Ein bisschen Pech, ein bisschen Unvermögen, ein bisschen Torhüter und ein bisschen Pfosten: Mario Gomez wartet noch immer auf seinen Premierentreffer für den VfL Wolfsburg. Am Spiel des Angreifers oder am System der Wölfe gibt es aber trotz der Flaute nichts zu ändern.

Für Bakery Jatta ist dieser Traum beim HSV zum Greifen nah.

Der VfL Wolfsburg hat im Sommer zwei "Killer" engagiert. Aber nur einer von beiden macht seinem einschüchternden Titel bisher auch alle Ehre.

Wolfsburgs Damen-Mannschaft hat sich Anja Mittag gegönnt, die Grande Dame des Toreschießens. Die Herren-Mannschaft schnappte sich Mario Gomez, bei der Europameisterschaft beinahe auferstanden und ein plötzlich in halb Europa begehrter Knipser.

Nun hat Anja Mittag das geliefert, was in erster Linie von ihr verlangt wird: Sie hat gleich im zweiten Spiel für ihren neuen Klub ein Tor erzielt, mit der Hacke.

Mario Gomez wartet noch. Derzeit würde es ihm auch reichen, den Ball mit dem Oberschenkel, dem Bauchnabel oder dem großen Zeh ins Tor zu stolpern. Egal wie, Hauptsache drin. Aber mit Oberschenkel, Bauchnabel und Zeh hat es Gomez ja noch nicht versucht. Stattdessen besann er sich auf die traditionellen Hilfsmittel, rechter und linker Fuß und Kopf.

Zwei Spiele, eine zentrale Erkenntnis

Neulich in Hoffenheim scheiterte er mit einem Kopfball aus drei Metern und dann im Nachschuss im Liegen aus einem Meter. Er setzte einen Schlenzer knapp am Tor vorbei und fand noch zweimal in Torhüter Oliver Baumann seinen Meister, der im Spiel gegen Wolfsburg ganz fantastisch hielt.

21 Torschüsse gab Wolfsburg in Hoffenheim ab, die meisten davon (vier, wie Julian Draxler) Gomez. "Der Baumann hat unglaublich gehalten, wahnsinnige Reflexe gezeigt. Trotzdem ist auch klar, dass wir die Chancen machen müssen. Es tut mir leid für die Mannschaft, dass ich uns für den Aufwand nicht belohnen konnte", sagte Gomez nach dem Hoffenheim-Spiel, das 0:0 endete.

Drei Tage später, nach dem 1:5 gegen Dortmund, diktierte Gomez im Prinzip dieselben Sätze. "Ich bin hier, um Tore zu machen. Und ich habe die Chancen", sagte Gomez, "es tut mir leid für die Mannschaft, dass ich sie nicht gemacht habe."

Schwache Erinnerungen an Wien

Es mag sich nach einer Klatsche wie der vom Dienstagabend komisch anhören, aber Gomez hat recht. Wolfsburg war gegen den BVB im Begriff, das Spiel zu drehen. Immer wieder stießen die Wolfsburger über die Flügel bis in den Rücken der Abwehr und flankten und passten so oft in die gefährliche Zone, dass am Ende neun der 15 Torschüsse innerhalb des Strafraums abgegeben wurden.

Es ist das Spiel, das ein Torjäger wie Gomez liebt: Wenn die Bälle von außen hineingespielt werden, wenn er mit Wucht und Entschlossenheit in die Zuspiele gehen kann und dann abdrückt. So war das auch gegen den BVB.

Aber da erlebte Gomez im Ansatz so etwas wie seinen längst vergessen geglaubten Wien-Moment. Vor acht Jahren hatte er im Nationaldress aus einem Meter Entfernung einen Ball an die Latte geschaufelt und damit die Mär vom Chancentod Gomez selbst in die Welt gesetzt.

Am Dienstag wollte er 50 Zentimeter vor dem Tor gerade einen Ball abstauben und ins Tor schubsen, da fuhr Dortmunds Keeper Roman Bürki die Hand aus und lenkte den Ball an Gomez' Fuß. Der unkontrollierte Abschluss landete am Pfosten, danach klärte Bürki die Situation. Die Szene erinnerte fatal an Wien. Und war doch so anders.

Davor war er schon im Eins gegen Eins an Bürki gescheitert, der Dortmunder machte wie Tage zuvor Baumann im Hoffenheimer Tor sein bestes Spiel seit langer Zeit für seinen Klub. Ausgerechnet gegen Wolfsburg. Ausgerechnet gegen Gomez. Wo der doch sehnsüchtig auf seinen ersten Treffer im neuen Trikot wartet.

Kein Fehler im Wolfsburger System

Es liegt an Gomez selbst und zwei bis dato herausragenden Torhütern, dass der Premierentreffer nicht schon längst gefallen ist. Am Spielsystem oder der Ausrichtung der Wölfe liegt es aber garantiert nicht.

"Wir spielen flüssig nach vorne, kombinieren Chancen heraus. Die Abstimmung und die Abstände passen in der Offensive. Das ist das Entscheidende, alles andere wird kommen", sagt Gomez. Sieben von zehn Wolfsburger Angriffen werden über die Flanken gefahren, Spieler wie Draxler, Marco Caligiuri, Vieirinha, Ricardo Rodriguez, Bruno Henrique oder Kuba garantieren Vorlagen in höchster Qualität.

Wolfsburg ist eine Mannschaft, die generell offensivstark daherkommt, die schnell kombiniert und, wie schon bei Gomez' Vorgänger Bas Dost, auch gerne auf Flanken setzt. Nur muss halt endlich auch mal der Ball ins Tor. Wolfsburg verwertete bislang nur rund zehn Prozent seiner Torchancen. Nur Schalke 04 ist da noch schlechter - die Königsblauen sind ja auch die einzige Mannschaft der Liga ohne jeden Torerfolg bisher.

Es wäre Gomez' Job, die Angriffsflaute der Wolfsburger zu beenden. "Mario ist in der Kategorie von Robert Lewandowski anzusiedeln. Er hat gezeigt, wie viele Tore er schießen kann. Er ist ein super Stürmer, der schon viele Male seine Klasse gezeigt hat", sagt Mitspieler und Vorbereiter Kuba. Nur hat der eine, Lewandowski, in drei Spielen schon fünf Mal getroffen. Und der andere, Gomez, in drei Partien noch gar nicht.

Gedanken macht sich der 31-Jährige deshalb aber nicht. "Ich bin lange genug dabei, ich werde den Kopf wieder hochnehmen. Und irgendwann flutscht es wieder!" Vielleicht fragt er auf dem kleinen Dienstweg einfach mal bei Anja Mittag nach.