Bei Borussia Dortmund läuft in dieser Saison vieles nicht nach Plan: Champions-League-Aus, Blamage im Pokal und eine lange Verletztenliste machen dem Verein zu schaffen. Das wirkt sich auch auf die individuelle Situation einzelner Spieler aus, wie das Beispiel Youssoufa Moukoko zeigt.

Christopher Giogios
Eine Kolumne
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Es ist ruhig geworden um Youssoufa Moukoko. Nicht unbedingt die Art von Ruhe, die man sich aus BVB-Sicht für einen Jugendlichen wünscht, der sich im Schatten der medialen Aufmerksamkeit stetig weiterentwickeln soll.

Nein, Moukoko hat in der laufenden Saison schlicht und ergreifend keine wirkliche Rolle für seine Mannschaft spielen dürfen. In seiner zweiten Profisaison kommt der 17-Jährige gerade einmal auf knapp 100 Bundesligaminuten. Für seine persönliche Entwicklung ist das Gift.

Eine schwierige Saison für Moukoko

Es ist also kein Wunder, dass im Lager des Stürmers Alarm geschlagen wird und der Berater in den Boulevardmedien mahnend auf den 2023 auslaufenden Vertrag hinweist. Beim Blick auf Moukokos aktuelle Situation beim BVB müssen allerdings verschiedene Dinge voneinander getrennt werden.

Das grundlegende Problem dieser Saison ist weniger Moukokos Rolle bei Borussia Dortmund als eine langwierige muskuläre Verletzung, die ihn in der Hinrunde nahezu vollständig außer Gefecht gesetzt hat. Für einen jungen Spieler, der sich von Tag zu Tag weiterentwickelt, ist eine solche mehrwöchige Zwangspause ein enormer Rückschlag. Was die Verletzung für ihn umso ärgerlicher macht: Im selben Zeitraum fiel phasenweise auch Erling Haaland aus, wodurch Moukoko sicherlich Einsatzzeiten entgangen sind.

Moukoko und die Dortmunder Kaderstruktur

Damit ist auch das grundlegende Problem von Moukokos Situation in Dortmund adressiert: Aufgrund der Kaderstruktur muss er mit den wenigen Minuten arbeiten, die eine derartig hochkarätige Offensive eben übriglässt. Allen voran steht mit Haaland ein Stürmer, der über alle Zweifel erhaben ist. Wenn der Norweger fit ist, steht er auch auf dem Platz. Auch wenn man es in Dortmund nicht gerne zugibt: Der 21-Jährige spielt selbst dann, wenn er nicht bei 100 Prozent ist, wie seine frühe Rückkehr von einer Hüftverletzung zeigte.

Es kommt erschwerend hinzu, dass die von Marco Rose präferierte Mittelfeldraute mit zwei Spitzen bislang nicht häufig zum Einsatz gekommen ist. Wenn man mit zwei Stürmern spielt, würde das auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Moukoko gelegentlich neben Haaland aufläuft. Gleichzeitig hat der BVB für diese Position im Sommer erst Donyell Malen geholt. Aber auch in Abwesenheit von Haaland hat Rose zahlreiche Optionen, die im Zweifel mehr Sicherheit versprechen. Mit Spielern wie Marco Reus oder Thorgan Hazard stehen variable Fußballer zur Verfügung, die notfalls auch (gemeinsam) einen Erling Haaland ersetzen können.

Es bleibt beim bekannten Dilemma: Im harten Bundesligaalltag bieten sich den Trainern aufgrund des massiven Erfolgsdrucks selten Möglichkeiten, mit unerfahrenen Spielern ein höheres Risiko zu gehen. Die Spieler indessen bekommen vor allem Kurzeinsätze und müssen in wenigen Minuten ihre Leistung zeigen – für einen Stürmer, der vor allem an Torabschlüssen gemessen wird, gilt das umso mehr.

Auch für Moukoko entscheidend: Was passiert mit Haaland?

Moukokos Zukunft beim BVB wird maßgeblich davon abhängen, wie es mit Haaland im Sommer weitergeht. Sollte der Norweger seine Ausstiegsklausel ziehen, steht der BVB vor einer folgenschweren Entscheidung: Holt man sich einen anderen hochkarätigen Zielspieler, oder traut man Moukoko eine deutlich größere Rolle zu? Derzeit ist es schwer vorstellbar, dass Moukoko von jetzt auf gleich einen so großen Sprung absolvieren kann – das darf man in seinem Alter und bei seinen aktuellen Einsatzzeit aber auch nicht erwarten.

Für ihn und seine Berater wird es um eine klare Perspektive gehen. Hier ist der BVB um seinen designierten Sportdirekter Sebastian Kehl in der Bringschuld, einen klaren Plan für und mit seinem Youngster zu formulieren. Im Zweifel könnte auch ein Leihgeschäft Sinn ergeben; bestes Beispiel ist der junge Ansgar Knauff, der beim BVB zuletzt keine Rolle mehr spielte und sich bei der Frankfurter Eintracht nun deutlich mehr Einsatzmöglichkeiten erhoffen darf.

Dass man sich von Moukoko trennen möchte, ist ausgeschlossen. Trotz aller Widrigkeiten darf man nicht vergessen, dass wir es mit einem Spieler zu tun haben, der alle Nachwuchsrekorde des deutschen Fußballs gebrochen hat. Moukoko hat in seiner Debütsaison bereits bewiesen, dass er auch im Männerfußball seine Qualitäten auf den Platz bringen kann. Absolute Ausnahmespieler wie Jude Bellingham und Erling Haaland täuschen gelegentlich darüber hinweg, dass ein Auf und Ab in der Entwicklung junger Spieler völlig normal ist. Große Sorgen sollte man sich daher um seine Entwicklung nicht machen. Moderieren muss der BVB den Unmut von Moukoko trotzdem.

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Verwendete Quelle:

  • Kicker.de: Moukoko-Berater: Vertragsverlängerung "kein Selbstgänger"
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