• Neben Ortskräften und Beratern deutscher Behörden und NGOs will die Bundesregierung rund 2.600 weitere Menschen aus Afghanistan sowie deren Familien aufnehmen.
  • Darunter sind unter anderem Journalisten, Menschenrechtler und Künstler.
  • Nach Deutschland zu kommen dürfte für sie nicht ganz leicht werden.

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Das Bundesinnenministerium hat für gut 2.600 Menschenrechtler, Künstler, Wissenschaftler, Journalisten und andere potenziell gefährdete Menschen aus Afghanistan eine Aufenthaltszusage erteilt. Das bedeutet, dass diese Menschen sowie ihre Lebenspartner und Kinder einen Aufenthaltstitel für Deutschland erhalten, also kein Asyl beantragen müssen.

Eine entsprechende Zusage sei am Dienstag für alle Menschen, deren Namen auf der "Menschenrechtsliste" des Auswärtigen Amtes stehen, erteilt worden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Einzige Voraussetzung sei, dass im Einzelfall keine Sicherheitsbedenken bestünden.

Krisenreaktionszentrum will bei Ausreise helfen

Der größere Teil dieser Menschen befinde sich derzeit noch nicht in Deutschland, erklärte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr, am Mittwoch in Berlin. Das Krisenreaktionszentrum der Regierung arbeite daran, Deutschen, ehemaligen Ortskräften sowie den anderen Schutzbedürftigen bei der Ausreise aus Afghanistan und der Weiterreise nach Deutschland zu helfen - entweder auf dem Landweg über Nachbarstaaten oder mit zivilen Flügen, wie dies zuletzt etwa via Katar möglich gewesen sei.

Deutschland hat zuletzt 3.849 Afghanen aufgenommen

Nach der Machtübernahme der Taliban im August waren mit Evakuierungsflügen der Bundeswehr nach Angaben der Bundesregierung 4.587 Menschen nach Deutschland gekommen, davon 3.849 Afghanen und 403 deutsche Staatsangehörige. Unter den Schutzbedürftigen waren auch ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr und anderer deutscher Institutionen. Nach dem Ende der Luftbrücke Ende August kamen noch einige Hundert Afghanen auf anderem Wege nach Deutschland - etwa über das Golfemirat Katar.

Die vollständige Liste der Menschen, die das Auswärtige Amt über die Ortskräfte hinaus für besonders schutzbedürftig hält, war im Bundesinnenministerium am vergangenen Freitag eingegangen.

Reporter ohne Grenzen beklagt Verzögerung

Reporter ohne Grenzen begrüßte die Entscheidung des Innenministeriums, kritisierte jedoch die Verzögerungen in den vergangenen Tagen: "Die zuständigen Ministerien haben sich gegenseitig die Verantwortung zugeschoben und damit Evakuierungs- und Aufnahmeverfahren blockiert." Dennoch sei es erfreulich, "dass nun offenbar einzelne von der Organisation an das Auswärtige Amt übermittelte Namen von afghanischen Medienschaffenden auf einer offiziellen Liste mit aufnahmeberechtigten Personen stehen".

Die Zahl der von der Bundesregierung nun ausgewählten Schutzbedürftigen sei "viel zu niedrig, angesichts der vielen Fälle, die wir und andere Organisationen dem Auswärtigen Amt gemeldet hatten", sagte der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt. (dpa/mcf)

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