Das Versprechen, sich "um Schalke zu kümmern", gab Clemens Tönnies seinem Bruder Bernd an dessen Sterbebett. Zwischen 2001 und 2020 hat er bereits geliefert, saß dem königsblauen Aufsichtsrat vor. Dann verjagten ihn die Fans. Sie geraten in Unruhe. Denn Clemens Tönnies schießt gegen die aktuelle Führung - unterstützt von einer Trainer-Legende.

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Vor knapp vier Jahren trat er auf massiven öffentlichen Druck zurück, jetzt wird beim tief gestürzten FC Schalke 04 wieder hitzig über Clemens Tönnies diskutiert - 30 Jahre nachdem seine Familie beim Traditionsklub einstieg. Königsblau drohte der Konkurs, als sein älterer Bruder Bernd am 7. Februar 1994 zum Präsidenten gewählt wurde. Aktuell ist die Situation ähnlich prekär: Den Abstieg in die 3. Liga würde der hochverschuldete Klub womöglich nicht überleben.

Und da taucht der Milliardär aus Rheda-Wiedenbrück wieder auf - als Zugpferd einer Oppositionsgruppe, die die aktuelle Schalker Führung, medial unterstützt von der "Bild"-Zeitung, seit Wochen harsch kritisiert. Tönnies selbst hatte im Herbst seinem Nach-Nachfolger Axel Hefer als Aufsichtsratschef und dem Vorstand Misswirtschaft vorgeworfen: "Es wirkt fast, als ob sie den Verein absichtlich über die Klippe schubsen wollen."

Nun legte er nach: "Die Gremien und Ämter müssen mit Experten aus Wirtschaft und Sport mit einem breiten Netzwerk besetzt werden. So kann es nicht weitergehen." Es habe "noch nie so schlimm um unser Schalke" gestanden.

Peter Neururer nimmt Clemens Tönnies in Schutz

Tönnies, von 2001 bis 2020 der starke Mann auf Schalke, gehört zu der Gruppe der fünf wichtigsten Sponsoren sowie einiger "Ehemaliger", die Hefer und Co. massiv angehen. "Das ist keine Opposition", betonte Ex-Trainer Peter Neururer, der selbst an Treffen teilnahm, im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID), "das sind alles Schalker in der Verpflichtung, mitzudenken und mitzuhelfen."

Die Kritikpunkte: Die Vereinsführung sei "noch nie im Profifußball unterwegs" gewesen und mache "einen Fehler nach dem anderen - das löst eine panische Angst im Verein aus". Die Zweitliga-Mannschaft, mit dem Ziel Wiederaufstieg zusammengestellt, könne "auch von einem Zauberer trainiert, also von mir, niemals aufsteigen". Es sei klar, "dass es so nicht weitergehen kann". Anfang März soll sich die Sponsorengruppe um den langjährigen Vereinspatriarchen erneut mit der Klubführung treffen, um "auf einen Nenner" zu kommen. Mit Tönnies, glaubt Neururer, wäre Schalke "nie in diese Situation geraten".

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Clemens Tönnies gab am Sterbebett seines Bruders Bernd ein Versprechen ab

Der Fleischfabrikant war im Sommer 2020 nach rassistischen Äußerungen und einem Corona-Ausbruch in seinem Schlachtbetrieb auf Druck zahlreicher Fans zurückgetreten. Inzwischen wünschen sich nicht wenige Anhänger dessen Rückkehr. Tönnies war 1994 Mitglied des neu geschaffenen Schalker Aufsichtsrats geworden, nachdem sein Bruder Bernd nach nur 145 Tagen als Präsident gestorben war. Am Sterbebett habe er ihm versprochen, sich "um Schalke zu kümmern", erzählte er später.

Damals hatte der Klub 14,6 Millionen Mark Schulden, im vergangenen Jahr waren es 165 Millionen Euro. Schalke baute in dieser Zeitspanne aus Eigenmitteln seine Arena, gewann den Uefa-Cup, dreimal den DFB-Pokal, wurde fünfmal Vizemeister, spielte achtmal in der Champions League. Tönnies griff aber auch mit Christian Heidel als Sportvorstand, der mit teuren Fehleinkäufen den Niedergang einleitete, daneben und hinterließ mehr als 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Das schränkte den Spielraum seiner Nachfolger enorm ein, die den Absturz beschleunigten.

Jetzt setzt er mit den anderen Großsponsoren Hefer, einst einer seiner größten Kritiker, unter Druck. Zu große Nähe zu den Ultras, falsche Besetzung des Vorstands und mangelhafte Sponsorensuche werden dem aktuellen Boss vorgeworfen - auch Überlegungen, Marketing- und Cateringrechte zu verkaufen, abgelehnt.

Clemens Tönnies selbst will kein Amt mehr bekleiden

Bislang hat Tönnies selbst eine Rückkehr ausgeschlossen - und das soll auch so bleiben. "Ich selber werde kein offizielles Amt mehr auf Schalke bekleiden", sagte er: "Die Zeit auf Schalke war die schönste meines Lebens. Aber 26 Jahre sind genug." (sid/hau)

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