jansen wird sich mit Erik Durm von Borussia Dortmund einen Ausscheidungskampf um den Platzt links in der Viererkette liefern. Wobei Durm, der sich erstmals dem DFB-Tross anschließen darf und auch ohne Länderspiel ist, die deutlich besseren Chancen auf die WM-Endrunde hat. Durm hat in den zurückliegenden Spielen überzeugt, Jansen war fast zwei Monate lang verletzt.

Die fünf größten Überraschungen in Löws 30-Mann-Kader stellen sicherlich die beiden Schalker Leon Goretzka und Max Meyer dar sowie Shkodran Mustafi von Sampdoria Genua, Matthias Ginter vom SC Freiburg und der Augsburger Andre Hahn.

Mustafi, Goretzka und Meyer dürften auch aufgrund ihres Alters und ihrer Perspektive eher die Spieler sein, die jetzt im Vorfeld eines Turniers bei der A-Nationalmannschaft reinschnuppern dürfen, wie es zuletzt Julian Draxler oder ter Stegen vor der EM vor zwei Jahren beschieden war. "Wir haben auch einige Spieler eingeladen, die mit Perspektive auf die EM in zwei Jahren oder die WM 2018 ihre Chance bekommen", sagte Löw.

Nur Miroslav Klose und Kevin Volland nominelle Stürmer

Ginter ist als Defensiv-Allrounder sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld eine echte Option sein. Der Freiburger hat eine tolle Saison gespielt und gilt als Alternative, sollte bei Khedira doch absehbar sein, dass er nicht rechtzeitig die nötige Form entwickeln kann.

Der Augsburger Hahn bringt sowohl physisch als auch als Spielertyp jene Eigenschaften mit, die Löw in Brasilien weiterhelfen könnten. Gleiches gilt für Kevin Volland. Der passt als Stürmertyp sehr gut ins Anforderungsprofil.

Der Hoffenheimer ist körperlich robust und technisch trotzdem versiert, zudem schnell und wendig. Im Klub kennt die das Spielsystem als hängender Stürmer. Überraschend kommt Vollands Nominierung nicht mehr, der U-21-Kapitän darf sich berechtigte Hoffnungen auf den Flug nach Porto Seguro am 7. Juni.

Zumal er neben Klose der einzige nominelle Angreifer im gesamten Kader ist - ein ziemliches Risiko, das Löw damit geht. Dagegen hat der Bundestrainer aber satte 15 Mittelfeldspieler nominiert. In diesem Mannschaftsteil werden dann naturgemäß auch die meisten Streichkandidaten zu finden sein.