Ausgerechnet von Landsmann Nico Rosberg erfährt Sebastian Vettel nach dem umstrittenen Grand Prix von Kanada in Montreal in seinem Frust und seiner Enttäuschung keinen Zuspruch. Für Rosberg geht die Bestrafung Vettels vollkommen in Ordnung.

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Der frühere Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg hat sich in der Diskussion um die Fünf-Sekunden-Strafe gegen Sebastian Vettel beim Großen Preis von Kanada deutlich gegen seinen Landsmann positioniert.

Nico Rosberg, links, ist Weltmeister und nimmt mit dem finalen WM-Rennen 2016 in Abu Dhabi Abschied aus der Formel 1. Sebastian Vettel, rechts, steht mit seinem deutschen Landsmann auf dem Podium und droht ihm mit der Champagner-Dusche.

Rosberg: "Vettels Strafe ist verdient"

"Die Strafe ist in Ordnung und hundertprozentig verdient", sagte Rosberg in seinem Podcast: "Es gibt eine Regel, dass man nach einem Ausrutscher sicher auf die Strecke zurückkehren muss, und das hat Vettel nicht getan."

Den Fehler müsse der Ferrari-Frontmann, der unter einem "ganz enormen Druck" stehe, deshalb ausschließlich bei sich selbst suchen.

"Aber es ist eine Schwäche von Vettel, dass er sich selbst nie in Frage stellt und immer anderen die Schuld gibt", sagte Rosberg, der dennoch mehrfach betonte, dass Vettel ein "hervorragender Fahrer" sei: "Ich würde ihn auch gerne gewinnen sehen."

In Montreal musste Vettel den sicher geglaubten Sieg wegen der Zeitstrafe seinem großen Widersacher Lewis Hamilton im Mercedes überlassen.

Mit seiner Meinung steht Rosberg im krassen Gegensatz zu anderen Ex-Weltmeistern, die sich mehrheitlich auf Vettels Seite stellten.

Mansell nennt die Stewards "peinlich"

"Sehr, sehr peinlich", twitterte der Brite Nigel Mansell, Champion von 1992: "Zwei brillante Champions, aber ein falsches Ergebnis."

Mario Andretti (USA/1978) forderte, einen Fahrfehler in einem harten Zweikampf "nicht so zu bestrafen", und Damon Hill (Großbritannien/1996) zitierte gar seine Ehefrau, die festgestellt habe: "Das war verdammtes Racing."

Jenson Button (Großbritannien/2009) räumte bei Sky zumindest ein, dass Vettel einen Fehler gemacht habe, aber: "Diese harte Strafe hat er dafür nicht verdient."

Keke Rosberg widerspricht seinem Sohn

Auch Rosbergs Vater Keke, selbst 1982 Champion, teilte die rigorose Meinung seines Sohnes nicht ganz. "Er hat gesagt, 60 Prozent für eine Strafe, 40 Prozent dagegen", sagte der Mercedes-Weltmeister von 2016: "Ich habe ihn gefragt, wieso 40 Prozent dagegen? Die Sache war ganz eindeutig."

Zudem kritisierte Rosberg das Verhalten Vettels nach dem Rennen: "Das war respektlos und unwürdig, schließlich war er derjenige, der einen Fehler gemacht hat."

Vettel war nach einem Fahrfehler ins Gras gerutscht und hatte bei seiner Rückkehr auf die Strecke den nachfolgenden Hamilton fast in die Mauer gedrängt.

Ihr könnt euch ja alle mal vorstellen, was passiert wäre, wenn Lewis nicht so hart gebremst hätte", sagte Rosberg: "Dann wäre er nämlich an der Mauer gelandet. Noch einmal: Das war keine sichere Rückkehr auf die Strecke, und deshalb musste Vettel bestraft werden." (AFP/hau)

Formel 1: Sebastian Vettel verliert in Montreal, obwohl er als Erster durchs Ziel rast

Auf der Strecke gewinnt Sebastian Vettel im Ferrari den Grand Prix von Kanada in Montreal gegen Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes. Eine fünfsekündige Zeitstrafe aber versetzt Vettel, der dafür keinerlei Verständnis hat, wegen einer vermeintlichen Behinderung Hamiltons auf Platz zwei zurück. © DAZN