• Gerwyn Price ist erstmals Darts-Weltmeister geworden und ist neuer Weltranglisten-Erster.
  • Der Waliser spielte früher erfolgreich Rugby, bis ihn eine Verletzung stoppte.
  • Der Zeitpunkt seines Karriereendes steht bereits fest.

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Der sonst so coole "Iceman" sackte erst einmal zusammen, als sein Pfeil in der Doppel-Fünf stecken blieb und damit den Weltmeistertitel besiegelte.

Mit 7:3 setzte sich der Waliser Gerwyn Price im UK-Duell gegen den Schotten Gary Anderson durch. Neben dem Weltmeistertitel durfte sich der "Iceman" über 500.000 Pfund und den Sprung auf Platz eins in der Darts-Weltrangliste freuen. Eine Entwicklung, die vor sieben Jahren noch nicht einmal im Entferntesten abzusehen war.

Am 1. Januar 2014 hatte Michael van Gerwen im Finale der Darts-WM Peter Wright geschlagen und sich damit Platz eins in der Weltrangliste gesichert. Zu diesem Zeitpunkt war Price längst noch nicht Teil der Profitour. Erst einige Wochen nach dem WM-Finale 2014 hatte er sich dazu entschlossen, überhaupt mal an einem Qualifikationsturnier teilzunehmen. Zuvor war er als Rugby-Spieler durchaus erfolgreich, doch eine Handverletzung hatte den Rugby-Traum jäh beendet.

Eine herbe Enttäuschung für Price, der in der walisischen Liga als einer der besten Spieler galt und sogar im Juniorennationalteam der Rugby-Nation auflief. Nebenbei arbeitete er noch in Teilzeit auf Baustellen als Isolierer, da ihm sein Lohn beim Rugby nicht reichte.

Ex-Profi Barrie Bates entdeckt Price

Eine wichtige Rolle bei Prices Entscheidung für den Darts-Sport spielte der ehemalige Profi Barrie Bates. Er erkannte das Talent von Price, der bis dato nur mit Freunden in der Kneipe Pfeile warf, und ermunterte ihn, sich für Qualifikationsturniere anzumelden.

Schnell steigerte sich Price und spielte sogar in der höchsten britischen Pub-Liga, bevor er 2014 endgültig alles auf die Darts setzte – auch weil er die finanziellen Möglichkeiten der Sportart erkannte. So soll der 35-Jährige zu Beginn seiner Karriere das Ziel geäußert haben, dass er den Darts-Spielern "das Geld aus der Tasche ziehen" will.

Die Regeln des Spiels auf der Profitour kannte er dabei nicht vollständig, wie er nach seinem WM-Titel in einer Medienrunde einräumte. "Wenn ich die Regeln gekannt hätte, bevor ich hinging, wäre ich wohl nicht erschienen."

Mentor Bates berichtete ihm nach der geglückten Qualifikation, dass ihn jede Turnierteilnahme 105 Pfund - also rund 116 Euro - Startgebühr kostet. "Ich war froh, dass ich das damals nicht wusste, weil jetzt habe ich die 105 Pfund unzählige Male eingespielt", sagte Price rückblickend.

Bereits in seinem ersten Profijahr machte der muskulöse Waliser, der vielen Gegnern physisch überlegen war und ist, die WM-Teilnahme im Alexandra Palace klar. Dort scheiterte er aber in Runde eins an Wright - ein Muster, das sich noch einige Male wiederholen sollte. Doch Price blieb hartnäckig und fuhr bereits zwei Jahre nach Beginn seiner Profikarriere die ersten Titel auf der "PDC-Tour" ein.

Price mit Rempler gegen Anderson

Sein erster Major-Titel auf der Darts-Tour folgte im Jahr 2018 und wird gleichzeitig für immer mit einem der größten Aufreger im Profi-Darts verbunden sein. Beim Grand Slam of Darts traf Price auf Fanliebling Anderson und lag vermeintlich aussichtslos zurück. Mithilfe von Störmanövern, überschwänglichen Jubelposen und Remplern kämpfte sich Price zurück ins Spiel und gewann die Partie doch noch, verlor aber jegliche Sympathie bei den Fans.

Zudem musste er 20.000 Pfund Strafe zahlen. Bei der anschließenden WM galt Price als Geheimfavorit, doch die Zuschauer im Ally Pally buhten ihn gnadenlos aus, sodass bereits in Runde eins Schluss war.

Im darauffolgenden Jahr konnte Price mit den Emotionen des Publikums besser umgehen und erreichte das Halbfinale. Inzwischen nutzte der 35-Jährige nämlich die Emotionen aus dem Publikum, um seine Leistung zu steigern.

Dass er sich dann vor wenigen Monaten nicht als Fan der eingespielten Fangeräusche aufgrund der Coronapandemie zeigte, nun aber den Weltmeistertitel unter diesen besonderen Bedingungen einfuhr, zeigt Prices enormen Siegeswillen.

Ähnlich wie van Gerwen kann auch der Waliser einen unglaublichen Ehrgeiz im Verlauf einer Partie entwickeln, den Price durch seinen lauten, für manchen vielleicht auch provokanten Jubel nach erfolgreichen Legs zu kontrollieren versucht.

Rugby oder Darts – wo ist Price besser?

Dieser unbedingte Wille stammt wohl aus Prices Rugbykarriere. Dort spielte er eine der körperlich anspruchsvollsten Positionen, falls es in dieser Sportart überhaupt eine Position gibt, die nicht eine starke Physis verlangt. Auf dem Rugbyfeld lernte Price, sich zu fokussieren und entwickelte seinen Ehrgeiz. Eigenschaften, die ihm nun beim Darts entgegenkommen.

Doch welche Sportart beherrscht er nun besser, Rugby oder Darts? "Ich weiß es nicht. Früh in meiner Rugbykarriere war ich gut, aber ich ließ mir ein paar Chancen entgehen. Aber ich glaube, dass ich heute ein ordentlicher Spieler wäre", sagte Price, als ihm diese Frage nach seinem WM-Titel gestellt wurde.

Er ergänzte: "Wegen der Art und Weise, wie ich dieses Jahr gespielt habe, habe ich die Trophäe verdient und habe es verdient, die Nummer eins zu sein, aber der Druck startet jetzt. Wenn ich die WM niemals wieder gewinne, spielt dieser Titel keine Rolle."

"In der Sonne leben": Price plant Karriereende mit 50

Selbst im Moment seines größten Erfolges will sich Price nicht zurücklehnen, denn er hat dafür schon den perfekten Zeitpunkt ausgemacht. "Ich werde mit 50 Jahren aufhören und in der Sonne leben", erzählte er in der "Welt". Mit der Vermietung von Häusern will er dann seinen Lebensunterhalt verdienen – und sicherlich auch dort nach dem Maximum streben.

Denn Schwäche zeigen ist bei Price nicht vorgesehen. "Ich habe noch nie einen solchen Druck in meinem Leben gespürt", beschrieb der Waliser jenen Moment im WM-Finale, als es ihm nicht mehr gelang, die Doppelfelder zum entscheidenden Leg-Gewinn zu treffen, nachdem er diese zwischenzeitlich zu 80 Prozent getroffen hatte.

Aber auch diese Herausforderung meisterte der "Iceman", dessen Darts-Karriere wohl nur einen vorübergehenden Höhepunkt erreicht hat.

Verwendete Quellen:

  • Sport1: Darts-WM-Finale am 3. Januar 2020
  • Skysports.com: PDC World Darts Championship, 2020/21: Gerwyn Price wins Sid Waddell Trophy and climbs to top of world rankings
  • Augsburger Allgemeine: Gerwyn Price: Ein Buhmann greift nach der Darts-Krone
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