Deutschland steht im WM-Finale! Jetzt soll auch der Titel her. Dafür muss nur noch ein Gegner geschlagen werden. Wird es Argentinien oder die Niederlande? Und wer wäre für die deutsche Nationalmannschaft gefährlicher? Die beiden Halbfinalisten von heute Abend (22:00 Uhr in der ARD und bei uns im Ticker) im Check.

Die Argentinier gehören erstmals seit 24 Jahren wieder zu den besten vier Mannschaften der Welt. 2006 und 2010 waren sie zuletzt jeweils im Viertelfinale gescheitert. Beide Male verloren sie gegen Deutschland.

Fünf Gründe, warum es am Sonntag mit dem Finalsieg klappen wird.

Zu verdanken haben sie den Einzug ins Halbfinale bei dieser WM vor allem Lionel Messi. Der Superstar vom FC Barcelona hat sein Nationalteam-Trauma endlich überwunden und ist nun auch regelmäßig an Toren für sein Heimatland beteiligt. Mit seinen Geistesblitzen sorgte er in den bisherigen WM-Partien für die spielentscheidenden Momente, selbst wenn er zuvor nahezu unsichtbar blieb. Messis Offensivkollegen Angel di Maria und Gonzalo Higuain eiferten ihm nach und sicherten ihrer Mannschaft gegen die Schweiz und Belgien das Weiterkommen.

Argentinien: Ohne Messi geht es nicht

Fraglich ist, wie stark sich das Fehlen von Di Maria gegen die Niederlande auswirkt. Der Flügelspieler von Real Madrid verletzte sich am Oberschenkel und wird im Halbfinale von Enzo Perez vertreten. Doch Argentinien fehlt im Kader die nötige Breite an Weltklassespielern, um Ausfälle gleichwertig zu ersetzen. Trainer Alejandro Sabella setzt deswegen auf eine kompakte und disziplinierte Abwehr. Mit Erfolg: Argentinien fing sich in fünf Spielen nur drei Gegentore ein.

Allerdings sind die Gauchos durch ihre defensiv angelegte Spielweise nur noch mehr von genialen Einfällen ihres Stars Messi abhängig. Die "Himmelblauen" gewannen jedes Spiel bei dieser WM nur knapp mit jeweils einem Tor Unterschied. Zwar spielten Verteidiger ordentlich, doch eine echte Herausforderung stellten ihre bisherigen Gegner Bosnien-Herzegowina, Iran, Nigeria, Schweiz und Belgien nicht dar. Der holländischen Offensivstärke dürfte die argentinische Hinterreihe über 90 Minuten kaum gewachsen sein. Zumal sie fehleranfällig sind, wenn der Gegner genug Druck ausübt.

Es ist das wohl denkwürdigste Spiel in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft: Die DFB-Elf bezwingt Brasilien im Halbfinale der WM 2014 mit sage und schreibe 7:1. Doch bei aller Euphorie: Den letzten Schritt müssen die Spieler von Joachim Löw am Sonntag im Finale gehen.

An dieser Schwäche könnte auch das DFB-Team im Finale ansetzen, falls es auf Argentinien trifft. Toni Kroos und Thomas Müller dürften ihre Freude daran haben, sich Lücken zwischen den argentinischen Verteidigern zu erarbeiten und den Gegner nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Unaufmerksamkeiten lassen sich sie so gnadenlos ausnutzen. Eine Strategie, die schon gegen Portugal und Brasilien zum Erfolg geführt hat.

Die größte Gefahr geht von Lionel Messi aus, weswegen Argentinien aber auch für Taktiktüftler Jogi Löw kalkulierbar wird. Wenn seine Mannschaft Messi aus dem Spiel nehmen kann, dürften sie mit den Südamerikanern wenig Probleme haben. Daniel van Buyten, der mit Belgien von Argentinien aus dem Turnier geworfen wurde, glaubt jedenfalls an die DFB-Mannschaft: "Spielt Deutschland gegen Argentinien, dann setze ich alles, was ich habe, auf Deutschland. Deutschland würde Argentinien locker schlagen."

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Ob das auch für die Niederlande gilt? Die Elf von Trainer Louis van Gaal bewies bei dieser WM ihre taktische Raffinesse und Flexibilität und wechselte das Spielsystem je nach Situation und Gegner. Blieb sie dennoch erfolglos, schickte der Bondscoach einen neuen Mann auf das Feld, der dann die Entscheidung brachte. Stürmer Klaas-Jan Huntelaar wurde im Achtelfinale zum Oranje-Held, Keeper Tim Krul im Viertelfinale zum Elfmeterkiller.

Niederlande-Trainer Louis van Gaal ist undurchschaubar

Van Gaal ist für sein grenzenloses Selbstvertrauen berüchtigt. Seine Entscheidungen gelten als unberechenbar, wie der Torwartwechsel kurz vor dem Elfmeterschießen gegen Costa Rica. Die vom DFB-Trainerstab so geliebte Video-Vorbereitung dürfte daher schwierig werden.

Sicher ist dagegen die Angriffslust der Niederländer. Besonders Arjen Robben wirft sich in jedes Spiel und jeden Zweikampf, als ob es um sein Leben ginge. Der ehrgeizige Star des FC Bayern München will seine womöglich letzte Chance auf den WM-Titel nutzen. Vor allem möchte er seinen vergebenen Siegtreffer im WM-Finale 2010 gegen Spanien wieder gut machen. Zusammen mit Wesley Sneijder und Robin van Persie bildet er das Offensiv-Trio von Oranje, das nach der torreichen Vorrunde allerdings zu schwächeln begann.

Für Argentinien dürfte entscheidend sein, ob und wie sie die Torgefahr des holländischen Sturms verringern können. Costa Rica konnte mit ein wenig Glück und ihrem großartigen Torhüter Keylor Navas die Entscheidung immerhin bis ins Elfmeterschießen verschieben.

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So gut besetzt die Niederlande vorne auch sind: In der Defensive fehlen die großen Namen. Die sehr junge und international wenig erfahrene Abwehrreihe spielt überwiegend in der heimischen Eredivisie. Von frechen Gegnern wie Australien ließ sie sich aushebeln und reagierte nervös auf Konter. Gut möglich, dass sie sich von Messi leicht austricksen lassen.

Deutschland muss die Niederlande mehr fürchten

Dennoch: Die Niederlande wären für Deutschland der deutlich unangenehmere Gegner. Louis van Gaal und Arjen Robben kennen die Bayern-Spieler, die das Gerüst des DFB-Teams bilden. Umgekehrt lässt sich Hollands Coach kaum in die Karten schauen und liebt die großen Überraschungen.

Besonders wichtig wäre für die DFB-Elf die Kontrolle im Mittelfeld, um die niederländischen Offensivaktionen frühzeitig aufzuhalten. Direkt vor dem Tor sind Robben und van Persie brandgefährlich und kaum noch zu verteidigen. Stattdessen sollten die Angreifer wie Miroslav Klose oder Mesut Özil ihre Erfahrung nutzen, um die Niederländer hinten dauerhaft zu beschäftigen. Präsentiert sich Deutschland aber wieder so stark und selbstbewusst wie im Halbfinale gegen Brasilien, ist ihnen der Titel kaum noch zu nehmen.