Innerhalb des letzten Jahres hat sich beim BVB einiges geändert - und trotzdem fühlt sich vieles so an wie vor genau einem Jahr.

Christopher Giogios
Eine Kolumne
von Christopher Giogios
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Am 13. Spieltag der Saison 2019/2020 steht Borussia Dortmund auf dem fünften Tabellenplatz. Eine mitunter statische, ideenlose Offensive und haarsträubende defensive Aussetzer sorgen für reichlich Kritik an Trainer Lucien Favre. Den Ambitionen und selbst gesetzten Zielen läuft man klar hinterher.

Der BVB unter Favre: Krise, Stabilisierung - und wieder Krise

Anschließend kommt mit der Dreierkette allmählich defensive Stabilität in die Auftritte des BVB, nach der Winterpause schlägt ein junger Norweger ein wie eine Bombe und verleiht den Borussen endlich offensive Durchschlagskraft. Mit einer soliden Verteidigung und den Toren von Erling Haaland (20) bekommt der BVB die Kurve und wird mal wieder Vizemeister hinter Bayern München. In den Pokalwettbewerben scheitert man jeweils im Achtelfinale an Paris St. Germain und Werder Bremen.

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Dieser Blick zurück in den Winter 2019 verdeutlicht, wieso es im Winter 2020 letztlich zur Entlassung von Lucien Favre kam. Am 13. Spieltag der Saison 2020/2021 findet man sich ebenfalls auf dem fünften Rang wieder, auch das Defensivverhalten bei Standards und die uninspirierte Offensive sind immer wieder (oder immer noch?) allgegenwärtig.

Stillstand ist eine treffende Beschreibung für den Zustand von Borussia Dortmund am Ende dieses Kalenderjahres. Stillstand, den nun der neue Cheftrainer Edin Terzic in neuen Schwung ummünzen und dem BVB eine mittelfristige Perspektive verleihen soll.

Man möchte meinen, dass das Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin schon turbulent genug war, allerdings setzte der BVB im ständigen Auf und Ab noch einen drauf: Sahneauftritte und Tor- und Altersrekorde von Ausnahmetalenten gingen Hand in Hand mit enttäuschenden Auftritten gegen deutlich weniger talentierte Bundesligaklubs.

Über allem steht und stand natürlich der ständige Vergleich mit dem Konkurrenten aus München, gegen den man einmal mehr kein Land sah – weder im direkten Duell, noch beim Blick auf die Tabelle.

Talente en masse, aber keine klare Spielphilosophie

So steht der BVB am Ende dieses Jahres mal wieder vor einer kleinen Identitätskrise. Wofür möchte der Klub eigentlich stehen, welchen Fußball möchte man spielen und welche Ziele sind mit dem sehr jungen Kader realistisch? Für diesen können sich die Borussen allerdings zu Recht feiern: die Liste an Youngstern, die sich in diesem Jahr als feste Größe etablieren konnten, wurde länger und länger. Neben Haaland sind auch Gio Reyna (18) und Jude Bellingham (17) nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken.

Der jüngste Spieler der Bundesligageschichte, Youssoufa Moukoko (16), lässt bisher keine Zweifel offen, dass auch ihm dieser Sprung gelingen wird. Mit Mateu Morey (20) und Reinier (18) stehen schon die nächsten Talente in den Startlöchern, die mittelfristig den endgültigen Durchbruch schaffen können.

Dennoch bleibt die Frage unbeantwortet, ob diese Truppe auch Titel gewinnen kann. Ob es nun an klaren taktischen und fußballerischen Unzulänglichkeiten, einem nicht ganz ausbalancierten Kader oder fehlender Gewinnermentalität liegt - Fakt ist: Der BVB ist immer noch eine sehr inkonstante Mannschaft.

Damit ist der Bogen zu Edin Terzic geschlagen: Anders als seine Vorgänger präsentierte er eine Spielidee, die eigentlich zu dem jungen, offensiven Kader passen dürfte. Es bleibt die Hoffnung, dass man diese Philosophie auch zum Maßstab für Taktik, mentale Einstellung und Transferaktivitäten macht. Dann wäre immerhin eine stetige Entwicklung zu erwarten - und Rückschläge, die mit so jungen Spielern kaum zu vermeiden sind, wären einfacher zu verschmerzen. Und hoffentlich müssen wir im Winter 2021 dann nicht mehr über eine Krise und den fünften Platz sprechen.

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