• Die in Großbritannien entdeckte Mutation des Coronavirus ist auch in Deutschland weiter auf dem Vormarsch.
  • In Nordostbayern soll sie bereits die dominierende Variante sein.
  • Allerdings gibt es noch keine exakten Daten, die zeigen, wie hoch ihr bundesweiter Anteil ist.

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Es war wohl eine Frau im Weihnachtsurlaub, die als erste die Coronavirus-Variante B.1.1.7 nach Deutschland brachte. Die Infizierte war am 20. Dezember von London nach Baden-Württemberg gereist, um dort ihre Eltern zu besuchen. An Heiligabend wurde bei ihr die zuerst in Großbritannien entdeckte Mutation festgestellt – als deutschlandweit erste Person.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Erst in Niedersachsen und dann in Nordrhein-Westfalen tauchten weitere Infizierte auf. Seitdem hat sich die ansteckendere Corona-Variante immer weiter ausgebreitet. In Italien soll laut einer Schätzung des Gesundheitsministeriums schon fast jede fünfte Corona-Infektion auf sie zurückzuführen sein. Im Schnitt seien es nach einer Stichproben-Analyse landesweit rund 17 Prozent der Infektionen, teilte das Ministerium am Freitag mit.

Und in Deutschland? Bundeskanzlerin Angela Merkel vermutet, dass hierzulande aktuell 20 Prozent aller Corona-Infektionen auf Mutationen zurückzuführen sind. Sie warnte, dass diese "die Oberhand gewinnen" werden und das "alte Virus verschwinden" werde.

Fakt ist: Für ganz Deutschland gibt es bisher noch keine repräsentativen Daten. Untersuchungen zeigen aber einen klaren Trend.

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Söder: In Nordostbayern dominiert B.1.1.7

Es gibt etliche Daten, die zeigen, wie weit B.1.1.7 in einigen Regionen schon verbreitet ist. Denn etliche Städte und Landkreise testen verstärkt auf die Mutation. Eine Auswahl an Zahlen:

  • Düsseldorf: Bisher wurde in Düsseldorf laut Stadtverwaltung in 34 Fällen die Virusvariante B.1.1.7 nachgewiesen, das sind 19,5 Prozent der untersuchten positiven Proben. Dies ergaben zusätzliche Untersuchungen, die seit dem 1. Februar bei allen positiven PCR-Proben aus dem Testzentrum und den mobilen Testdiensten der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt vorgenommen wurden, wie die Stadt am Mittwochabend mitteilte.
  • Flensburg: Auch in der Stadt in Schleswig-Holstein sind die Behörden über gehäuftes Auftreten der Mutation besorgt. In Flensburg ist aktuell etwa jede dritte Neuinfektion auf die hochansteckende Variante zurückzuführen, wie die Stadt erklärte. In der Stadt gibt es aktuell 507 aktive Infektionen, in 196 Fällen wurden Mutationen nachgewiesen.
  • Nordostbayern: Nach Angaben von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat B.1.1.7 in den Landkreisen Hof, Wunsiedel und Tirschenreuth bereits die Oberhand gewonnen. In der Region an der Grenze zu Tschechien betrage der Anteil der Mutation an den positiven Fällen bereits 40 bis 70 Prozent, sagte Söder am Donnerstag nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts in München. Ähnliche Werte hatten zuvor auch die Kreise selbst bekanntgebenen.

Regional sehr starke Schwankungen

Ein zuletzt am Mittwoch aktualisierter Bericht des Robert-Koch-Instituts zu Virusvarianten in Deutschland und insbesondere zur Mutation B.1.1.7 macht deutlich, dass der Anteil der Variante regional sehr stark schwankt – mit extremen Ausreißern nach oben wie eben in Flensburg und in Nordostbayern. Der bundesweite Schnitt dürfte dieser Tage noch unter den von Merkel genannten 20 Prozent liegen.

Anzahl der Proben pro Postleitzahlbereich bei denen die Variante B.1.1.7 detektiert wurde sowie die an der Untersuchung beteiligten Labore. (Stand: 10. Februar)

Den Untersuchungen zufolge befanden sich im Zeitraum vom 22. bis 29. Januar bei annähernd 34.000 analysierten Proben nur bei 1.902 (5,6 Prozent) Spuren von B.1.1.7. Neuere und weitere Daten, die auch die vergangene Woche mit einschließen, würden laut RKI aber "eine stetige Steigerung des Anteils der VOC (Variant of Concern, Anm. d. Red.) B.1.1.7" zeigen.

Zugleich betont das Institut, dass den Zahlen Verzerrungen unterliegen. Zum einen aufgrund der Probenauswahl. Denn viele Proben wurden untersucht, weil es bereits einen epidemiologischen oder diagnostischen Verdacht auf eine Mutation gibt. Zum anderen nahmen nicht alle Labore in Deutschland an den Untersuchungen teil.

Wird gezielt nach der Mutation gesucht, wird diese auch häufiger gefunden. So hatten Stadt und Landkreis Hof sowie der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge bereits Ende Januar angekündigt, sämtliche positiven Testergebnisse auf Mutationen zu untersuchen. Erwartungsgemäß sei dann auch die Zahl der bestätigten Mutationen gestiegen, wie das Landratsamt Wunsiedel wenige Tage später mitteilte. (afp/dpa/mf)

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