In Zeiten, in denen täglich Nachrichten über den neu gewählten US-Präsidenten, eine wachsende Furcht vor Anschlägen in Deutschland oder die Lage in Syrien die Wahrnehmung der Menschen dominieren, rücken andere Krisen in den Hintergrund. Denn die eigene Welt scheint aus den Fugen zu geraten.

Dennoch gibt es diese vergessenen Krisen. Und ihre Liste ist erschreckend lang. In mehr als 40 Regionen toben Bürgerkriege, schwelen bewaffnete Konflikte zwischen religiösen Gruppen und sind Terroranschläge an der Tagesordnung.

Die Folgen sind weitreichend. So werfen die vergessenen Krisen die Länder um Jahrzehnte in ihrer Entwicklung zurück. Sie zerstören die wirtschaftlichen Grundlagen und schaffen eine prekäre humanitäre Situation.

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Afrika und Asien mit hoher Krisenanfälligkeit

Erst Anfang der Woche haben sie sich ins Bewusstsein gedrängt, als für vier Länder unter anderem von UNICEF eine akute Hungersnot ausgerufen wurde. In Afrika und Asien gibt es dabei besonders viele Krisengebiete. Doch auch Europa, der Nahe Osten und Südamerika bieten hohes Konfliktpotential.

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) hat in seinem aktuell veröffentlichten Bericht 38 Konflikte mit hohem Gewaltpotential festgestellt. Davon wertet es 18 als Kriege. Hinzu kommen 402 teilweise gewaltsame Auseinandersetzungen, in denen um die politische Vorherrschaft in einem Land gerungen wird.

Einige Beispiele für vergessene Krisen:

Südsudan

Die jüngste Nation der Welt wird seit 2013 von einem blutigen Bürgerkrieg beherrscht:

  • 2011 unabhängig geworden; wenig später brach an der Staatsspitze ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Stellvertreter Riek Machar aus.
  • Der Konflikt forderte bereits zehntausende Todesopfer, mindestens 3,4 Millionen Einwohner sind auf der Flucht.
  • Ethnisch motivierte Verbrechen erschüttern einige Gebiete.
  • Die Landwirtschaft ist zerstört, die Wirtschaft weitgehend zum Erliegen gebracht.
  • Ein Friedensabkommen, basierend auf einer neuen Machtverteilung und einer Eingliederung der Rebellen ins Militär, scheiterte im Juli 2016.
  • Im Februar 2017 rufen unter anderen UNICEF eine Hungersnot aus, da 40 Prozent der Bevölkerung unterernährt sind und kaum Trinkwasser haben.

Jemen

Seit 2013 kämpfen schiitische Huthi-Rebellen mit der Armee der Regierung um die Macht:

  • Die Huthi-Rebellen unterstützen den Ex-Präsidenten Ali Abdullah Salih.
  • Mit der Besetzung der Hauptstadt Sanaa durch die Rebellen eskalierte der Konflikt Ende 2014 zum Bürgerkrieg; innerhalb kurzer Zeit brachten sie einen Großteil des Landes unter ihre Kontrolle.
  • Seit März 2015 fliegt Saudi-Arabien als Verbündeter der international anerkannten Regierung von Präsident Abd Rabbo Masur Hadi Luftangriffe gegen die Rebellen.
  • Die Angriffe haben auch viele Zivilisten, Gesundheitseinrichtungen und die Infrastruktur des Landes massiv getroffen.
  • Im Oktober 2016 greifen die USA in den Konflikt ein; eine später vereinbarte Waffenruhe hält nicht.
  • Die Zivilbevölkerung leidet unter einer doppelten Blockade: Saudi-Arabien kontrolliert See- und Luftsperren, die Rebellen halten die Landwege.

Zentralafrikanische Republik

Das zweitärmste Land der Welt ringt seit Monaten um einen brüchigen Frieden:

  • Mit dem Sturz des christlichen Präsidenten François Bozizés im März 2013 brach jegliche Stabilität im Land zusammen.
  • Der Regierungsputsch entwickelte sich zu einem blutigen Kampf zwischen muslimischen Séléka-Rebellen und christlichen Milizen.
  • Verschiedenen Übergangsregierungen gelang es nicht, Frieden zu stiften und die staatliche Ordnung wieder herzustellen.
  • Faustin Touadéra wurde im Februar 2016 als neuer Präsident gewählt; auch seiner Regierung gelang es bisher nicht, Ruhe ins Land zu bringen.
  • Zehntausende Kinder wurden als Kindersoldaten missbraucht.
  • Mehr als 10.000 Blauhelmsoldaten ringen um Stabilität und Sicherheit der Zivilbevölkerung.
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Wenn Schüsse und Gewalt an der Tagesordnung sind

In mehr als 40 Regionen toben Bürgerkriege, schwelen bewaffnete Konflikte und sind Terroranschläge an der Tagesordnung.